Volkskrankheit Herzinfarkt

Bei Diabetes ist das Risiko für einen Herzinfarkt deutlich erhöht. Wie ein Infarkt entsteht, welche Symptome er macht und was im Notfall zu tun ist

aktualisiert am 03.02.2016

Verletzliches Organ: Das Herz ist bei Diabetes oft besonders infarktanfällig

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Diabetes ist eine der Hauptursachen für einen Herzinfarkt. Mehr als 60 Prozent aller Menschen, die wegen eines Infarktes oder wegen akuter Durchblutungsstörungen des Herzmuskels ins Krankenhaus kommen, haben Diabetes oder zumindest einen gestörten Zuckerstoffwechsel.

Das hohe Risiko hängt zum einen damit zusammen, dass Diabetes Gefäßverkalkungen (Arteriosklerose) fördert. Sind die Herzkranzgefäße davon betroffen, wird der Herzmuskel nicht mehr ausreichend durchblutet und es kann zu einem Herzinfarkt kommen.


Daneben haben insbesondere Menschen mit Typ-2-Diabetes sehr häufig weitere Risikofaktoren für Gefäßverkalkungen. Dazu zählen erhöhte Blutzuckerwerte, vor allem in Kombination mit schlechten Fettwerten, sowie erhöhter Blutdruck, Fettstoffwechselstörungen und Übergewicht. Diese Kombination ist auch als "metabolisches Syndrom" bekannt. Sie erhöht das Risiko für einen Herzinfarkt und weitere Gefäßkrankheiten wie Schlaganfall und die periphere arterielle Verschlusskrankheit (PAVK, auch Schaufensterkrankheit). Rauchen ist ebenfalls ein wichtiger Risikofaktor für einen Herzinfarkt.

Auch das obstruktive Schlafapnoe-Syndrom, an dem viele Menschen mit Diabetes leiden, begünstigt einen Herzinfarkt. Typisch sind lautes, unregelmäßiges Schnarchen, Atemaussetzer und starke Tagesmüdigkeit.

Bei Typ-1-Diabetes erhöht sich das Herzinfarktrisiko mit der Dauer der Erkrankung. Insbesondere bei beginnender Nierenschädigung durch die Zuckerkrankheit steigt es deutlich.


nach oben1. Ursachen: Wie der Herzinfarkt entsteht

Der Herzmuskel wird von mehreren Gefäßen, den Koronar-Arterien, mit Blut versorgt. Sie entspringen der Hauptschlagader und umfassen den Herzmuskel kranzförmig (corona: lateinisch für Kranz). Wenn es in einem der Kranzgefäße zu einem plötzlichen Gefäßverschluss kommt, wird der von diesem Gefäß versorgte Abschnitt des Herzens nicht mehr mit Blut versorgt. Wird die Durchblutung nicht rasch wiederhergestellt, stirbt das betroffene Herzmuskelgewebe ab. Es kommt zum Herzinfarkt.

Die Ursache eines Gefäßverschlusses ist in der Regel eine Gefäßverkalkung (Arteriosklerose). Dabei handelt es sich um Ablagerungen an der Gefäßinnenwand, sogenannte Plaques. Diese Ablagerungen bestehen unter anderem aus Fett Kalk und Entzündungszellen.

Herzinfarkt: Gerinnsel verstopft die verengte Herzarterie

Wenn die Bindegewebskappe einer Plaque einreisst, bilden die Blutplättchen (Thrombozyten) über der eingerissenen Stelle ein Gerinnsel (Thrombus) – eigentlich ein sinnvoller Schutzmechanismus, mit dem der Körper Verletzungen abdichtet. Das Gerinnsel kann jedoch dazu führen, dass das durch die Plaque verengte Gefäß sich völlig verschließt. Die Folge ist ein Infarkt (der Begriff Infarkt leitet sich vom lateinischen "infarcere", "verstopfen", ab). Ein großer Teil der Herzinfarkte sind Folge eines Plaque-Einrisses. Daneben können auch Plaqueerosionen, Gefäßverkrampfungen (Spasmen) und selten verschleppte Blutgerinnsel (Embolien) eine Rolle spielen.

