Insulin richtig spritzen

Wir zeigen Schritt für Schritt, wie Sie Insulin mit dem Pen richtig spritzen und dabei Fehler vermeiden

aktualisiert am 04.04.2016

Mit unserer bebilderten Anleitung spritzen Sie sicher und schmerzarm

W&B/Simon Katzer

Wer eine Insulintherapie beginnt, sollte erst eine Schulung erhalten, in der er lernt, den Insulinpen korrekt zu benutzen. Dies kann in einer Einzelberatung, aber auch im Rahmen einer Gruppenschulung erfolgen. In jedem Fall sollte man die Handhabung selbst ausprobieren. Im Folgenden zeigen wir Ihnen die sechs wichtigsten Schritte, vom Einsetzen der Insulinpatrone bis zur Injektion.

Wie Sie die Nadel einstechen (schräg oder senkrecht, mit oder ohne Hautfalte) und welche Nadellänge für Sie am besten geeignet ist, sollten Sie mit dem Arzt oder der Diabetesberaterin klären. Diese sollten auch immer wieder Ihre Spritzstellen auf Veränderungen kontrollieren.

Diabetiker müssen Insulin ins Unterhautfettgewebe spritzen. Injektionen in die darunter liegende Muskulatur sind schmerzhaft, außerdem wirkt Insulin anders. In der Regel ist deshalb je nach Beschaffenheit der Spritzstelle notwendig, mit der freien Hand eine Hautfalte abzuheben und in diese Hautfalte etwa senkrecht einzustechen, bis die Nadel völlig verschwunden ist. Das verursacht keine Schmerzen – man merkt es kaum. Übrigens lohnt es sich auch für erfahrene Diabetiker, ihre Spritztechnik gelegentlich zu überprüfen. Denn Fehler wirken sich schnell auf die Blutzuckerwerte aus.


W&B/Simon Katzer

1. Insulinpatrone einsetzen (Patronenwechsel)

Nehmen Sie die Penkappe ab und schrauben Sie den Patronenhalter ab, entnehmen Sie die leere Patrone. Drehen Sie, wenn nötig, die Gewindestange zurück. Bei manchen Pens lässt sie sich per Fingerdruck ins Gehäuse zurückschieben. Setzen Sie die Patrone in den Halter, und schrauben Sie ihn wieder auf.

Tipp: Wenn Sie eine neue Patrone benötigen, nehmen Sie diese rechtzeitig aus dem Kühlschrank, damit das Insulin Zimmertemperatur annehmen kann. Wenn es kalt ist, kann das beim Spritzen unnötig wehtun.


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2. Nadel aufsetzen

Ziehen Sie die Schutzfolie der äußeren Nadelschutzkappe ab. Setzen Sie die Nadel gerade auf das Gewinde des Patronenhalters. Je nach Typ wird die Nadel aufgeschraubt oder aufgesteckt. Dann nehmen Sie die äußere und die innere Nadelschutzkappe ab. Halten sie nach dem Patronenwechsel den Pen senkrecht mit der Nadel nach oben. Drehen Sie zwei bis drei Einheiten auf den Dosierknopf und drücken Sie den Knopf. Auf diese Weise wird die Gewindestange wieder der neuen Patrone angenähert. Wiederholen Sie diesen Vorgang, bis an der Nadelspitze ein Tröpfchen Insulin austritt. Jetzt ist der Patronen-Wechsel abgeschlossen.

Tipp: Benutzen Sie für jede Injektion eine frische Nadel. Das schont die Haut und beugt Verhärtungen und Spritzbeulen vor, die die Aufnahme des Insulins aus dem Unterhautfettgewebe ins Blut verzögern. Zumindest die Nadel sollten Sie täglich wechseln.


