Was Apotheken leisten

Medikamente und noch viel mehr: Welche Aufgaben das Team der Apotheke in der Gesundheitsversorgung übernimmt
von Daniela Pichleritsch, 16.05.2017

Für ihre Kunden im Einsatz: Die Apotheker Christian Bauer und Dr. Sabine Bauer

W&B/Jens Wegener

Er sieht es seinen Kunden schon an. Wenn es ihnen nicht gutgeht, fragt er nach, auch wenn sie nur ein Medikament abholen wollen: Apotheker Christian Bauer aus dem oberpfälzischen Burglengenfeld betreut mit seinem Team rund 2000 Stammkunden. "Viele kommen einfach so vorbei, wenn ihnen etwas auf dem Herzen liegt", sagt Bauer.

Mal eben in die Apotheke gehen – das ist für viele Menschen so selbstverständlich wie der Gang zum Bäcker. Gut, dass sie es zur nächsten Apotheke meist nicht weit haben. Mit dem Auto sind es durchschnittlich vier ­­Minuten, wie eine Studie des Braunschweiger Thünen-Instituts für Ländliche Räume ermittelte.

Apotheken bieten lebenswichtigen Service

Beeindruckend, was die 20.249 Apotheken in Deutschland für uns leisten. Laut der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) versorgen sie jeden Tag 3,6 Millionen Menschen mit Arzneimitteln. Auch nachts und an Feiertagen hat immer eine Apotheke in der Nähe geöffnet. Denn nach dem Gesetz müssen Apotheken die Arzneimittelversorgung der Bevölkerung rund um die Uhr gewährleisten. Pro Nacht- und Notdienst versorgen 1300 Apotheken deutschlandweit im Schnitt 20.000 Menschen. Besonders oft sind es Familien, die ein Medikament für ihr Kind brauchen.

Hilfe bei Medikamenten-Unverträglichkeiten

Laut ABDA benötigt jeder vierte  Bundesbürger dauerhaft drei oder mehr Medikamente. Oft hat nur der Apotheker den Überblick über alle Präparate. Mögliche Wechselwirkungen kann er sofort nachsehen. Das ist bei selbst gekauften Präparaten genauso wichtig wie bei vom Arzt verordneten. Der Apotheker berät auch zu Alternativen, wenn Patien­ten ein Präparat nicht gut vertragen.

Als neulich ein Kunde mit Typ-2-Diabetes zum zweiten Mal ein starkes Mittel gegen Durchfall verlangte, hakte Apotheker Bauer nach. "Im Gespräch stellte sich heraus, dass an dem Problem wahrscheinlich sein Zuckersenker Metformin schuld war", sagt Bauer, der den behandelnden Arzt informierte. "Seit der Kunde ein anderes Diabetesmedikament einnimmt, geht es ihm blendend." Die meisten seiner Kunden würden Metformin aber gut vertragen.

Umfrage: Diabetiker fühlen sich gut beraten

Gerade für Menschen mit Diabetes ist die Apotheke unverzichtbar – nicht nur wegen der Medikamente. Der Apotheker hilft auch bei anderen Diabetesfragen. Etwa bei der Handhabung des Messgeräts oder des Insulinpens. Geht eines der Geräte kaputt, gibt es in der Apotheke Ersatz. Übrigens fühlen sich laut einer Umfrage des Diabetes Ratgeber sieben von zehn Diabetikern in ihrer Stammapotheke gut beraten.

Medikamente nach Maß

Auch hinter den Kulissen ist das Apothekenteam ständig im Einsatz. Etwa im  Labor. Dort stellt eine pharmazeutisch-technische Assistentin (PTA) Medikamente her, die es nicht als Fertigarzneimittel gibt. Etwa spezielle Cremes gegen Hautproble­me. "Im Labor entstehen auch Sonderanfertigungen für Kinder, die ein niedrig dosiertes Präparat benötigen, und für Menschen, die sich schwer damit tun, ihre Tabletten zu schlucken", sagt die pharmazeutisch-technische Assistentin Tina Dirmeier aus Burglengenfeld.

Lieferservice für Arzneien

Wer krank ist, braucht schnell Hilfe: Jede Apotheke muss deshalb wichtige Medikamente bevorraten. Rund um die Uhr liefern Großhändler Nachschub, sollte es an etwas fehlen. Viele Apotheken bieten zudem einen kostenlosen Lieferservice. Diesen nutzen oft Ältere, die nicht gut zu Fuß sind oder kein Auto haben. 250.000 Botendienste­ führen Apothekenmitarbeiter täglich durch. Margit Karg etwa steigt mehrmals pro Woche im Auftrag von Apotheker Bauer ins Auto. Die Tüte mit den Medikamenten einfach an der Tür abzugeben, würde ihr nie einfallen. Wie ihr Chef nimmt sie sich immer Zeit für ein Gespräch. Persönliche Zuwendung: vielleicht das wichtigste Medikament aus der Apotheke.


Lesen Sie auch:

Apothekertipp

Medikamente: Was die Aut-idem-Regelung bedeutet »

Man geht mit dem üblichen Rezept in die Apotheke – und plötzlich sehen die Tabletten anders aus als bisher. Apothekerin Susanne Dreher erklärt, was dahinter steckt »

ReadSpeaker

So lassen Sie sich unsere Artikel vorlesen  »

Newsletter: Grüne Taste

Newsletter

Immer gut informiert mit dem kostenlosen Newsletter des Diabetes Ratgeber »

© Wort & Bild Verlag Konradshöhe GmbH & Co. KG

Weitere Online-Angebote des Wort & Bild Verlages