Kinder und Diabetes

Kinder mit Typ-1-Diabetes können ein normales Leben führen. Dennoch brauchen sie besondere Aufmerksamkeit. Was Eltern, Lehrer und Betreuer wissen müssen

aktualisiert am 15.12.2016

Starke Bande: Bei Typ-1-Diabetes ist die gesamte Familie gefragt

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1. Kinder mit Diabetes

Wenn Kinder an Typ-1-Diabetes erkranken, ändert sich einiges im Leben – für die kleinen Patienten selbst und für ihre Eltern. Die Beteiligten müssen auf die Ernährung achten, regelmäßig den Blutzucker messen und Insulin spritzen. Die Therapie begleitet die kleinen Patienten über den gesamten Tag, zu Hause, im Kindergarten oder in der Schule.

Das klingt kompliziert. Und tatsächlich bedeutet das Diabetesmanagement für betroffene Familien einen erheblichen Mehraufwand. Doch keine Panik! Gleich nach der Diagnose lernen Eltern und Kinder in speziellen Schulungen, wie sie den Diabetes im Alltag meistern, sodass die verschiedenen Maßnahmen schnell in Fleisch und Blut übergehen.


Trotz allem können Kinder mit Diabetes überwiegend ein normales Leben führen und ihre Gewohnheiten und Aktivitäten beibehalten. Sie müssen nicht in Watte gepackt werden, im Gegenteil: Gerade wenn sie lernen, auch schwierige Situationen zu bewältigen, gewinnen sie dadurch an Erfahrung, Selbstvertrauen und Sicherheit.

Ihren Kindern zuliebe sollten Eltern möglichst offen sein und ihr Umfeld über den Diabetes und seine Behandlung aufklären. Je besser alle Beteiligten informiert sind, um so souveräner werden sie mit der Erkrankung umgehen können. Einige Tipps für Eltern, Betreuer und Lehrer von Kindern mit Diabetes haben wir im Folgenden zusammengestellt.


Was ist Typ-1-Diabetes?

Meist liegt ein Typ-1-Diabetes vor, wenn Kinder an Diabetes erkranken. Dabei handelt es sich um eine Autoimmunerkrankung. Das Immunsystem des Körpers greift die Beta-Zellen in der Bauchspeicheldrüse an. Diese stellen das Hormon Insulin her, das nötig ist, um Zucker aus dem Blut in die Zellen weiterzuleiten. Sind die Beta-Zellen komplett zerstört, produzieren Betroffene kein eigenes Insulin mehr und der Zuckerspiegel im Blut steigt an. Sie müssen das lebenswichtige Hormon von außen zuführen, um ihre Werte zu regulieren – in der Regel, indem sie es spritzen. Ohne Insulin kommt es zu schweren Stoffwechselentgleisungen, die tödlich enden können. Außerdem schädigen erhöhte Zuckerwerte auf Dauer zahlreiche Organe im Körper.


Sind bereits zahlreiche Beta-Zellen zerstört, macht sich der Insulinmangel oft mit Symptomen wie großer Durst, häufiges Wasserlassen, Müdigkeit, Gewichtsverlust und Übelkeit bemerkbar. Ein Typ-1-Diabetes entsteht oft innerhalb weniger Tage und Wochen. Eltern sollten beim Auftreten der Beschwerden deswegen rechtzeitig einen Arzt aufsuchen.


Weit seltener bei Kindern in Europa ist der Typ-2-Diabetes, der vor allem infolge von Übergewicht und zu wenig Bewegung entstehen kann. Bei diesem stellt die Bauchspeicheldrüse zwar noch Insulin her, allerdings wirkt dieses schlechter. Auch bei einem Typ-2-Diabetes steigen deswegen die Blutzuckerwerte an. Er wird in der Regel zunächst aber nicht mit Insulin, sondern mit Tabletten behandelt.


Ziel der Behandlung eines Diabetes ist es, den Blutzucker im möglichst normalen Bereich zu halten, um akute Stoffwechselentgleisungen und Organschäden infolge zu hoher Blutzuckerwerte zu verhindern.