Was zu Ablagerungen führt

Zu den wichtigsten Ursachen einer Gefäßverkalkung und damit für einen Herzinfarkt gehören Diabetes, erhöhte Blutdruckwerte, schlechte Blutfettwerte, Übergewicht und Rauchen. Wer diese Risikofaktoren meidet oder gegebenenfalls behandelt, kann damit sein individuelles Risiko für einen Herzinfarkt verringern.


nach oben2. Herzinfarkt: Die typischen Symptome

Das wichtigste Anzeichen für einen Herzinfarkt ist der plötzliche, aus der Ruhe heraus auftretende Brustschmerz. Betroffene beschreiben ihn meist als vernichtenden Schmerz hinter dem Brustbein oder als starkes Druckgefühl. Der Schmerz kann in Arme, Hals, Kiefer, Schultern, Rücken und Oberbauch ausstrahlen.

Meist ist dieser Schmerz von weiteren Symptomen begleitet. Dazu zählen zum Beispiel:

  • Kalter Schweiß
  • Blässe
  • Blutdruckabfall
  • Todesangst

Mitunter macht ein Herzinfarkt aber auch gar keine oder nur leichte Beschwerden. Ärzte sprechen dann von einem "stummen Herzinfarkt" oder einer "stummen Ischämie" (Ischämie = Blutleere). Bei Menschen mit Diabetes sind solche schmerzlosen Infarkte häufiger. Der Grund dafür ist, dass der Diabetes die schmerzleitenden Nervenfasern schädigen kann. Ist das der Fall, bemerken Diabetiker die typischen Schmerzen unter Umständen weniger oder gar nicht.

Angina pectoris: Vorbote des Herzinfarkts

Viele Patienten, die einen Herzinfarkt erleiden, haben schon vor dem Infarkt Anfälle von Brustschmerzen. Diese Angina-pectoris-Anfälle (lateinisch: "Enge der Brust") treten meist in Folge einer Belastung auf und klingen nach kurzer Zeit wieder ab.

Angina-pectoris-Anfälle können zum Beispiel entstehen, wenn durch das verengte Herzkranzgefäß in Ruhe noch ausreichend Blut fließt, um den Bedarf des Herzmuskels zu decken, der Blutbedarf unter Anstrengung oder bei Stress jedoch nicht mehr gedeckt werden kann.

Weitere mögliche Ursachen einer Angina pectoris sind Gerinnsel oder Krämpfe der Herzkranzgefäße, die ebenfalls zu einer Minderdurchblutung führen können.

Bei Verdacht auf Herzinfarkt 112 anrufen

Betroffene sollten beim geringsten Verdacht auf einen Herzinfarkt sofort den Notarzt (112) verständigen, insbesondere bei plötzlichen und anhaltenden Brustschmerzen. Je schneller die Behandlung erfolgt, desto besser sind die Chancen, einen Herzinfarkt erfolgreich zu behandeln. Selbstverständlich sollten auch Patienten, die bereits wegen Angina-pectoris-Beschwerden in Behandlung sind und regelmäßig Medikamente deswegen einnehmen, sofort den Notarzt verständigen, wenn die Beschwerden häufiger werden, stärker sind oder länger als gewöhnlich anhalten.


nach oben3. Diagnose: So stellt der Arzt einen Infarkt fest

Einen ersten Hinweis auf einen Herzinfarkt liefert dem Arzt die Schilderung der Beschwerden (Schmerzen, eventuell in Verbindung mit Begleitsymptomen wie Übelkeit, kalter Schweiß, Blässe).

Diagnose Herzinfarkt: EKG und Biomarker im Blut

Ein wichtiges Hilfsmittel zur Diagnose ist das EKG (Elektrokardiogramm). Bei Brustschmerz erfolgt immer ein EKG. Bei Verschluss eines großen Herzkranzgefäßes macht es typische Anzeichen eines Infarkts sofort sichtbar. Ein weitgehend unauffälliges EKG schließt einen Herzinfarkt allerdings nicht immer aus. Deshalb sind sogenannte kardiale Biomarker zur Diagnose heute ebenso wichtig wie ein EKG. Diese Biomarker sind Eiweiße und Enzyme, die der Körper bei einer Schädigung von Herzmuskelzellen ins Blut freisetzt. Zu ihnen zählen:

  • Hochsensitives Troponin
  • Kreatinkinase (CK-MB)

Dank moderner Tests kann hochsensitives Troponin bereits eine Stunde nach dem Herzinfarkt im Blut festgestellt werden.

