Starkes Übergewicht ist ein Risikofaktor für Bluthochdruck und Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Schlaganfall oder Herzinfarkt. Das ist bekannt. Die Prozesse, die dahinter stecken, sind allerdings noch nicht vollständig geklärt. Wissenschaftler unter der Führung des Deutschen Instituts für Ernährungsforschung (DIfE) haben einen neuen Erklärungsansatz entdeckt.
Das Team um Studienleiterin Dr. Natalia Rudovich hat das Hormon ANP näher ins Auge gefasst – ausgeschrieben handelt es sich dabei um das atriale natriuretische Peptid. Der Botenstoff wird im Herz hergestellt. Bei hohem Blutvolumen wird er ins Blut ausgeschüttet und wirkt dort als natürlicher Blutdrucksenker. Übergewichtige Menschen haben eine niedrigere ANP-Konzentration, obwohl sie häufig einen erhöhten Blutdruck haben und deshalb mehr davon im Blut haben sollten.
Die Ursache dafür ist offenbar ein erhöhter Insulinpegel, wie er bei Übergewicht und Diabetes Typ 2 häufig auftritt. Das Insulin führt dazu, dass die Fettzellen verstärkt ANP-Rezeptoren produzieren, die das Hormon an sich binden und somit unwirksam machen. Die Folge: Der Blutdruck bleibt erhöht, die Gefahr eines Herzinfarkts oder Schlaganfall steigt langfristig an.
"Unsere Beobachtungen zeigen damit erstmals einen bislang unbekannten direkten Zusammenhang zwischen den erhöhten Insulinspiegeln, dem Fettgewebe und einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen", so Natalia Rudovich.
Ernährungsmediziner Professor Andreas Pfeiffer von der Berliner Charité war ebenfalls an der Studie beteiligt. "Besonders der neu entdeckte Effekt des Insulins auf den Blutdruckregulator ANP ist sehr interessant, da in der Typ-2-Diabetes-Therapie derzeit auch neuartige Medikamente eingesetzt werden, welche den Blutzucker-Stoffwechsel über insulin-unabhängige Mechanismen steuern", erklärt er. "Diese Medikamente hätten nach den vorliegenden Ergebnissen zusätzlich auch positive Effekte auf das Herz-Kreislauf-System." Pfeiffer hält es daher für sinnvoll, die Ergebnisse der Studie einzubeziehen, wenn neue Behandlungsmethoden mit Medikamenten entwickelt werden.
Stephan Soutschek / www.diabetes-ratgeber.net;
04.06.2012
Bildnachweis: Creativ Collection/RYF
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