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2. Diabetes-Therapie bei Kindern

Kinder mit Typ-1-Diabetes besitzen zu wenig oder kein eigenes Insulin mehr. Das führt dazu, dass der Zucker aus dem Blut nicht in die Zellen gelangt, wo er für die Energiegewinnung benötigt wird. Stattdessen steigt der Blutzucker an. Die Behandlung des Typ-1-Diabetes zielt darauf ab, den Stoffwechsel wieder in den Griff zu bekommen und stark erhöhte oder zu niedrige Blutzuckerwerte zu vermeiden. Mehr über zu hohe und zu niedrige Werte lesen Sie unter 3.

Der behandelnde Arzt wird dabei die Zielwerte sowie die Therapie nach der Stoffwechseleinstellung, den Lebensumständen und den individuellen Möglichkeiten des Kindes anpassen. In Schulungen lernen Eltern und Kind, wie sie den Alltag mit Diabetes meistern und worauf sie achten müssen. Auch für Lehrer und Betreuer gibt es Schulungen, in denen sie sich informieren können.

Blutzuckerwerte senken mit Insulin

Kinder mit Typ-1-Diabetes brauchen mehrmals täglich Insulin, um ihren Blutzuckerspiegel zu senken. Dieses lässt sich entweder mit einer Spritze oder per Pen unter die Haut spritzen. Zunehmend erhalten junge Diabetespatienten in Deutschland auch eine Insulinpumpe, die laufend Insulin ins Gewebe abgibt.

Standard bei der herkömmlichen Behandlungsform ist die intensivierte Insulintherapie. Bei dieser erhalten die Kinder ein lang wirkendes Insulin, das den Grundbedarf abdecken soll – das sogenannte Basalinsulin. Zusätzlich sollen kurz wirkende Insuline die Blutzuckeranstiege nach dem Essen abfangen und akut zu hohe Blutzuckerwerte korrigieren.

Bei der Dosierung sind der aktuelle Blutzuckerwert sowie die bevorstehende Mahlzeit und körperliche Aktivitäten zu berücksichtigen. Denn Ernährung und Bewegung wirken sich auf den Blutzuckerspiegel aus. Prinzipiell können Kinder mit Diabetes alles essen. Auch Zucker ist nicht tabu. Sie und ihre Eltern müssen aber in der Schulung lernen, wie sie den Kohlenhydratgehalt einer Mahlzeit richtig berechnen. Nur so wissen sie, wie viel Insulin sie spritzen müssen, um den Zuckeranstieg nach dem Essen auszugleichen. Um zu vermeiden, dass der Blutzucker zu tief sinkt, müssen Schulkinder mit Diabetes bei Bedarf auch außerhalb der Schulpausen im Unterricht etwas essen dürfen. Ansonsten besteht die Gefahr schwerer Unterzuckerungen.

Insulinpumpe: Alternative zum Spritzen

Insulinpumpen sind kleine Geräte, die sich bequem am Körper tragen lassen. Per Knopfdruck geben sie eine Dosis Insulin ab, um Blutzuckerwerte zu korrigieren. Zusätzlich geben sie laufend eine kleine Menge Insulin ab, um den Grundbedarf abzudecken.

Vor allem bei kleinen Kindern hat die Therapie mit der Insulinpumpe einige Vorteile. Das Spritzen mit dem Pen entfällt. Mit diesem lassen sich die geringen Insulinmengen, die Kleinkinder brauchen, oft schlecht dosieren, was eine Ursache für Blutzuckerschwankungen sein kann. Mit der Pumpe klappt das besser. Auch für Eltern oder Betreuer ist die Insulin-Abgabe per Knopfdruck einfacher als mit Pen oder Spritze.

Eltern müssen eine Insulinpumpe bei der Krankenkasse beantragen. Sie sollten dabei Hand in Hand mit dem behandelnden Arzt zusammenarbeiten. Die Kassen übernehmen nicht in jedem Fall die Kosten für die Pumpe.