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3. Falls nötig: Mischen

Wenn Sie NPH- oder Mischinsulin spritzen, schwenken Sie den Pen vor dem Spritzen mindestens 20-mal, bis der Inhalt der Patrone gemischt ist. Schwenken Sie den Pen dabei aus dem Handgelenk in langsamen Bewegungen wirklich auf den Kopf und wieder zurück. So ist gewährleistet, dass das Insulin gleichmäßig in der Mischung verteilt ist und die beabsichtigte verzögerte Wirkung auch eintritt. Klare Insuline brauchen Sie nicht zu schwenken.

Tipp: Schwenken Sie den Pen vorsichtig hin und her. Schütteln Sie ihn nicht, denn das könnte dem Insulin schaden und dazu führen, dass sich Luftblasen in der Patrone bilden. Auch das oft praktizierte Rollen des Pens zwischen den Händen oder einfaches Schütteln ist für eine richtige Durchmischung ungenügend.


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4. Prüfen und entlüften

Prüfen Sie täglich vor der Injektion, ob der Pen korrekt funktioniert. Halten Sie ihn senkrecht mit der Nadel nach oben, und klopfen Sie eventuelle Luftblasen nach oben. Dann stellen Sie ein bis zwei Einheiten Insulin ein und drücken den Knopf. Wenn Insulin an der Nadelspitze austritt: alles okay, wenn nicht: Vorgang wiederholen, bis Insulin austritt.


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5. Insulindosis wählen

Stellen Sie mit dem Dosierknopf die benötigte Insulinmenge ein. Haben Sie eine zu hohe Dosis gewählt, können Sie das bei den meisten Pens korrigieren, indem Sie den Dosierknopf zurückdrehen.

Tipp: Bei halbautomatischen Pens, die Insulin durch Drücken eines seitlichen Schiebers abgeben, lässt sich die Dosis nicht korrigieren. Dann das Insulin verwerfen und die Dosis neu einstellen.


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6.  ... und spritzen

Ob Sie eine Hautfalte bilden oder nicht, sollten Sie vorab mit Ihrem Arzt oder der Diabetesberaterin klären. Dies hängt von der Beschaffenheit, also der Dicke des Fettgewebes, an der Einstichstelle ab. Der Einstich sollte senkrecht zur Hautoberfläche erfolgen. Besprechen Sie auch ein Schema, wie Sie die Einstichstellen konsequent wechseln. Benutzen Sie immer eine andere Stelle für die Injektion. Drücken Sie nach dem Einstich den Knopf langsam bis zum Anschlag. Warten Sie zehn Sekunden, bevor Sie die Nadel herausziehen. Sonst kann Insulin zurückfließen. Zudem dauert es ein paar Sekunden, bis der Pen das Insulin vollständig abgegeben hat.

Fehler beim Insulinspritzen vermeiden

Neben der richtigen Spritztechnik sind noch einige weitere Dinge wichtig, um unnötige Komplikationen zu vermeiden: Etwa die Länge der Pen-Nadel oder die richtige Einstichstelle.

1. Länge der Pen-Nadel

Die Pen-Nadel (auch: Penkanüle) darf nicht zu lang und nicht zu kurz sein, damit das Insulin dort landet, wo es hin soll: ins Unterhautfettgewebe. Pen-Nadeln gibt es in Längen von 4 bis 12,7 mm. Die Kanülenlänge sollten Betroffene mit ihrem Arzt oder Diabetesberater auswählen. Sie hängt nicht nur von der Dicke des Unterhautfettgewebes ab, sondern auch von der Spritztechnik (mit oder ohne Hautfalte; schräger oder senkrechter Einstich). In der Regel ist die Oberhaut nur 1,5 bis 2 Millimeter dick, darunter trifft man schon ins Unterhautfett, wenn man senkrecht einsticht. Bildet man keine hinreichende Hautfalte, besteht bei zu langen Nadeln die Gefahr, die darunter liegende Muskulatur zu treffen, wodurch sich die Insulinwirkung beschleunigt.

