Die Krankheit wirkt sich auf den ganzen Körper aus. Diabetiker sind doppelt gefährdet
Lebenswichtig: Funktioniert das Pumporgan nicht richtig, kann sich das unangenehm bemerkbar machen
Seine Beine sind geschwollen und tun weh. Nach 100 Metern geht ihm die Luft aus, das Sprechen fällt ihm schwer. Stefan S. hat Herzschwäche – wie rund 1,2 Millionen Menschen in Deutschland. Viele wissen nichts von ihrer Erkrankung oder schieben die Beschwerden auf ihr Übergewicht oder auch einfach aufs Alter.
Wie Diabetes wird auch die Herzinsuffizienz oft als Begleiterscheinung des Älterwerdens verharmlost. Zu Unrecht, denn die Lebenserwartung bei Herzschwäche ist niedriger als bei manchen Krebserkrankungen. Und im Doppelpack mit Diabetes ist Herzschwäche besonders gefährlich.
Die häufigste Ursache einer Herzschwäche sind Durchblutungsstörungen, wie sie etwa nach einem Herzinfarkt auftreten. Verstopft ein Gefäß, das den Herzmuskel mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt, sterben Muskelzellen ab. Dieser Teil des Organs vernarbt und pumpt nicht mehr mit.
Kräftiger Muskel will versorgt sein
Eine weitere Ursache ist Bluthochdruck. Muss der Herzmuskel jahrelang gegen den erhöhten Widerstand in den Adern anpumpen, wird er dicker und kräftiger. Doch ein kräftiger Muskel braucht auch eine bessere Versorgung. Daran mangelt es jedoch, weil die Blutgefäße nicht mitwachsen.
Das nächste Problem: Ein verdickter Herzmuskel entspannt nicht mehr richtig, füllt sich also langsamer mit Blut. Die Blutmenge, die bei jedem Herzschlag weitergepumpt wird, sinkt. Muskeln, Gehirn oder Nieren werden schlechter versorgt.
Professor Dr. Dr. Diethelm Tschöpe, Herz- und Diabeteszentrum NRW Bad Oeynhausen, Vorsitzender der Stiftung „Der herzkranke Diabetiker“
Greift Zucker Muskelzellen an?
"Besonders gefährdet sind Menschen mit Diabetes“, sagt der Diabetologe Professor Diethelm Tschöpe. Erhöhte Zuckerwerte fördern Gefäßablagerungen. Damit steigt das Risiko für einen Herzinfarkt deutlich. Wissenschaftler vermuten außerdem, dass Diabetes den Herzmuskelzellen auch direkt schadet. Zu viel Zucker und Fettsäuren im Blut, so die Theorie, beschleunigen das Absterben von Muskelzellen oder bewirken, dass sie sich in funktionsloses Bindegewebe umwandeln.
Birgit Ruf, Diabetiker Ratgeber / GesundheitPro;
18.09.2008, aktualisiert am 26.06.2010
W&B/Ronald Frommann, Brand X Pictures/RYF
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