Blutzucker kontrollieren

Der Blutzuckerspiegel muss regelmäßig gemessen werden, um zu hohe oder zu niedrige Werte rechtzeitig zu erkennen. Bei den ganz Kleinen und Kindergartenkindern übernehmen das die Eltern oder Betreuer, Schulkinder können das Messen in der Regel bereits selbst übernehmen. Die Hilfe von Erwachsenen ist allerdings oft noch nötig, um die Messergebnisse zu interpretieren und die zum Spritzen benötigte Insulinmenge zu errechnen.

Die meisten Kinder und Jugendlichen mit Diabetes sollen ihren Blutzuckerwert etwa fünf bis acht mal täglich messen. Im Einzelfall kann es sinnvoll sein, die Werte häufiger zu kontrollieren. Das gilt vor allem:

  • bei labilem Stoffwechsel (bei starken Blutzuckerschwankungen)
  • zur Vorbereitung auf sportliche Aktivitäten
  • bei Verdacht auf eine beginnende Unterzuckerung

Das Messen selbst ist heute denkbar einfach: Mit einer Stechhilfe seitlich (tut weniger weh) in die Fingerbeere piksen, den Blutstropfen mit einem Teststreifen aufnehmen und vom Blutzuckermessgerät innerhalb weniger Sekunden auswerten lassen. Eine Anleitung und Tipps zum richtigen Messen finden Sie hier.

Bei zu tiefen oder hohen Werten richtig reagieren

Je nach Ergebnis der Blutzuckermessung kann es nötig sein, sofort etwas zu unternehmen: Wenn der Wert beispielsweise zu niedrig ist, verhindert ein Snack mit schnellen Kohlenhydraten, dass der Blutzucker weiter sinkt (siehe unten). Bei zu hohen Werten kann es sinnvoll sein, zusätzlich Insulin zu spritzen.

Alle Testergebnisse am besten notieren – zum Beispiel in einem Blutzuckertagebuch. Das ist wichtig, um die Insulintherapie anpassen zu können. In der Regel besitzen Blutzuckermessgeräte einen elektronischen Speicher, aus dem die Werte abgerufen werden können.


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3. Zu hohe und zu tiefe Blutzuckerwerte

Leichte Unterzuckerungen sind relativ häufig, aber harmlos, wenn sie rechtzeitig erkannt werden. Riskant wird es, wenn der Blutzucker zu tief fällt. Auch stark erhöhte Blutzuckerwerte können gefährlich werden.

Unterzucker

Bei einer Unterzuckerung fällt der Blutzuckerspiegel stark ab. Häufige Gründe sind:

  • Zu viel Insulin gespritzt
  • Mahlzeit vergessen oder Kohlenhydratgehalt der Mahlzeit zu gering
  • Sport getrieben, ohne die Insulindosis vorher zu senken
  • Fehler bei der Blutzuckermessung und daher Injektion einer zu hohen Insulindosis
  • Magen-Darm-Infekte (mit der Folge, dass Kohlenhydrate nicht ins Blut gelangen)

Kinder im Schulalter können frühe Anzeichen einer Unterzuckerung oft bereits selbst erkennen und richtig reagieren. Kindergartenkinder können zwar schon mitteilen, dass sie Symptome fühlen, nehmen diese aber nicht immer zuverlässig wahr. Ebenso wie Kleinkinder sind sie darauf angewiesen, dass Eltern oder Betreuer auf Warnzeichen achten und richtig handeln.

Frühe Warnzeichen:

  • Blässe um Mund und Nase
  • Schweißausbrüche
  • Zittern
  • Schneller Puls
  • Heißhunger
  • Verhaltensänderungen
  • Konzentrationsstörungen
  • Veränderte Schrift

Die Beschwerden treten auf, wenn der Blutzuckerspiegel auf etwa 70 mg/dl fällt. Die Schwelle für eine Unterzuckerung ist aber individuell verschieden. Auch die Anzeichen dafür unterscheiden sich von Mensch zu Mensch. Eltern bekommen meist schnell ein Gespür dafür, wenn ihr Kind unterzuckert, und sollten Erziehern oder Lehrern für den Fall der Fälle entsprechende Informationen geben.

