Vorsorgetermine im Überblick

Es gibt Kontrolltermine beim Arzt, die Sie bei Diabetes nicht verpassen sollten. Wie häufig die Untersuchungen anstehen und warum sie wichtig sind
von Daniela Pichleritsch, aktualisiert am 11.10.2016

Vorsorgeuntersuchungen helfen, Krankheiten frühzeitig aufzudecken

W&B/Ojo Images

TÜV verbummelt? Dann ist ein Knöllchen fällig. Denn geht es um die "Gesundheit" unserer Autos, kennt der Gesetzgeber keine Gnade. Entsprechend brav machen wir alle zwei Jahre ein Kreuzchen in den Kalender, um die "HU" nicht zu vergessen.

Kein Knöllchen gibt es für vergessene Kontrolltermine beim Arzt. Dafür aber so manchen "Denkzettel", wenn plötzlich Probleme an Herz, Augen oder Nieren auftreten, die, rechtzeitig erkannt, vermeidbar gewesen wären. Beispiel Nierenschaden: Nur etwa jeder zehnte Diabetes-Patient lässt einmal im Jahr einen Urintest machen, der zeigt, ob mit dem Organ noch alles in Ordnung ist. Und auch der Augen-Check ist längst nicht für alle Diabetiker Routine, obwohl nur eine rechtzeitige Behandlung Sehstörungen bis hin zur Erblindung verhindern kann. Die wichtigsten Kontrolluntersuchungen haben wir für Sie zusammengestellt.

Individuell können andere Untersuchungsintervalle als die hier angegebenen sinnvoll sein. Besprechen Sie das immer im Einzelfall mit Ihrem Arzt.


Albumin im Urin

Warum wichtig? Eine Urinprobe zeigt, ob das Eiweiß Albumin im Urin enthalten ist – was auf einen Nierenschaden hinweisen kann. Wie gut die Nieren arbeiten, zeigt der Albumintest nicht. Dazu ist die Bestimmung weiterer Werte in Blut und Urin nötig.

Wie oft? Einmal jährlich (bei Typ-1-Diabetes ab dem fünften Erkrankungsjahr).

 

HbA1c-Wert

Warum wichtig? Der HbA1c-Wert (auch "Langzeitwert" oder "Blutzucker-Gedächtnis") informiert darüber, wie hoch die Blutzuckerwerte in den vergangenen acht bis zwölf Wochen im Durchschnitt waren.

Wie oft? Etwa alle drei Monate.

Zielwert: Bei Typ-2-Dia­betes im Allgemeinen zwischen 58 mmol/mol und 48 mmol/mol (7,5 bis 6,5 Prozent), bei Typ-1-Diabetes unter 58 mmol/mol (7,5 Prozent), falls das ohne Gefahr von Unterzuckerungen möglich ist. Arzt und Patient müssen aber im Rahmen der Therapie immer im Einzelfall überlegen, welche Zielwerte sinnvoll sind.

 

Blutfette

Warum wichtig? LDL- und HDL-Choles­terin und die Triglyzeride (Neutralfette) beeinflussen das Risiko für Gefäßschäden (Arteriosklerose).

Wie oft? Einmal jährlich.

Zielwerte LDL-Cholesterin: unter 100 mg/dl, bei Herzproblemen nach Möglichkeit unter 70 mg/dl.

Zielwerte HDL-Cholesterin: Männer über 40 mg/dl, Frauen über 50 mg/dl.

Zielwerte Triglyceride: unter 150 mg/dl.

 

Fußuntersuchung

Warum wichtig? Der Test mit der Stimmgabel und weitere Untersuchungen, etwa das Tasten der Fußpulse, zeigen dem Arzt, ob Nervenschäden bestehen oder die Durchblutung gestört ist. Beides erhöht das Risiko für Komplika­­tionen wie schlecht heilende Wunden und Geschwüre an den Füßen (Diabetischer Fuß).

Wie oft? Mindestens einmal jährlich (bei Typ-1-Diabetes ab dem fünften Erkrankungsjahr).

 

Blutdruck

Warum wichtig? Ist der Druck in den Schlagadern erhöht, steigt unter anderem das Risiko für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall. Bluthochdruck ist bei Diabetes (Typ 1 und 2) sehr häufig.

Wie oft? Möglichst alle drei Monate bzw. bei jedem Arztbesuch. Auch Selbstkontrolle möglich und empfehlenswert.

Zielbereich: Unter 140 mmHg systolischer Druck (oberer Wert), etwa 85 mmHg diastolischer Druck (unterer Wert). Auch hier gilt: Arzt und Patient müssen im Einzelfall klären, was sinnvoll ist.

 

Augenspiegelung

Warum wichtig? Die Augenspiegelung zeigt, ob der Diabetes die Netzhaut geschädigt hat. Ist das der Fall, kann zum Beispiel eine Laser-Therapie ein Fortschreiten der Schäden verhindern. Ob die Messung des Augendrucks als allgemeine Früherkennungsuntersuchung des grünen Stars (Glaukom) bei Menschen ohne begründeten Krankheitsverdacht – oder Risiken wie etwa bekannte diabetische Veränderungen am Augenhintergrund – Sinn macht, ist umstritten. Die Kosten für die Druckmessung werden im Rahmen der üblichen Vorsorge nicht übernommen.

Wie oft? Augenspiegelung einmal jährlich (bei Typ-1-Diabetes ab dem fünften Erkrankungsjahr).

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Schilddrüsenwerte

Warum wichtig? Unter- oder Überfunktionen der Schilddrüse sind vor allem bei Typ-1-Diabetes häufig und können sich auch auf die Blutzucker-Einstellung auswirken. Viele Experten empfehlen daher die regelmäßige Kontrolle.

Wie oft? Bei Typ-1-Diabetes: einmal im Jahr.

 

EKG (Elektrokardiogramm)

Warum wichtig? Das EKG liefert unter anderem wichtige Hinweise auf Durchblutungsstörungen am Herzen. Aussagekräftiger als das EKG in Ruhe ist ein EKG unter körperlicher Belastung. Für Menschen mit Diabetes ist die Untersuchung auch deshalb wichtig, weil bei ihnen Brustschmerzen als mögliche Warnzeichen eines Herzinfarkts fehlen können.

Wie oft? Einmal jährlich.

 

Krebsvorsorge bei Diabetes

Warum wichtig? Viele Krebserkrankungen sind heilbar, wenn sie frühzeitig erkannt werden. Aus Studien gibt es Hinweise, dass Typ-2-Diabetes das Risiko für eine Reihe von Krebserkrankungen erhöht. Menschen mit Typ-2-Diabetes sollten daher die Krebsvorsorge besonders ernst nehmen. Die Krankenkassen zahlen abhängig vom Alter Untersuchungen zur Früherkennung der häufigsten Krebsarten. Dazu gehören Brust-, Prostata-, Gebärmutterhals-, Haut- und Darmkrebs.

Wie oft? Eine Darmspiegelung zur Früherkennung von Darmkrebs wird im Allgemeinen ab dem Alter von 55 JAhren sowie eine Wiederholung zehn Jahre später empfohlen, wenn die Erstuntersuchung vor dem 65. Lebensjahr keinen Befund ergeben hat. Typ-2-Diabetiker sollten mit ihrem Arzt besprechen, ob die Untersuchung eventuell schon früher erfolgen und gegebenenfalls auch früher wiederholt werden sollte.


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