Die Länge der Pen-Nadel hat mehr mit der beabsichtigten Insulin-Dosis als mit der Dicke des Unterhautfettgewebes zu tun. Nur weil man in kräftigere "Röllchen" spritzt, braucht man keine langen 12-Millimeter-Nadeln zu benutzen. Die Dicke der Oberhaut ist bei schlanken und dickeren Menschen gleich. Gewöhnlich genügen 5- bis 8-Millimeter-Nadeln. Möchte man große Dosen injizieren, etwa 40 oder 50 Einheiten, dann sollte man eher längere Nadeln benutzen und tiefer ins Fettgewebe spritzen. Kleine Dosen können mit kurzen Nadeln gespritzt werden. Prinzipiell trifft jeder Diabetiker mit einer 5-Millimeter-Nadel sicher sein Unterhautfettgewebe, wenn er senkrecht einsticht. Je schlanker er ist, desto wichtiger wird dabei die Bildung einer Hautfalte.

2. Pen-Nadel nur einmal verwenden

Pen-Nadeln sind sterile Einwegprodukte, die Sie nach jeder Injektion wechseln sollten, um schmerzarm und hygienisch einwandfrei zu spritzen. Denn bereits nach der ersten Injektion ist die Nadel nicht mehr steril, ihre Spitze kann verbogen oder abgestumpft sein. Spätestens am Abend sollten Sie die Nadel nach zwei- bis dreimaliger Benutzung abschrauben, dann vergisst man auch nicht die neue am nächsten Tag. Ein Desinfizieren der Spritzstelle ist nicht nötig, sondern im Gegenteil eher ungünstig! Verwenden Betroffene eine Kanüle zu häufig, riskieren Sie Infektionen und Gewebeveränderungen, die die Aufnahme des Insulins behindern.

3. Richtige Spritzstelle auswählen


W&B/Schneider & Sporrer

Bauch

Kurz wirkendes Insulin wird am besten in den Bauch gespritzt. Von hier gelangt es schnell ins Blut.


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Gesäß

Als Spritzstelle für Verzögerungsinsulin eignet sich das Gesäß...


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Oberschenkel

... oder der Oberschenkel. Von dort tritt das Insulin langsamer ins Blut über.


4. Einstichstelle regelmäßig wechseln

Ganz wichtig und erste Regel beim Insulinspritzen: Wechseln Sie die Einstichstelle bei jeder Injektion. So vermeiden Sie, dass sich Gewebsveränderungen (Lipohypertrophien, "Spritzhügel") bilden, die die Aufnahme von Insulin ins Blut behindern und die Wirkung unvorhersagbar machen können. Nicht selten finden sich fast Tischtennisball-große Gewebswucherungen in der Unterhaut im Bereich der Lieblingsstellen. Wirklich unerklärlich erscheinende, extreme Blutzucker-Schwankungen haben hierin oft ihre Usache! Deshalb: Immer großzügig Abstand zur letzten Spritzstelle halten und vor allem den gesamten Bauch benutzen.

5. Insulin und Pen richtig lagern

Insulin-Vorräte gehören in den Kühlschrank. Lagern Sie Insulin bei einer Temperatur zwischen zwei und acht Grad, zum Beispiel in der Kühlschranktür. An der Hinterwand des Kühlschranks oder in der Nähe des Gefrierfachs kann es zu kalt sein – und gefrieren darf das Insulin auf keinen Fall. Denn dann kann es seine Wirkung verlieren. Insulin, das bereits angebrochen ist, muss nicht in den Kühlschrank – es ist rund vier Wochen haltbar. Allerdings sollten Sie es vor Hitze und direkter Sonneneinstrahlung schützen.

Tipp: Wenn Sie eine neue Insulinpatrone benötigen, nehmen Sie diese am besten ein paar Stunden oder schon einen Tag vorher aus dem Kühlschrank. Kaltes Insulin kann beim Spritzen Schmerzen verursachen – und die können Sie sich ersparen.



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