Kein Wunder, dass uns die kalte Luft im Winter so aufs Gemüt schläft. Schließlich besitzt die Haut zehnmal so viele Kälte- wie Wärmefühler. Deshalb empfinden wir Kälte viel schneller als unangenehm. Für Frauen gilt das ganz besonders, weil ihre Haut rund 15 Prozent dünner ist als die von Männern – weshalb sie deutlich schneller abkühlt, wenn die Temperaturen fallen.
Bibbern und Zähneklappern sind aber nur eine Folge sinkender Temperaturen. Für die Haut bedeutet die kalte Jahreszeit ganz besonders viel Stress. Während ihr draußen Minusgrade zusetzen, muss sie drinnen mit trockener Heizungsluft zurechtkommen. Mit der Folge, dass sie zunehmend austrocknet. Denn je kälter die Luft ist, desto weniger Wasser enthält sie und kann sie an die Haut weitergeben. Zudem drosseln die Talgdrüsen bei niedrigen Außentemperaturen ihre Produktion – unterhalb von acht Grad stellen sie sie sogar ganz ein –, sodass der Haut zusätzlich Fett und Feuchtigkeit verloren gehen.
Hoher Zucker trocknet die Haut aus
Was schon für normale, gesunde Haut anstrengend ist, strapaziert erst recht die Haut von Diabetikern. Sie neigt von Haus aus zu mehr Trockenheit. Der Grund ist, dass jahrelang erhöhte Blutzuckerwerte auch die Talg- und Schweissdrüsen der Haut in Mitleidenschaft ziehen, die den schützenden Fett- und Feuchtigkeitsfil aufrechterhalten. Mit Folgen: Die Haut wird trocken, schuppig und rissig, beginnt zu spannen und zu jucken. Bakterien und Umweltschadstoffe können leichter eindringen und zusätzlich Schäden wie Entzündungen oder ekzeme verursachen. Damit Ihre Haut die unwirtliche Zeit gut übersteht, braucht sie jetzt besonders sorgsame Rundum-Pflege. Worauf es dabei ankommt, zeigen Ihnen unsere Pflegetipps.
Das Gesicht ist Witterung und Kälte am stärksten ausgesetzt. Pflegen Sie es mit Cremes vom W/O-Typ (Wasser-in-Öl-Emulsion), die hautverwandte Lipide (Fette) und Feuchthaltefaktoren enthalten. Um das für Ihren Hauttyp optimale Produkt zu finden, lassen Sie sich in ihrer Apotheke beraten.
Feuchthaltefaktoren sind beispielsweise Aminosäuren, Polysaccharide, Vitamin E oder Mineralstoffe. Am besten wirksam ist Hyaluronsäure, ein Polysaccharid (komplexes Zuckermolekül), das bis zu sechs Liter Wasser pro Gramm binden kann. Mit dem sonst häufig empfohlenen Harnstoff sollte man im Gesicht zurückhaltend sein, zumindest mit Produkten, die Harnstoff in Konzentrationen von zehn Prozent und mehr enthalten. Denn diese können die empfindliche Gesichtshaut reizen. Vitamin E dagegen sollte mindestens in einer Konzentration von 2 bis 5 Prozent enthalten sein, damit es ausreichend Feuchtigkeit bindet. Wenn auf der Packung nur der Vermerk steht 'enthält Vitamin E', so reicht das nicht, um eine Gesichtscreme als besonders feuchtigkeitsspendend auszuzeichnen.
Bei den Fetten (Lipiden) sind pflanzliche Öle, beispielsweise aus Mandel, Avocado oder Aprikose, sowie synthetisch hergestellte Ceramide (die den natürlichen Hautfetten am nächsten verwandt sind) tendenziell günstiger als mineralische Fette. Pflanzliche Fette dringen bis in die untere Hornschicht, während mineralische Fette wie Vaseline oder Paraffin einen Film auf der Haut bilden.
