Vitamin D: Das ist bei Diabetes wichtig

Vitamin D schützt nicht nur die Knochen, sondern soll auch den Blutzucker beeinflussen. Der Körper bildet es unter dem Einfluss der Sonne. Doch daran fehlt es im Herbst und Winter. Was tun?

von Monika Murphy-Witt, aktualisiert am 19.01.2017

Der Körper bildet Vitamin D unter dem Einfluss von UV-B-Strahlung

W&B/plainpicture GmbH & Co KG/Lubitz + Dorner

Hallo, graue Tage! In den Herbst- und Wintermonaten ist Sonne eher Mangelware. Und das ist gleich aus mehreren Gründen schade. Einer davon: Unser Körper braucht die UV-Strahlen der Sonne, um Vitamin D zu bilden.

Damit sieht es zur kalten Jahreszeit aber eher schlecht aus – was unter anderem mit dem Sonnenstand zu tun hat. Denn von etwa Mitte Oktober bis Mitte März treffen die UV-Strahlen zu flach auf die Haut, um eine ausreichende Vitamin-D-Bildung anzuregen. Das Resultat: Sechs von zehn Menschen in Deutschland haben zu wenig Vitamin D im Körper.


Vitamin D kann Insulinempfindlichkeit bessern

Das schadet auf Dauer den Knochen, denn Vitamin D schützt vor Osteoporose ("Knochenschwund"). Und nicht nur das. Forscher vermuten, dass ein Vitamin­-D-Mangel sich auch auf den Diabetes auswirken kann. Menschen mit Typ-2-Diabetes könnten demnach offenbar besonders profitieren, wenn ein Mangel behoben würde: "Unter dem Schutz von Vitamin D können sich die Insulinempfindlichkeit der Zellen und der Zuckerstoffwechsel verbessern", sagt Professor Klaus Badenhoop, Leiter der Abteilung für Stoffwechselerkrankungen und Diabetes an der Universitätsklinik Frankfurt am Main.


Erhöhtes Diabetesrisiko bei Vitamin-D-Mangel

Das bestätigen verschiedene Studien. Amerikanische Forscher kontrollierten bei mehr als 3000 nicht an Dia­betes erkrankten Personen sieben Jahre lang die Vitamin-D-Spiegel. Ihre Erkenntnis: Die Wahrscheinlichkeit, Typ-2-Diabetes zu bekommen, war bei hohem Vitamin-D-Spiegel um 40 Prozent niedriger als bei schlechter Vitamin-D-Versorgung.

Eine andere Studie zeigt: Menschen, die sich bereits in einem Vorstadium von Typ-2-Diabetes befinden, erkranken deutlich seltener an Diabetes, wenn sie gut mit Vitamin D versorgt sind. Die Studie bestätigte allerdings nicht, dass Vitamin D auch das Erkrankungsrisiko stoffwechselgesunder Menschen senkt. Daneben gibt es Hinweise, dass niedrige Vitamin-D-Spiegel das Auftreten von Diabetes-Folgekrankheiten begünstigen, etwa von diabetesbedingten Netzhautschäden oder Nervenstörungen.

Hintergründe ungeklärt

Diese Erkenntnisse sind vor dem Hintergrund besonders interessant, dass viele Typ-2-Diabetiker zu niedrige Vitamin-D-Spiegel haben. "Warum das so ist, ist bislang nicht geklärt", sagt Privatdozent Dr. Stephan Scharla, Endokrinologe und Diabetologe in Bad Reichenhall.

Einige Experten vermuten sogar, dass Vita­min D einen gewissen Schutz vor Diabetes Typ 1 bieten könnte – und empfehlen, Kindern mit erhöhtem Risiko länger als nur während des ersten Lebensjahres Vitamin D zu geben. Dass sich der Typ 1 damit verhindern oder verzögern lässt, ist nicht bewiesen. "Ein Mangel sollte aber gerade bei Kindern mit erhöhtem genetischen Risiko für Typ-1-Diabetes, etwa wenn Eltern oder Geschwister daran erkrankt sind, vermieden werden", rät Diabetologe Badenhoop.

Stütze für Knochen – und Muskeln

Bestätigt ist, dass Vitamin D nicht nur für die Knochen wichtig ist, sondern auch für die Muskeln. "Schon ein leichter Mangel kann die Muskeln schwächen", sagt Privat­dozent Dr. Stephan Scharla. Was gerade für ältere Menschen problematisch ist. Denn wenn die Muskelkraft nachlässt, steigt das Risiko für Stürze – und auch für einen Knochenbruch, wenn die Knochen infolge eines Vitamin-D-Mangels geschwächt sind.

Älteren Menschen mit Vitamin-D-Mangel wird daher die Einnahme von 800 bis 2000 Einheiten Vitamin D täglich empfohlen – die richtige Dosis bespricht man mit seinem Arzt.

Vitamin D: Wo fängt ein Mangel an?

Doch was heißt eigentlich "Mangel"? Selbst dazu gehen die Meinungen auseinander. Im Allgemeinen spricht man von einer "Unterversorgung", wenn der Blutspiegel unterhalb von 30 Nanogramm pro Milliliter (ng/ml) liegt, von einem "Mangel" bei weniger als 20 ng/ml. Doch den Bluttest zahlt die Kasse nur, wenn ein konkreter Verdacht besteht. "Bei Anzeichen wie einer erhöhten Infektanfälligkeit, Muskelschwäche, Schmerzen in Muskeln und Knochen sollte man mit dem Arzt sprechen, ob eine Vitamin-D-Messung sinnvoll ist", rät Experte Scharla.

In jedem Fall solle man sich mit seinem Arzt oder Apotheker beraten, bevor man auf eigene Faust Vitamin-D-Präparate einnimmt. Denn das Motto "Viel hilft viel" gelte hier nicht. Bei sehr hohen Vitamin-D-Spiegeln könne sich der schützende Effekt nämlich ins Gegenteil verkehren.


Das Wichtigste in Kürze

  • Vitamin D ist besonders wichtig für Knochen und Muskeln. Hauptquellen sind u. a. fettreiche Fische, Milch, Käse, Eier. Der Körper kann Vitamin D unter dem Einfluss von UV-B-Strahlen in der Haut bilden
  • Bei Typ-2-Diabetes kann Vitamin D womöglich den Blutzucker günstig beeinflussen. Es gibt Hinweise darauf, dass ein Mangel das Risiko für Folgekrankheiten erhöht  
  • Ein Mangel kann mit Tabletten behoben werden. Die Dosis bespricht man mit dem Arzt oder Apo­theker


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