Wenn Elly Stein (Name geändert) nach Hause kommt, hängt sie den Mantel an die Garderobe und geht aufs Klo. Vor ein paar Monaten war die Reihenfolge umgekehrt. "Der Harndrang war selbst nach einem kurzen Spaziergang einfach zu groß", sagt sie.
Elly Stein leidet an Inkontinenz. Ihre Beckenbodenmuskulatur samt Blasenschließmuskel ist nach mehreren Geburten geschwächt. Bei jeder Druckerhöhung im Bauch, etwa wenn sie hustet, kann sie den Urin nicht mehr halten. Zugleich ist ihre Blase überaktiv: Oft überfällt sie plötzlich starker Harndrang.
Muskeln, von denen viele überhaupt nichts wissen
Doch durch Beckenbodentraining haben sich ihre Beschwerden deutlich gebessert. Nach drei Monaten regelmäßigen Übens in der Gruppe hat Elly Stein gelernt, ihren Beckenboden zu aktivieren: Muskeln, von denen sie vorher nicht wusste, dass sie überhaupt da sind.
Keine leichte Aufgabe. Wer kennt schon seinen Schambein-Steißbein-Muskel und kann ihn aktivieren, um so dem "Druck von oben", beim Husten oder Niesen, entgegenzuwirken?
Zur Beckenboden- oder Rückbildungsgymnastik wurde früher vor allem Frauen nach einer Schwangerschaft geraten, um die überdehnten Muskeln wieder in Form zu bringen. Inzwischen empfehlen Gynäkologen und Urologen Beckenbodentraining auch bei Belastungsinkontinenz und überaktiver Blase, außerdem Männern, die etwa nach einer Prostataoperation Probleme mit der Blase haben.
Birgit Ruf / Diabetes Ratgeber;
28.07.2008, aktualisiert am 18.02.2011
Bildnachweis: Jupiter Images GmbH/Comstock Images
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