Tragen Sie bei Temperaturen unter etwa 4° Celsius zusätzlich Kälteschutzcreme auf. Entfernen Sie diese, wenn Sie lange in beheizten Räumen sind, sonst überwärmt sich die Haut. Wintersportler brauchen besonders im Gebirge ein Präparat, das auch vor Sonne schützt. Lassen Sie sich zum Lichtschutzfaktor in der Apotheke beraten.
Die Haut um die Augen ist besonders empfindlich. Augenpflegepräparate aus der Apotheke liefern Feuchtigkeit und enthalten häufig Vitamin A, das die Zellalterung bremst und helfen soll, die Haut zu glätten.
Cremes für die Augenpartie "schlieren" weniger als Gesichtscremes und enthalten besonders gut verträgliche Inhaltsstoffe, die bei versehentlichem Kontakt die Bindehaut nicht reizen.
Wer normale Gesichtspflege-Produkte für die Augenpartie nimmt, sollte einen Zentimeter Abstand zum Auge lassen.
Die Lippen haben keine Talgdrüsen. Daher fehlt ihnen der Fettfilm, und sie müssen besonders vor Kälte geschützt werden. Pflegestifte, die sich wie ein Lippenstift auftragen lassen, enthalten als Hauptbestandteil meist Wachs. Das Wachs schützt die Lippenhaut vor Wind und Wetter, ein zusätzlicher Sonnenschutzfaktor hält beim Wintersport im Gebirge auch UV-Strahlung ab.
Wer trockene und spröde Lippen hat, sollte eine spezielle Pflegecreme für die Lippen verwenden. Die enthaltenen Öle oder synthetischen Fette dringen tiefer in die Haut ein.
Die Haut im Halsbereich trocknet leicht aus, weil hier nur wenige Talgdrüsen sitzen. Rollkragenpullover oder Schals aus rauen Stoffen und Wolle irritieren die zarte Haut im Winter zusätzlich.
Tägliche Pflege tut also not, am besten mit einer dünnflüssigen Lotion. Sie wird im Halsbereich oft als angenehmer empfunden als eine Creme, denn sie zieht schnell ein und hinterlässt keine Fettränder an Blusen- oder Hemdkragen. Alternativ können Sie Ihre Gesichts- oder Körperpflege auch für den Hals verwenden.
Am Handrücken sitzen wenig Talgdrüsen, an den Handflächen gar keine. Kein Wunder, dass Kälte und häufiges Waschen die Hände in null Komma nichts rau und spröde machen. Cremen Sie deshalb die Hände nach jedem Händewaschen ein.
Handcreme soll ausreichend Fett und Feuchtigkeit spenden und schnell einziehen, ohne zu glänzen oder Fingerabdrücke zu hinterlassen. Gut geeignet sind Produkte mit hautverwandten Fetten und Feuchtigkeitsbindenden Substanzen wie Harnstoff oder Glycerin.
Vorsicht: Ist die Haut an den Händen sehr dünn und empfindlich, können Produkte mit hohem Harnstoffgehalt (wie er zum Beispiel für viele Körperlotionen typisch ist) sie zusätzlich reizen.
Bei sehr trockenen Händen kann es helfen, über Nacht eine reichhaltige Gesichtscreme aufzutragen. Um die Bettwäsche vor Fettflecken zu schützen, ziehen Sie am besten Baumwollhandschuhe an (gibt es in der Apotheke).
Es klingt zwar paradox, aber Wasser, vor allem heißes, trocknet die Haut aus. Daher: Besser duschen als baden, höchstens fünf Minuten und nicht zu heiß. Verwenden Sie milde, rückfettende Waschlotionen, Duschcremes oder Duschöle. Empfehlenswert sind auch Präparate mit Harnstoff (Urea), weil sie Feuchtigkeit binden.
Um sich sauber zu fühlen, müssen Sie sich nicht jeden Tag von Kopf bis Fuß einschäumen. Es reicht, kritische zonen wie Achseln oder Füße mit Waschlotion zu reinigen.
Ein Vollbad sollten Sie höchstens einmal pro Woche nehmen. Geben Sie einen Schuss Badeöl dazu, und bleiben Sie nicht länger als zehn Minuten in der Wanne. Das Wasser sollte nicht wärmer sein als 35 Grad Celsius (mit einem Badethermometer prüfen).