Fortgeschrittenes Stadium:

  • Kopfschmerzen
  • Seh- und Sprachstörungen
  • Verwirrtheit, Schläfrigkeit
  • Krampfanfall
  • Bewusstlosigkeit

Eine Unterzuckerung lässt sich schnell mit Kohlenhydraten beseitigen, die rasch ins Blut übertreten: Traubenzuckertäfelchen, Cola/Limo (keine Light-Produkte!) oder Gummibärchen.

Wichtig: Kohlenhydrate bei den ersten Zeichen eines Unterzuckers einnehmen. Keinesfalls darf ein Schulkind damit etwa bis zur nächsten Pause warten. Außerdem ist es wichtig, bei beginnender Unterzuckerung jede körperliche Tätigkeit zu unterbrechen, damit der Zucker nicht weiter sinkt.

Wenn ein Kind mit Diabetes im Rahmen einer Unterzuckerung bewusstlos wird, sollte man ihm wegen der Gefahr des Verschluckens keine Flüssigkeit einflößen. Unterzuckerungen mit Bewusstlosigkeit kann der Notarzt mit einer Glukose-Injektion rasch beheben.

Außerdem gibt es die Möglichkeit, sich eine Notfallspritze (Glukagon-Set) verschreiben zu lassen. Diese Spritze können auch Laien verabreichen. Glukagon führt dazu, dass die körpereigenen Zuckerspeicher sich entleeren und der Blutzuckerspiegel rasch wieder steigt.

Während einer Unterzuckerung kann auch die geistige Leistungsfähigkeit eingeschränkt sein. Nachdem das betroffene Kind Kohlenhydrate zu sich genommen hat, bessert sich dieser Zustand meist innerhalb weniger Minuten. Auf keinen Fall darf ein Kind mit Diabetes bei einer Unterzuckerung aus der Klasse oder gar nach Hause geschickt werden!

Hoher Blutzucker

Nicht immer verhindern Insulin-Injektionen zuverlässig, dass der Blutzucker steigt. Mögliche Gründe sind beispielsweise Fehler beim Spritzen, falsche Ernährung, Bewegungsmangel oder Infekte. Auch seelische Belastungen wie Ärger und Aufregung können den Blutzucker erhöhen.

Ein anhaltend hoher Blutzucker kann bei Kindern ebenso wie bei Erwachsenen mit Diabetes eine Reihe von Symptomen auslösen (siehe weiter unten), von denen vor allem starker Durst und Azetongeruch in der Atemluft, der an Nagellackentferner oder überreifes Obst erinnert, typisch sind. Treten solche Zeichen auf, weist das auf eine beginnende Stoffwechselentgleisung hin, eine sogenannte Ketoazidose. Diese tritt bei absolutem Insulinmangel etwa bei Werten ab 250 mg/dl auf.

Ein Azetontest gibt Aufschluss, ob das Blut übersäuert ist. Fällt dieser positiv aus, unbedingt die Maßnahmen befolgen, die mit dem behandelnden Kinderdiabetologen abgesprochen sind. Wichtig ist, dass das Kind sofort viel Flüssigkeit trinkt, zum Beispiel Mineralwasser, und Insulin erhält. Bessert sich die Stoffwechsellage nicht, kann es zu einem diabetischen Koma kommen. Dieses ist lebensbedrohlich und muss stationär behandelt werden.

Mit etwas Sorgfalt bei der Insulintherapie und Achtsamkeit lassen sich diese Stoffwechselentgleisungen in der Regel gut verhindern. Die wichtigsten Warnzeichen sind:

  • Starker Durst
  • Häufiger Harndrang
  • Rasche Ermüdung
  • Übelkeit, Erbrechen
  • Azetongeruch (süßlich-obstartig)

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4. Bewegung und Sport

Kinder mit Diabetes können und sollten körperlich aktiv sein. Sie können ohne Einschränkung am Turnen im Kindergarten und Sportunterricht in der Schule teilnehmen. Sie sind genauso leistungsfähig wie ihre gesunden Altersgenossen.

