Vergesslich: Werde ich dement?

Die Angst vor Alzheimer treibt viele Menschen um. Meist zu Unrecht. Trotzdem lohnt es sich, etwas für das Gehirn zu tun – gerade bei Diabetes
von Sabine Lotz, 09.08.2017

Schlüssel im Kühlschrank: Schusseligkeit ist ein Stück weit normal

alimdi.net/Rufus

Mal wieder einen kleinen Aussetzer gehabt? Fast jeder hat schon mal stundenlang die Lesebrille gesucht. Oder den Autoschlüssel erst nach längerem Fahnden gefunden: im Autoschloss steckend ...

Jeder Zweite fürchtet sich vor einer Demenz

Ulkige kleine Episoden. Doch irgendwann beginnt man zu überlegen, ob solche Schusseligkeiten Anzeichen einer beginnenden Demenz sein könnten. "Dementia worry", zu Deutsch: die Angst, dement zu werden, nennen Wissenschaftler dies. Laut einer Befragung des Forsa-Instituts im Auftrag der DAK-Gesundheit hat jeder zweite Deutsche Angst, an einer Demenz zu erkranken. Besonders anfällig für Demenzangst sei, wer sich auch sonst schnell Sorgen macht, sagt Professor Dr. Götz-Erik Trott, Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie aus Aschaffenburg. Auch wer bereits Demenzkranke in der Familie hat, kommt leicht ins Grübeln.

Begründet ist die Demenzangst in den meisten Fällen nicht. "Oft steckt einfach nur Vergesslichkeit hinter solchen schusseligen Episoden", tröstet Trott. Dass diese mit zunehmendem Alter häufiger werden – bis zu einem gewissen Grad sei das normal. Zum einen, weil das Gehirn wie alle Organe altert. Zum anderen, weil ältere Leute oft einfach unkonzentrierter sind. Nach Erfahrung von Dr. Jürgen Auth, Internist in Würzburg, sind Neu-Ruheständler häufig recht zerstreut. "Wer in Rente geht, ist manchmal nicht mehr so bei der Sache, wie er es im beruflichen Alltag sein musste." Würde man sich darauf konzentrieren, wo man Brille oder Schlüssel ablegt, müsste man nicht danach suchen.

Vergesslichkeit: Viele Ursachen möglich

Manchmal ist das leichter gesagt als getan. Wer vergesslich ist, weil ihm Schlafstörungen oder Stress zusetzen, kann nicht einfach den Schalter auf "Konzen­trier dich" umlegen, sondern muss eventuell ärztliche oder psychotherapeutische Hilfe in Anspruch nehmen. Das Gleiche gilt bei Angst­­erkrankungen oder Depressionen. So werden Depressive nicht selten irrtümlich von sich selbst und ihrer Umwelt für demenzkrank gehalten. Nicht nur weil sie vergesslich wirken, sondern auch weil sie, ähnlich wie Demente, das Interesse an dem verlieren, was ihnen früher wichtig war.

Eine nicht zu unterschätzende Ursache für Vergesslichkeit ist laut Hausarzt Dr. Auth ein nachlassendes Hörvermögen: "Was man nicht genau hört, entfällt einem leichter wieder. Machen Sie bei Vergesslichkeit sicherheitshalber auch einen Hörtest!" Zudem können Diabetes, Bluthochdruck, Rauchen und erhöhte Blutfettwerte die Blutgefäße schädigen und so die Gehirndurchblutung verringern.

Hat der Arzt körperliche und see­lische Ursachen für die Vergesslichkeit ausgeschlossen, bleibt nur altersbedingte Gedächtnisschwäche als Erklärung für verlegte Schlüssel, verschwundene Brillen und entfallene Namen. Ob die Einnahme pflanzlicher Wirkstoffe, etwa aus Ginkgo-Blättern oder Ginseng-Wurzeln, dem Gehirn etwas bringt — dafür fehlt der wissenschaftliche Nachweis. Doch jeder kann im Alltag viel tun, um sein Gedächtnis zu trainieren.

Vier Tipps für Ihr Gehirn

  • Bewegen Sie sich möglichst viel; essen Sie gesund; trinken Sie genug – das liebt Ihr Gehirn. Zigaretten und zu viel Alkohol mag es dagegen gar nicht.
  • Das Gehirn merkt sich gern Neues. Dazu reichen schon kleine Schritte: Lernen Sie jeden Tag ein neues Fremd­wort, und fragen Sie sich am übernächsten Tag danach ab. Oder hören Sie zweimal täglich Radio­­nachrichten, und prüfen Sie beim zweiten Mal, was Sie vom ersten Mal noch wissen. 
  • Gehen Sie abends die Erlebnisse des Tages durch – mit Ihrem Part­ner oder mithilfe Ihres Tagebuchs: Das hilft dem Gedächtnis auf die Sprünge.
  • Das Gehirn nutzt den Schlaf, um Erlebtes im Gedächtnis abzuspeichern. Achten Sie auf genügend Schlaf, und verzichten Sie möglichst auf Schlafmittel. Sie können bei häufigem Gebrauch Vergesslichkeit fördern.

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