Tupfen Sie sich mit einem weichen Handtuch trocken. Vor allem, wo Haut auf Haut liegt, etwa in den Ellbeugen, unter den Brüsten oder zwischen den Zehen, ist sanfte Gründlichkeit gefragt. Denn Feuchtigkeit und Wärme sind ein ideales Milieu für Pilze und Bakterien.
Nach dem Duschen oder Baden heißt es Cremen. Verwenden Sie dazu eine feuchtigkeitsspendende Creme, Lotion, Cremeschaum oder Balsam mit Substanzen wie Urea (Harnstoff), Dexpanthenol, Vitamin E, Jojoba- oder Nachtkerzenöl, Glycerin und Milchsäure.
Geeignet sind Wasser-in-Öl-Emulsionen, weil sie länger wirken. Auf reine Fettsalben sollten Sie verzichten, sie überwärmen die Haut.
Waschen Sie Ihre Füße täglich mit einer milden, rückfettenden Waschlotion, die am besten auch feuchtigkeitsbindenden Harnstoff enthält, oder mit einer milden Babyseife. Fußbäder sollten höchstens fünf Minuten dauern, maximal 35 bis 38 °C heiß sein (Badethermometer verwenden) und keine parfümierten oder desodorierenden Zusätze enthalten.
Tupfen Sie die Füße nach dem Bad mit einem weichen Handtuch trocken. Die Zehenzwischenräume müssen besonders gut abgetrocknet werden. Kosmetiktücher saugen Feuchtigkeit auf, die nach dem Abtrocknen übrig geblieben ist. Nach der täglichen Reinigung die Füße eincremen (siehe nächster Absatz).
Wer Diabetes hat, bemerkt Hautprobleme oft zuerst an den Füßen. Die Haut wird trocken und es kann sich eine dicke Hornschicht bilden – vor allem an Ballen, Fersen oder an der Fußsohle.
Die verschiedenen Problemzonen am Fuß brauchen unterschiedliche Pflege:
• Für die Haut am Rist eignet sich gut eine Fußcreme mit Feuchthaltefaktoren wie Harnstoff (bis zehn Prozent) oder Glyzerin. Cremeschäume lassen sich leicht auftragen und ziehen schnell ein. Schäume sollten unbedingt Feuchthaltefaktoren enthalten, da sie die Austrocknung der Haut sonst verstärken können.
Tipp: Morgens einen Cremeschaum verwenden und für eine intensive Pflegewirkung abends Creme dick auftragen, Socken darüberziehen und über Nacht einziehen lassen.
• Für die Fersen gut geeignet sind Cremes, die zusätzlich glättend wirken. Schrundencreme beispielsweise enthält häufig hornhautlösende Substanzen, zum Beispiel Harnstoff in Konzentrationen bis 40 Prozent.
• Für die Fußsohlen sollte man eine Creme wählen, die Feuchthaltefaktoren und nicht zu viel Fett enthält. Denn ein dichter Fettfilm könnte verhindern, dass der Schweiß verdunstet. Die Haut könnte aufquellen und Blasen bilden.
Wer – trotz Diabetes – zu Schweißfüßen neigt, kann eine desodorierende Creme verwenden.
|
Extra-Tipps
|
www.diabetes-ratgeber.net;
25.11.2009, aktualisiert am 25.01.2012
Bildnachweis: W&B/Christine Schneider, W&B/ Christine Schneider, Fotolia/yazz
Apotheken Umschau mit den Themen Krankheiten von A-Z>, Symptome, Medikamentencheck, Laborwerte, Heilpflanzen, Hausapotheke, Abnehmen, Gesundheitsvideos, Arzt- Apothekensuche, Gehirn-Jogging und Sport
Senioren Ratgeber mit Informationen rund um Krankheiten, Medikamente, gesund alt werden, altersgerechtes Wohnen, Pflege und Finanzen
Baby und Familie mit Themen rund um Schwangerschaft, Geburt, Vorsorge, Kinderkrankheiten, Homöopathie und Erziehung