Herzkatheter und Ultraschall: Machen Herzinfarkt sichtbar

Eine Herzkatheteruntersuchung macht einen Verschluss oder eine Verengung der Herzkranzgefäße sichtbar. Daher wird bei jedem Verdacht auf Herzinfarkt eine möglichst rasche Herzkatheteruntersuchung angestrebt.

Die Ultraschalluntersuchung des Herzens (Echokardiographie) hilft dabei, Folgeschäden einer Herzgefäßerkrankung oder eines Herzinfarktes frühzeitig zu erkennen – beispielsweise eine Wandbewegungsstörung oder eine Beeinträchtigung der Pumpfunktion, eine Aussackung der Herzwand (Aneurysma) oder eine infarktbedingte Undichte der Mitralklappe. Letztere sitzt zwischen dem linken Vorhof und der linken Herzkammer.

Die verschiedenen Formen des Herzinfarkts

Ärzte unterscheiden je nach Befund des EKG und der Blutwerte verschiedene Formen des akuten Herzinfarkts.

ST-Hebungs-Infarkt (STEMI): Herzinfarkt mit typischen Veränderungen im EKG und erhöhten Biomarkern.

Nicht-ST-Hebungs-Infarkt (NSTEMI): Herzinfarkt ohne typische EKG-Veränderungen, aber mit erhöhten Biomarker-Werten.

Instabile Angina pectoris: Bei einer instabilen Angina pectoris liegt kein Herzinfarkt vor. Sie gehört aber wie dieser zum akuten Koronarsyndrom. Bei der instabilen Form handelt es sich um eine neu aufgetretene Angina Pectoris beziehungsweise eine deutliche Verschlechterung einer stabilen Angina Pectoris mit Beschwerden bereits bei leichtester Belastung. Eine instabile Angina pectoris macht sich nicht mit erhöhten Werten bei den herztypischen Biomarkern bemerkbar.


nach oben4. Erste Hilfe leisten beim Herzinfarkt

Zögern Sie bei Verdacht auf einen Herzinfarkt niemals, sofort den Notarzt zu verständigen (112). Rufen Sie nicht zuerst den Hausarzt an. Sagen Sie, dass möglicherweise ein Herzinfarkt vorliegt und geben Sie folgende Informationen durch:

  • Ihren Namen
  • Adresse des Patienten
  • Telefonnummer (für eventuelle Rückrufe)
  • Legen Sie erst auf, wenn Ihnen der Mitarbeiter der Notrufzentrale das sagt
  • Wenn möglich: Schicken Sie jemanden auf die Straße, der den Notarztwagen einweist

Bis der Notarztwagen eintrifft:

  • Bleiben Sie bei dem Patienten
  • Verhalten Sie sich nicht ängstlich und aufgeregt, sondern bemühen Sie sich, den Patienten zu beruhigen
  • Bringen Sie ihn in eine bequeme Lage, am besten mit erhöhtem Oberkörper
  • Lockern Sie einengende Kleidungsstücke wie Hemdkragen oder Gürtel
  • Was Sie nicht tun sollen: Bringen Sie den Patienten nicht selber ins Krankenhaus! Er sollte ruhig liegen bleiben, bis der Notarzt eintrifft.
  • Wenn der Patient das Bewusstsein verliert und nicht mehr oder nicht mehr normal atmet: Beginnen Sie sofort mit Wiederbelebungsmaßnahmen. Wenn Sie sich keine Atemspende zutrauen: Führen Sie solange eine Herzmassage durch, bis das Notarzt-Team eintrifft.

Wie Sie eine Herzmassage richtig durchführen, sehen Sie in unserem Video.


nach oben5. So hilft der Arzt beim Herzinfarkt

Das Notarzt-Team wird bei einem Patienten mit Verdacht auf Herzinfarkt sofort verschiedene Maßnahmen ergreifen. Dazu gehören:

  • Ein EKG durchführen, um Hinweise auf einen Herzinfarkt zu erhalten. Unregelmäßigkeiten des Herzschlags, die bei einem Infarkt häufig auftreten, lassen sich so rasch erkennen
  • Gegebenenfalls eine Sauerstoffmaske anlegen
  • Blutdruck messen
  • Einen venösen Zugang anlegen, über den der Arzt Medikamente verabreichen kann

Außerdem verschiedene Medikamente, in erster Linie:

