Jagen, Pochen, Hämmern: Fast jeder hat schon einmal gespürt, dass sein Herz plötzlich aus dem Tritt gerät, etwa viel zu schnell wird, von innen gegen die Brustwand wummert oder bedrohlich stolpert.
Gründe dafür gibt es viele: körperliche Anstrengung, Aufregung, zu viel Kaffee. Manchmal passiert es, wenn man es nicht erwartet. Für den Betroffenen ist es erschreckend, wenn er das Gefühl hat: Mit meiner "Pumpe" stimmt was nicht! "Dabei sind Rhythmusstörungen meist harmlos", sagt der Münchner Herzspezialist Professor Dr. Wolfram Delius.
Dennoch rät der Experte zum Arztbesuch – vor allem, wenn die Symptome länger anhalten, ungewöhnlich heftig sind oder wenn weitere Beschwerden, wie Schwindel oder Atemnot, auftreten. Denn ob die Ursache tatsächlich eine Rhythmusstörung ist und wie ernst diese ist, kann nur eine Untersuchung klären.
Viele Störungen treten nur vorübergehend auf
Die einfachste und wichtigste ist das Elektrokardiogramm (EKG). Es zeichnet jeden Herzschlag auf und verrät dem Arzt zum Beispiel, wie schnell das Herz schlägt, ob der Takt regelmäßig ist oder ob Extraschläge (Extrasystolen) den normalen Grundrhythmus stören. Es liefert auch Hinweise auf mögliche Ursachen einer Rhythmusstörung, etwa eine Narbe nach einem zurückliegenden Herzinfarkt oder eine Verdickung der Herzmuskulatur.
Oft geht es dem Arzt dabei wie dem Jäger auf dem Hochsitz: Er wartet, nichts passiert. Denn viele Rhythmusstörungen treten nur vorübergehend auf – und machen gerade dann Pause, wenn das EKG abgeleitet wird. In solchen Fällen hilft eine 24-Stunden-Aufzeichnung mit einem kleinen, tragbaren EKG-Rekorder. Besteht der Verdacht, dass eine Mangeldurchblutung der Herzkranzgefäße die Rhythmusstörungen verursacht, lässt sich das am besten mit einem Belastungs-EKG feststellen.
Extrasystolen sind unangenehm, aber meist harmlos
Häufig sind zum Beispiel Extrasystolen: Herzaktionen, die wie Fehlzündungen zwischen den normalen Herzschlägen auftreten. Manche spüren sie als unangenehmes Stolpern. Andere merken nichts, oder sie nehmen die auf die Extrasystole folgende Pause, die das Herz braucht, um wieder in Tritt zu kommen, als beängstigenden Aussetzer wahr.
Kardiologe Delius empfiehlt in solchen Fällen eine Ultraschall-Untersuchung. Zeigt sich dabei ein unauffälliges, normal arbeitendes Herz, gibt er in der Regel Entwarnung: "In diesem Fall sind Rhythmusstörungen unangenehm, aber meist harmlos."
Erhöhtes Risiko nach Infarkt
Anders sieht es aus, wenn das Herz geschädigt ist, etwa nach einem Infarkt. Dann besteht die Möglichkeit, dass die Rhythmusstörungen zunehmen und gefährlich werden. Besonders gilt das bei einem stark vergrößerten und geschwächten Herzen. "Diese Patienten können ein lebensbedrohliches Kammerflimmern bekommen", so Delius. Beim Kammerflimmern pumpt der Herzmuskel kein Blut mehr.
Vorbeugend können Medikamente helfen; in vielen Fällen bietet nur ein implantierter Defibrillator Sicherheit. Er wird wie ein Herzschrittmacher unter die Haut gepflanzt, kann gefährliche Rhythmusstörungen erkennen und mit gezielten Stromschlägen unterbrechen.
