Nahezu jede Frau bekommt mindestens einmal im Leben eine Vaginalmykose. Viele leiden sogar immer wieder darunter. Mit mangelnder Hygiene, wie oft behauptet wird, hat die Erkrankung allerdings nichts zu tut. "Pilze holt man sich gewöhnlich nicht, man hat sie", sagt Professor Ernst Rainer Weissenbacher, Leiter der infektiologischen Sprechstunde in der Frauenklinik München-Großhadern.
Bei etwa einem Viertel aller Frauen im gebärfähigen Alter besiedelt der Hefepilz Candida albicans die Scheide, ohne dass die Frauen etwas davon merken. Im gesunden sauren Scheidenmilieu existieren Pilze und Milchsäurebakterien nebeneinander. Solange die Mikroorganismen im Gleichgewicht bleiben, machen sie keine Probleme.
Doch wenn das Scheidenmilieu sich verändert, können die Pilze die Oberhand gewinnen. Die Folge: eine Entzündung der Vaginalschleimhaut. Sie äußert sich durch Brennen in der Scheide und im äußeren Intimbereich, verbunden mit Juckreiz, verstärktem, weißlich krümeligem Ausfluss und Brennen beim Wasserlassen. In der Regel verläuft so eine Infektion harmlos, trotzdem ist sie eine lästige Angelegenheit.
Warum Diabetes Pilze fördert
Begünstigt wird die Candida-Infektion durch die Einnahme von Antibiotika, häufiges Schwimmen, erhöhte Blutzuckerwerte oder eine Schwangerschaft:
Während einer Schwangerschaft verändert sich das Scheidenmilieu, und Pilzwachstum wird begünstigt.
Bei einer Behandlung mit Antibiotika werden Bakterien abgetötet. Das führt zu einem Ungleichgewicht von Pilzen und Bakterien in der Scheide zugunsten der Pilze.
Das Schwimmbad selbst stellt weniger eine Ansteckungsquelle dar, vielmehr weicht häufiges Baden die Schleimhaut auf. Dadurch wird sie weniger widerstandsfähig.
Diabetikerinnen sind aus zwei Gründen öfter betroffen. Zum einen ist ihr Immunsystem geschwächt. Zum anderen ernähren sich die Hefepilze von Zucker. Je mehr ihnen zur Verfügung steht, desto besser wachsen sie. "Wenn Diabetikerinnen häufig einen Scheidenpilz bekommen, ist das mit ein Zeichen für schlecht eingestellte Blutzuckerwerte", sagt Gynäkologe Weissenbacher.
Eine Infektion mit Candida wird in der Regel mit pilzhemmenden Wirkstoffen wie Clotrimazol oder Nystatin behandelt. Die Cremes, Zäpfchen oder Vaginaltabletten sind rezeptfrei erhältlich. Je nach Dosierung des Wirkstoffs dauert die Behandlung drei oder sechs Tage.
Ping-Pong-Effekt vermeiden
Wichtig: Der Partner sollte mitbehandelt werden, sonst kommt es zum sogenannten Ping-Pong-Effekt – der nicht behandelte Partner steckt den anderen wieder an. Handtücher, Waschlappen, Nachthemden und Unterwäsche werden am besten bei 90 Grad gekocht. Nur das tötet die Pilze zuverlässig ab. Verträgt die Wäsche nur niedrigere Temperaturen, sollte ein keimreduzierender Waschzusatz verwendet werden.
Ist sich eine Frau nicht sicher, ob sie tatsächlich einen Pilz hat, oder treten die Symptome wiederholt auf, sollte sie auf jeden Fall den Arzt aufsuchen. Denn hinter den Symptomen einer Pilzinfektion können auch andere Erkrankungen der Scheide stecken, beispielsweise eine Infektion mit Bakterien oder Herpesviren. Außerdem kann ein Scheidenpilz chronisch werden, er tritt dann mehr als viermal im Jahr auf. "Eine chronische Infektion muss häufig über mehrere Monate behandelt werden", gibt Experte Weissenbacher zu bedenken. Schwangere sollten unbedingt einen Gynäkologen aufsuchen, denn ein unbehandelter Scheidenpilz kann zu einer Frühgeburt führen.
Beugen Sie vor!
Wenn Sie einige Regeln befolgen, sind Sie gegen Candida-Infektionen gut gewappnet:
Diabetes Ratgeber;
23.11.2009, aktualisiert am 01.12.2011
Bildnachweis: Getty Images/Dr. David Phillips, Fotolia/Udo Kroener
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