  • Mittel zur Beruhigung und Schmerzlinderung, etwa intravenöse Opioide (Morphin)
  • Für eine bestimmte Zeit Medikamente gegen Blutverklumpung, zum Beispiel Acetylsalicylsäure (ASS), Ticagrelor oder Prasugrel; häufig in der Kombination Acetylsalicylsäure plus Ticagrelor oder Prasugrel, wenn keine absoluten Gegenanzeigen bestehen. Über die Dauer entscheidet der Arzt.
  • Bei ausreichendem Blutdruck: Mittel zur Gefäßerweiterung (Nitrate)

Akutversorgung im Herzkatheterlabor und auf der Intensivstation

Wenn ein Herzinfarkt vorliegt, ist es wichtig, die Durchblutung im verschlossenen Herzkranzgefäß schnellstmöglich wieder herzustellen. Besonders gut sind die Erfolgsaussichten innerhalb der ersten Stunde nach Beginn der Symptome. Aber auch innerhalb der nächsten Stunden lässt sich die Prognose noch günstig beeinflussen.

Herzkatheter-Untersuchung und -Therapie: In der Regel wird das Notarztteam einen Patienten mit Verdacht auf Herzinfarkt nach Möglichkeit sofort in eine Klinik bringen, in der eine Herzkatheteruntersuchung möglich ist. Bei dieser wird eine dünne, biegsame Sonde (Katheter) über einen Gefäßzugang bis zum Herzen geschoben.

Der Arzt injiziert ein Kontrastmittel, um damit die Herzkranzgefäße am Röntgenschirm sichtbar zu machen und einen Verschluss oder hochgradige Engstellen zu erkennen. Anschließend wird er versuchen, das Gefäß wieder zu öffnen. Kurze Engstellen lassen sich mit Hilfe eines Ballons dehnen, der auf der Katheterspitze sitzt. Damit die Engstelle sich nicht wieder verschließt, wird ein dünnes, gitterartiges Metallröhrchen (Stent) auf die gedehnte Stelle platziert.

Thrombolyse-Therapie: Alternativ zur Herzkatheterbehandlung ist eine sogenannte Thrombolyse möglich. Diese sollte nur dann erfolgen, wenn es nicht möglich ist, den Patienten rechtzeitig zu einer Herzkatheterbehandlung zu bringen. Insgesamt sind die Akut- und Langzeiterfolge der Katheterbehandlung denen der Thrombolysetherapie eindeutig überlegen.

Bei einer Thrombolyse-Behandlung spritzt der Arzt in die Vene Substanzen, die das Blutgerinnsel auflösen oder körpereigene Enzyme aktivieren, die wiederum den Pfropf auflösen. Die Thrombolyse ist um so wirkungsvoller, je schneller sie beginnt. Dann hat sich das Gerinnsel im Herzkranzgefäß noch nicht so stark verfestigt und lässt sich am besten auflösen. In Einzelfällen kann der Notarzt eine Thrombolysetherapie bereits auf dem Weg in die Klinik einleiten.

Der Patienten verbringt je nach Zustand die ersten Tage auf der Intensiv- oder Überwachungsstation der Klinik. Dort können mögliche Komplikationen wie Herzrhythmusstörungen, die vor allem kurz nach dem Infarkt auftreten, sofort bemerkt und behandelt werden.


nach oben6. Vorbeugen: Den nächsten Infarkt verhindern

Ist die kritische Phase überstanden, erhält der Patient Medikamente, die seinen Zustand stabilisieren und einen weiteren Herzinfarkt vorbeugen sollen. Dazu sind in der Regel verschiedene Mittel nötig. Zu diesen gehören:

  • Für eine bestimmte Zeit Acetylsalicylsäure (ASS), Clopidogrel, Ticagrelor oder Prasugrel, häufig auch kombiniert (ASS plus eines der drei genannten Medikamente, wenn keine absoluten Gegenanzeigen bestehen). Über die Dauer entscheidet der Arzt.
  • Betablocker, insbesondere wenn der Patient eine Herzschwäche entwickelt
  • ACE-Hemmer oder Angiotensin-Rezeptor-Antagonisten, insbesondere bei Herzschwäche, Diabetes oder Bluthochdruck
  • Statine, um den Cholesterinspiegel zu senken

Grundsätzlich müssen alle Erkrankungen, die eine Gefäßverkalkung fördern, konsequent behandelt werden. Dazu zählen:

  • Diabetes mellitus
  • Bluthochdruck
  • Fettstoffwechselstörungen

Diabetes behandeln: Der Diabetes sollte so gut wie möglich eingestellt werden. Dazu gehört ein gesunder Lebensstil mit regelmäßiger Bewegung, nach einem Herzinfarkt am besten im Rahmen einer Herzsportgruppe. Betroffene sollte gegebenenfalls Übergewicht abbauen. Außerdem je nach Bedarf: Blutzucker senkende Tabletten und Insulin; die Behandlungsziele klären Patienten immer im Einzelfall mit ihrem Arzt ab.

