Bei Typ-2-Diabetes ist es wichtig, in Abstimmung mit dem Arzt ein Therapieschema zu finden, das auf die individuellen Bedürfnisse und die Lebenssituation abgestimmt ist und zugleich den Bedürfnissen des Stoffwechsels genügt. Sehr unterschiedliche Probleme machen unterschiedliche Vorgehensweisen erforderlich.
Welche Therapie infrage kommt, hängt von vielen Faktoren ab: Zum Beispiel davon, ob die Blutzuckerwerte vor allem morgens oder eher nach den Mahlzeiten erhöht sind, ob blutzuckersenkende Tabletten noch ausreichend wirken oder ob altersbedingte Einschränkungen bestehen, die eine selbstständige Diabetestherapie erschweren. Häufig spielen Begleiterkrankungen wie Nierenschwäche oder hochgradige Sehbehinderung eine Rolle.
Die einzelnen Therapieformen und für wenn sie geeignet sind, zeigen Ihnen die Grafiken.
Prinzip: Vor dem Frühstück und Abendessen wird eine feste Dosis Mischinsulin gespritzt: eine Mischung aus kurz und lang wirkendem Insulin (z.B. 30/70 = 30 Prozent kurz wirkendes Insulin, 70 Prozent lang wirkendes Insulin). Die konventionelle Therapie kann mit blutzuckersenkenden Tabletten kombiniert werden. Dabei sollten Wirkstoffe gemieden werden, die die Insulinausschüttung der Bauchspeicheldrüse anregen (zum Beispiel Sulfonylharnstoffe), weil das Risiko für Unterzuckerungen dadurch steigt.
Geeignet: Einfaches Therapieschema. Geeignet für Menschen mit regelmäßigem Tagesablauf und gleichbleibenden Ernährungsgewohnheiten. Wegen des Anteils an langwirkendem Insulin (und der zeitweisen Überschneidung mit der Wirkung des kurz wirkenden Insulins) sind Vormittags und Nachts meistens kleine Zwischenmahlzeiten nötig, um Unterzuckerungen zu vermeiden. Dies kann vor allem bei Übergewicht problematisch sein.
Prinzip: Zum Essen spritzt man kurz wirkendes Insulin, dessen Dosis man selbst anpasst. Den Grundbedarf deckt lang wirkendes Insulin, das man in der Regel nur einmal täglich vor der Nacht spritzt. Im Gegensatz zu Typ-1-Diabetikern benötigen Typ-2-Diabetiker tagsüber eher selten auch Basalinsulin. Überflüssiges Basalinsulin tagsüber führt bei ihnen häufig zu Gewichtsproblemen oder Unterzuckerungen bei körperlicher Aktivität.
Geeignet: Bei flexiblen Essenszeiten und wechselndem Tagesablauf. Die ICT kann unterschiedlich ausgestaltet werden, je nach den Bedürfnissen des Einzelnen, so dass fast völlige Freiheit in der Wahl der Mahlzeitenzusammensetzung und den zeitlichen Abläufen herrscht. Zugleich kann zum Zeitpunkt der Hauptmahlzeit ein möglicherweise erhöhter Blutzuckerwert unabhängig von der erforderlichen Mahlzeitendosis korrigiert werden.
Prinzip: Ergänzend zur Einnahme blutzuckersenkender Tabletten spritzt man einmal täglich ein sehr lang wirkendes Insulin (Glargin).
Geeignet: Vor allem für Typ-2-Diabetiker, bei denen die morgendlichen Nüchternwerte zu hoch sind. Alternativ: Verzögerungsinsulin zur Nacht, das bis zum Frühstück reicht (Bedtime s.u.), – falls nötig, tagsüber Tabletten oder Kombination mit einer SIT.
Prinzip: Verzögerungsinsulin vor der Nacht, tagsüber evtl. keine Medikamente oder oft nur Metformin-Tabletten
Geeignet: Wenn vor allem die morgendlichen Nüchternwerte erhöht sind. Die Bedtime-Insulintherapie hat im Vergleich zur BOT den Vorteil, tagsüber "überhängiges" Insulin zu vermeiden und damit auch unerwünschte Unterzuckerungen oder eine Gewichtszunahme.
Wenn das Problem mehr in hohen Blutzuckerwerten nach den Mahlzeiten liegt, ist oft die Supplementäre Insulintherapie besser geeignet (nächster Punkt).
Prinzip: Ergänzend zur ungenügenden körpereigenen Insulinwirkung spritzt man zu den Hauptmahlzeiten dreimal eine kleine Dosis möglichst kurzwirksamen Analoginsulins. Günstig für die Gewichtsentwicklung, besonders bei Kombination mit Metformin-Tabletten
Geeignet: Für Typ-2-Diabetiker, die nach dem Essen deutlich erhöhte Blutzuckerwerte haben
www.diabetes-ratgeber.net;
25.08.2009, aktualisiert am 30.08.2012
Bildnachweis: W&B/Ulrike Möhle, Jupiter Images GmbH/Creatas
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