Allerdings verbraucht Bewegung Energie und senkt daher den Blutzucker. Um Unterzuckerungen zu verhindern, müssen Kinder mit Typ-1-Diabetes deshalb entweder vorher weniger Insulin spritzen oder zusätzliche Kohlenhydrate zu sich nehmen. Vor sportlichen Aktivitäten daher immer den Blutzucker messen und Traubenzucker griffbereit halten. Kinder, Eltern und Betreuer stimmen mit dem behandelnden Arzt ab, wie sie ihre Therapie bei Sport anpassen müssen.

Pausen für Zwischenmahlzeiten einlegen

Kritisch wird es, wenn der beim Sport erhöhte Energieverbrauch nicht durch eine verringerte Insulindosis oder erhöhte Kohlenhydratzufuhr aufgefangen wird oder die körperliche Betätigung anstrengender ausfällt als geplant. Bei längeren Aktivitäten, etwa mehrstündigen Wanderungen, können deshalb kurze Pausen für zusätzliche Zwischenmahlzeiten nötig werden. Auch wenn die Sportstunde in der Schule unerwartet verlegt wird, müssen Kinder mit Diabetes Gelegenheit bekommen, vorher etwas zu essen, um einer Unterzuckerung vorzubeugen.

Bei sehr hohen Blutzuckerwerten ist Sport verboten. Denn diese sind ein Zeichen für einen Insulinmangel. Die Folge kann sein, dass der Blutzuckerspiegel trotz körperlicher Aktivität nicht sinkt – da kein Insulin vorhanden ist – sondern im Gegenteil sogar weiter steigt. Denn beim Sport werden Stresshormone wie Adrenalin ausgeschüttet, die den Blutzuckerspiegel erhöhen. Die Folge kann eine Stoffwechselentgleisung sein. Bei stark erhöhten Blutzuckerwerten deswegen im Zweifelsfall vorab einen Ketontest machen, um diese zu vermeiden.

Grundsätzlich ist mit Diabetes auch Leistungssport möglich. Wie weit betroffene Kinder und Jugendliche sich an besonders intensiven Aktivitäten beteiligen können und welche Vorsichtsmaßnahmen sie gegebenenfalls ergreifen sollten, sollte mit dem betreuenden Arzt und dem Diabetesteam abgestimmt werden.


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5. Problemlos in Kindergarten und Schule – Tipps für Eltern

Sprechen Sie offen mit Erziehern und Lehrern

Informieren Sie Kindergarten und Schule frühzeitig über den Diabetes Ihres Kindes. Bringen Sie zum Gespräch Informationsmaterial für Erzieher und Lehrer mit. Wenn Sie sich unsicher fühlen: Bitten Sie Ihre Diabetesberaterin, Sie zu begleiten.

Vereinbaren Sie schriftlich mit der Leitung, dass Sie Erzieher oder Lehrer für Fehler nicht haftbar machen. Und sichern Sie zu, dass Sie stets telefonisch erreichbar sind.

Bitten Sie Ihre Diabetesberaterin, Betreuer und Lehrer zu schulen

Diabeteszentren bieten Schulungen für Lehrer und Betreuer von Kindern mit Diabetes an. Professionelle Aufklärung hilft, Ängste und Vorurteile abzubauen: Je mehr Erzieher, Lehrer und Mitschüler über die Diabetestherapie wissen, desto eher sind sie bereit, Ihr Kind zu unterstützen.

Auch vor Ausflügen und Klassenfahrten kann ein Gespräch der Diabetesberaterin mit Eltern, Lehrern und Schulfreunden Vertrauen schaffen. Bei längeren Klassenfahrten sollte ein Elternteil mitreisen.