Insbesondere bei älteren Patienten sollte die Diabetestherapie nach einem Herzinfarkt jedoch mit Augenmaß erfolgen. Neuere Studien legen nahe, dass eine zu aggressive Diabetestherapie das Risiko für Unterzuckerungen ansteigen lässt. Bei Unterzuckerungen können Stresshormone ausgeschüttet werden, die die Gefahr für Herzprobleme erhöhen.

Blutdruck senken: Der Blutdruck sollte bei Patienten mit Diabetes mellitus unter 140/85 Millimeter Quecksilbersäule (mmHg) gesenkt werden, bei Nierenerkrankungen unter 130 mmHg. Es ist wichtig, die Werte regelmäßig zu kontrollieren, auch unter Belastung und im Alltag. Das geht zum Beispiel mittels ambulanter 24-Stunden-Blutdruckmessung. Zu tief (unter 120/70 mmHg) sollten die Blutdruckwerte nach neueren Erkenntnissen aber auch nicht gesenkt werden, da dies bei Menschen mit verkalkten Herzkranzgefäßen Durchblutungsstörungen fördern kann.

Cholesterin senken: Fettstoffwechselstörungen lassen sich durch eine gesunde Ernährung, Gewichtsreduktion und körperliche Aktivität günstig beeinflussen. Meistens reicht dies jedoch nicht, so dass zusätzlich die Einnahme eines Medikamentes nötig ist. Mittel der ersten Wahl sind CSE-Hemmer ("Statine"), eventuell in einer Kombination mit Ezetimib. Ziel ist es, das schädliche LDL-Cholesterin unter 70 mg/dl zu senken. Ist das nicht möglich, sollte der LDL-Spiegel zumindest um 50 Prozent sinken. Die Statine haben neben dem Cholesterin senkenden Effekt möglicherweise weitere günstige Eigenschaften. So wird vermutet, dass sie die Plaques in den Herzkranzgefäßen stabilisieren, so dass diese nicht so leicht einreißen.

Was Patienten sonst tun können:

  • Rauchen erhöht das Risiko für einen Herzinfarkt deutlich. Raucher sollten dringend damit aufhören
  • Abnehmen ist nach einem Herzinfarkt besonders wichtig. Zum einen fördert Übergewicht Gefäßverkalkung, Diabetes und Bluthochdruck. Zum anderen muss das Herz auch die überschüssigen Kilos versorgen
  • Eine gesunde Ernährung mit wenig tierischen Fetten, dafür viel Gemüse, pflanzlichen Ölen und Fisch ist ebenfalls sinnvoll
  • Regelmäßige Bewegung stärkt das Herz. Infarktpatienten sollten sich immer vom Arzt beraten lassen, wie viel sie sich zutrauen können

Reha: Wissen für den Alltag

Eine Reha hilft Patienten, nach einem Herzinfarkt wieder ins Alltags- und Berufsleben zurückzukehren. Sie beginnt während des Krankenhausaufenthaltes und wird in der Regel unmittelbar danach in einer speziellen Rehabilitationseinrichtung und später ambulant durch den Hausarzt oder den Kardiologen und Diabetologen und deren Mitarbeiter fortgesetzt.

Neben Schulungen zur einer gesunden Lebensweise stehen in der Reha auch Bewegungskurse auf dem Programm. Zudem erhalten Patienten eine psychologische Betreuung und Antworten auf Fragen zum Alltag nach einem Herzinfarkt – zum Beispiel, was sie auf Flugreisen beachten müssen und welche Belastungen sie sich zutrauen können.


nach oben7. Fachliche Beratung


W&B/Bernhard Huber

Professor Dr. med. Wolfram Delius, Internist und Kardiologe, war bis 2003 Chefarzt der I. Medizinischen Abteilung des Städtischen Krankenhauses München/Bogenhausen. Heute führt er eine kardiologische Praxis in München.




Bildnachweis: Thinkstock/istock, W&B/Bernhard Huber
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