Hinweise auf eine ernste Herzrhythmusstörung kann, insbesondere bei älteren Menschen, auch plötzlicher Schwindel bis hin zur Ohnmacht sein. Ursache ist häufig ein zu langsamer Herzschlag, sodass das Gehirn nicht ausreichend durchblutet wird. In solchen Fällen hilft ein Herzschrittmacher. Er überwacht den Herzschlag und greift ein, sobald der Eigenrhythmus zu langsam wird. Es gibt zwar Medikamente, die den Herzschlag beschleunigen. Sie eignen sich jedoch nicht zur vorbeugenden Dauerbehandlung.
Taktlos wegen Diabetes?
Auch Diabetes kann Rhythmusstörungen auslösen. Zum einen, weil hohe Zuckerspiegel Durchblutungsstörungen und Herzmuskelschäden fördern. Zum anderen, weil Diabetes die Nerven angreift – auch die, die den Herzschlag steuern. So kann die Pulsfrequenz anhaltend beschleunigt sein, weil Nervenfasern geschädigt sind, die den Herzschlag normalerweise verlangsamen.
Die häufigste Rhythmusstörung ist Vorhofflimmern. Diabetiker erkranken eher daran als Stoffwechselgesunde. Typisch ist ein schneller und unregelmäßiger Puls. Manche spüren das Vorhofflimmern als anfallsweises Herzjagen, andere merken gar nichts – die Rhythmusstörung wird dann nur zufällig in einem EKG entdeckt.
Vorhofflimmern kann zu Schlaganfall führen
Wie viele andere Rhythmusstörungen ist das Vorhofflimmern nicht unbedingt gefährlich. Denn ein ansonsten gesundes Herz kann auch mit flimmernden Vorhöfen gut arbeiten. Wenn es neu auftritt oder der schnelle, unregelmäßige Puls Beschwerden verursacht, sollte es behandelt werden. Entweder mittels eines leichten Elektroschocks in Kurznarkose ("Kardioversion") oder mit Medikamenten, die den Herzschlag stabilisieren.
Das gelingt allerdings nicht immer. Bleibt das Flimmern bestehen, helfen dem Patienten Medikamente, die den Puls verlangsamen. Bei Vorhofflimmern droht jedoch die Gefahr, dass sich in den Vorhöfen Blutgerinnsel bilden und ins Gehirn gelangen.
Vorhofflimmern zählt zu den häufigsten Ursachen für einen Schlaganfall. Daher ist eine gerinnungshemmende Behandlung mit Medikamenten unbedingt notwendig. Patienten, die solche Medikamente einnehmen, müssen regelmäßig ihre Blutgerinnung vom Arzt überprüfen lassen und die Dosis gegebenenfalls anpassen. Mittlerweile gibt es auch Geräte für die Selbstkontrolle der Blutgerinnung zu Hause.
Wenn möglich: Ursachen ausschalten
Wenn Rhythmusstörungen nachweisbare Ursachen haben – etwa eine überaktive Schilddrüse, zu hohen Blutdruck oder entwässernde Medikamente, die den Mineralstoffhaushalt durcheinandergebracht haben –, sollte der Arzt immer versuchen, diese zu beheben. Und natürlich können Sie auch selbst aktiv vorbeugen. Dazu gehört es zum Beispiel, nicht zu rauchen, Alkohol nur mäßig (und nicht täglich) zu konsumieren und ausreichend zu schlafen. Dann findet vielleicht auch Ihr Herz seine Ruhe wieder.
➀ Der Sinusknoten im rechten Vorhof gibt den Takt vor. Seine Impulse werden über Vorhöfe, AV-Knoten und HIS-Bündel weitergeleitet
➁ Sollte der Sinusknoten einmal ausfallen, übernimmt der AV-Knoten zwischen Vorhof und Kammer das Kommando
➂ His-Bündel und Purkinje-Fasern leiten die Erregung auf die Muskeln der Herzkammern weiter, damit diese sich zusammenziehen
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Birgit Ruf / Diabetes Ratgeber;
25.11.2011, aktualisiert am 01.12.2011
Bildnachweis: W&B/Martin Ley, W&B/Szczesny
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