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PCOS – das unbekannte Frauenleiden

Das PCO-Syndrom ist eine Hormonstörung, die nur Frauen betrifft. Es führt häufig zu Übergewicht und Diabetes


Bei vielen Frauen mit PCOS bilden sich Zysten an den Eierstöcken

Das Polyzystische Ovarialsyndrom (PCOS) gehört zu den häufigsten Hormonstörungen bei Frauen. „Etwa fünf bis zehn Prozent der Frauen entwickeln im Lauf ihres Lebens das PCO-Syndrom“, erklärt Endokrinologe Dr. Jörg Puchta vom Hormon Zentrum München. In den meisten Fällen machen sich die Symptome bereits in der Pubertät bemerkbar – nach außen häufig in Form von übermäßigem Haarwuchs, Akne und Übergewicht. „Zehn Jahre nach Auftreten der Erkrankung haben Betroffene oft mit starken Gewichtsproblemen zu kämpfen“, weiß Homonexperte Puchta.


PCOS - was dahinter steckt (mit Klick auf die Lupe sehen Sie die Grafik in Originalgröße): Infolge einer erblichen Veranlagung bildet der Körper zu viele männliche Hormone – mit zahlreichen Folgen (rote Pfeile). Oft besteht gleichzeitig eine erbliche Neigung zu Übergewicht und Typ-2-Diabetes, die die Hormonstörung verstärkt.


Das PCO-Syndrom beschreibt dabei kein einheitliches Krankheitsbild. Stattdessen fasst der Begriff mehrere mögliche Symptome zusammen, die aber nicht alle auftreten müssen. Nach der aktuellen Definition müssen mindestens zwei der drei folgenden Symptome auftreten, damit das PCO-Syndrom vorliegt:

  • Unregelmäßiger Zyklus: Eisprünge und Regelblutungen finden seltener oder gar nicht statt.
  • Vermehrte Ausschüttung männlicher Geschlechtshormone: Die betroffenen Frauen produzieren verstärkt männliche Geschlechtshormone. Das zeigt sich äußerlich in verstärktem Haarwuchs in Gesicht und am Körper, Haarausfall am Kopf oder Akne.
  • Zysten an den Eierstöcken: Genau genommen handelt es sich dabei nicht um Zysten, sondern um Eibläschen, die sich außen an den Eierstöcken bilden. Von diesem Merkmal hat das Syndrom seinen Namen.

Der Arzt kann das Vorliegen des PCO-Syndroms feststellen, indem er bei einer Blutprobe den Hormongehalt untersucht. Auch eine Ultraschallanalyse der Eierstöcke kann Aufschluss geben. Dabei werden die Eibläschen sichtbar.

Hormonhaushalt außer Kontrolle

Der Überschuss an männlichen Geschlechtshormonen setzt einen fatalen Kreislauf in Gang. Er unterdrückt den natürlichen Zyklus der Frau, was zur Folge hat, dass der Körper weiter vermehrt männliche Geschlechtshormone freisetzt. „Der gestörte Hormonhaushalt führt außerdem dazu, dass verstärkt Insulin ausgeschüttet wird“, sagt Puchta. Insulin wiederum regt die Ausschüttung männlicher Geschlechtshormone an – ein Teufelskreis.

Das zusätzliche Insulin begünstigt, dass die Zellen schlechter auf das Hormon ansprechen. Eine Insulinresistenz mit entsteht. Mögliche Folgen: Erhöhter Blutzuckerspiegel, Übergewicht und Typ-2-Diabetes. Weiterführende Konsequenzen sind hoher Blutdruck, ein erhöhtes Risiko für Arterienverkalkung und andere Herz-Kreislauferkrankungen.

Wie entsteht PCOS?

Die Veranlagung zum PCO-Syndrom ist erblich. Doch aus welchen Gründen es entsteht, ist nach wie vor ungeklärt. Vermutlich ist es ein Überbleibsel der Evolution. Denn Frauen mit PCOS können leichter Fett in ihrem Körper speichern – bei Nahrungsmangel eine sinnvolle Fähigkeit. Doch in der heutigen westlichen Gesellschaft, in der Nahrung im Überfluss vorhanden ist, trägt diese Eigenschaft zu Übergewicht und Diabetes bei.  
Viele Frauen mit PCOS entwickeln im Lauf der Zeit einen Diabetes. Umgekehrt gibt es auch Hinweise darauf, dass Übergewicht und Diabetes die Entstehung des Syndroms begünstigen.

Welche Behandlungsmethoden gibt es?

Die Behandlung richtet sich nach den jeweiligen Umständen und läuft von Patientin zu Patientin unterschiedlich ab. Das Ziel der Behandlung ist, den gestörten Hormonhaushalt wieder ins Lot zu bringen. Dazu ist zum einem Abnehmen wichtig. Der Verlust von Körperfett wirkt positiv auf den Hormonhaushalt und erhöht beispielsweise die Insulinsensibilität. Die Zellen sprechen dann besser auf Insulin an und nehmen mehr Zucker aus dem Blut auf. Endokrinologe Puchta gibt allerdings zu bedenken, dass für Frauen mit PCOS Abnehmen ohne Medikamente, die die Hormonausschüttung in die richtigen Bahnen lenken, oft sehr schwierig ist.

Hat eine Frau keinen aktuellen Kinderwunsch – entgegen der weit verbreiteten Vorstellung sind viele Frauen mit PCOS durchaus fruchtbar – kann der Arzt eine bestimmte Antibaby-Pille verschreiben, um die Hormonproduktion der Eierstöcke zu beeinflussen. Metformin, das zu den Standard-Medikamenten zur Behandlung eines Typ-2-Diabetes gehört, kann die Insulinwirkung erhöhen und damit den gesamten Stoffwechsel positiv beeinflussen.

Sollte man PCOS immer behandeln?

Abgesehen von äußerlich sichtbaren Symptomen wie starkem Haarwuchs muss das PCO-Syndrom nicht zwangsläufig negative Konsequenzen nach sich ziehen. Muss man es trotzdem auf jeden Fall behandeln? „Das ist umstritten“, sagt Puchta. Er selbst spricht sich aber dafür aus, die Erkrankung immer anzugehen – auch, wenn noch kein Übergewicht oder Diabetes vorliegen. Schließlich ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, das betroffene Frauen im Laufe der Zeit diese Symptome entwickeln – und damit ihr Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen in späteren Jahren deutlich erhöhen.




Bildnachweis: W&B/Ulrike Möhle, W&B/Szczesny

www.diabetes-ratgeber.net; aktualisiert am 19.07.2012, erstellt am 09.03.2010
Bildnachweis: W&B/Ulrike Möhle, W&B/Szczesny

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