Schmerzen beim Insulinspritzen: Was tun?

Nach der Insulin-Injektion brennt oder schmerzt es? Was dahinterstecken kann – und was hilft
von Stephan Soutschek, 30.05.2016

Gewusst wie: Die richtige Technik vermeidet Schmerzen beim Insulinspritzen

W&B/Simon Katzer

Wirklich gerne spritzt wahrscheinlich kein Mensch mit Diabetes Insulin. Dank moderner Pens sollte der Vorgang heutzutage aber zumindest weitgehend beschwerdefrei ablaufen. "Wenn doch Schmerzen auftreten, muss das kein Patient hinnehmen", sagt Dr. Andreas Lueg, Diabetologe und Ernährungsmediziner in Hameln.

In der Regel haben die Beschwerden eine konkrete Ursache, gegen die sich etwas unternehmen lässt. Erste Anlaufstelle sollte der behandelnde Arzt sein. Dieser kann am besten zusammen mit dem Patienten den Gründen auf die Spur kommen und gegebenenfalls die Therapie anpassen.

Manchmal hilft es schon, wenn der Betreffende dem Arzt seine Spritztechnik vorführt, um den Fehler zu finden. Ein Überblick über die wichtigsten Gründe für Beschwerden beim Insulinspritzen.

1. Kanüle nicht gewechselt

Bequemlichkeit beim Kanülenwechsel ist wohl der häufigste Grund für Schmerzen beim Insulinspritzen. Denn selbst wenn mit dem bloßen Auge noch keine Veränderungen an der Nadelspitze zu erkennen sind, kann diese bereits nach einmaligem Spritzen abgestumpft oder gekrümmt sein, was dann zu Schmerzen führt.

Das hilft: Kanüle nach jedem Spritzen wechseln.

2. Falsche Stichtechnik

"Je langsamer die Nadel einsticht, desto schmerzhafter wird es in der Regel", sagt Lueg. Gerade Insulin-Neulinge neigen dazu, beim Spritzen eher zögerlich vorzugehen. Der Spritzwinkel kann ebenfalls eine Rolle spielen: "Aus einem schrägen Winkel stechen Patienten oft langsamer ein", sagt Lueg.

Das hilft: Beim Spritzen nicht lange fackeln, sondern beherzt zustechen. Wer den Pen bislang schräg ansetzt, spricht am besten seinen behandelnden Arzt darauf an, ob etwas gegen einen Wechsel in die Senkrechte spricht.

3. Nadel zu kurz oder lang

Gespritztes Insulin gehört nach Möglichkeit in das Unterhautfettgewebe. Von dort aus entfaltet es am besten seine Wirkung. Außerdem kann es für Betroffene schmerzhaft werden, wenn die Nadel zu kurz ist und das Insulin in die Hautschicht gespritzt wird. Das Gleiche gilt, wenn die Kanüle zu lang ist und in den Muskel pikst.

Das hilft: In Abstimmung mit dem Arzt auf eine andere Nadellänge umsteigen.

4. Hautfalte zu spitz

Einige Diabetespatienten müssen beim Spritzen mit den Fingern eine Hautfalte bilden, in die sie das Insulin abgeben. "Manche greifen diese Falte zu spitz", sagt Lueg. Dann besteht vor allem bei längeren Nadeln die Gefahr, dass diese durch das Unterhautfettgewebe hindurch in die Hautschicht stechen.

Das hilft: Hautfalte mit größerem Durchmesser bilden. Etwa drei bis vier Zentimeter sollten es sein, rät Diabetologe Lueg.

5. Einstichstelle nicht gewechselt

Die meisten Menschen, die Insulin spritzen, haben eine Lieblingsstelle, die sie zum Beispiel gut mit dem Pen erreichen. Doch wird eine bestimmte Stelle zu häufig verwendet, kann sich dort das Gewebe verdicken, ein sogenannter Spritzhügel ensteht. Das bereitet unter Umständen Schmerzen beim Spritzen. Außerdem entfaltet Insulin von diesem verhärteten Gewebe aus schlechter seine Wirkung.

Das hilft: Spritzstelle regelmäßig wechseln. Zum Beispiel eine Woche lang jeden Tag einen anderen Ort auf der Haut verwenden, um danach wieder von vorne zu beginnen.

6. Insulin nicht vertragen

Hinter einem Spritz-Schmerz können in Einzelfällen auch Unverträglichkeiten gegen ein bestimmtes Insulinpräparat stecken. Dieses Problem ist jedoch sehr selten. Die Beschwerden machen sich häufig schon zu Beginn der Insulintherapie bemerkbar. "Sie können aber noch nach Jahren auftreten", sagt Lueg.

Das hilft: Wer den Verdacht hat, dass er sein Insulin nicht verträgt, spricht am besten seinen Arzt darauf an. Dieser kennt Alternativen zum aktuellen Präparat und kann den Patienten neu einstellen.

7. Blutgefäß getroffen

Wer Insulin spritzt, kann kaum vermeiden, hin und wieder mit der Nadel ein Blutgefäß zu treffen. Das kann akut wehtun und einen unschönen blauen Fleck zur Folge haben. Außerdem entfaltet das Insulin schneller seine Wirkung, wenn es direkt ins Blutgefäß gespritzt wird. Das erhöht die Gefahr einer Unterzuckerung.

Das hilft: Beim nächsten Mal eine andere Stelle wählen. Blutzuckerspiegel im Auge behalten, damit durch den schnelleren Wirkeintritt keine Unterzuckerung auftritt.


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