Beantragen Sie einen Pflegedienst

In besonderen Einzelfällen kann ein ambulanter Pflegedienst einspringen, der zum Blutzuckermessen und Spritzen in den Kindergarten oder die Schule kommt. Stellt der Kinderdiabetologe oder Hausarzt ein Rezept dafür aus, übernimmt die Krankenkasse in der Regel die Kosten. Beaufsichtigen müssen Erzieher und Lehrer Ihr Kind trotzdem – und im Fall einer schweren Unterzuckerung Hilfe holen.

Wenn das nicht genügt: Bemühen Sie sich um eine Eingliederungshilfe

In seltenen Fällen reicht die Betreuung durch den Pflegedienst nicht aus. Dann können Sie beim Sozialamt eine Eingliederungs- oder Integrationshilfe beantragen. Dabei handelt es sich um eine geschulte Fachkraft, zum Beispiel eine Kinderpflegerin, die sich den ganzen Kindergarten- und Schultag um Ihr Kind kümmert und auch für andere Kinder da ist. Beim Antragstellen sind Ihnen die Sozialarbeiter Ihres Diabeteszentrums behilflich.

Ausflüge und Klassenfahrten

Ein mit seinem Diabetes vertrautes Kind kann an Ausflügen und mehrtägigen Klassenfahrten genauso selbstverständlich teilnehmen wie am Sport. Je nach Alter und Selbständigkeit braucht das Kind bei solchen besonderen Aktivitäten aber etwas mehr Aufmerksamkeit und eine gute Vorbereitung. Besonders bei jüngeren Kindern kann es sinnvoll sein, dass ein Elternteil als Begleitung dabei ist.

Das Ausflugsprogramm sollten die Betreuer und Eltern zusammen vorab mit dem Kind besprechen. Ungewohnte körperliche Belastungen wie Wanderungen, Ski- oder Badetage werden eine Umstellung des Therapieplans nötig machen. Insulindosis und Ernährung müssen auf die körperliche Belastung und den veränderten Tagesablauf abgestimmt werden.

In der Verantwortung der Betreuer vor Ort liegt es, darauf zu achten, dass das Kind seine Zeiten für Mahlzeiten und Spritzen einhält. Zur Sicherheit sollten sie auch stets ein Päckchen Traubenzucker gegen Unterzuckerungen dabei haben.


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6. Krankes Kind – was tun?

Infekte bringen die Blutzuckerwerte bei Kindern besonders schnell durcheinander. Deshalb ist es wichtig, den Blutzucker häufiger als sonst zu kontrollieren. Zudem entwickeln Kinder rascher einen Flüssigkeitsmangel, weshalb Eltern unbedingt darauf achten müssen, dass ihr Kind genug trinkt.

Fieber erhöht Insulinbedarf

Fieberhafte Erkrankungen erhöhen den Insulinbedarf. Die Insulindosis zu den Mahlzeiten (Bolus) sollte deshalb bei einem fieberhaften Infekt um zehn bis dreißig Prozent erhöht werden. Reicht das nicht, muss eventuell auch die Dosis des Basalinsulins erhöht werden. Das genaue Vorgehen dabei bitte unbedingt mit dem Arzt absprechen und diesen bei Zweifeln auch sonst immer anrufen.

Bei Durchfall und Erbrechen kann der Körper die Kohlenhydrate nicht richtig verwerten. Das erhöht das Risiko für Unterzuckerungen. Daher kann es nötig sein, zunächst die Dosis des Basalinsulins zu verringern – um wie viel, klären Sie mit dem behandelnden Arzt ab. Lassen Sie das Basalinsulin aber nie ganz weg. Auch wenn ein Kind erbricht oder nichts isst, braucht es Insulin. Die Dosis des Mahlzeiteninsulins sollte etwa um ein Drittel bis um die Hälfte verringert werden. Auch hierbei lassen Sie sich vom Arzt individuell beraten.

Essen und trinken bei Krankheit

Geben Sie Ihrem Kind kleine Portionen Salzstangen oder Weißbrot ohne fetthaltigen Aufstrich zu essen. Kann es nichts Festes bei sich behalten, geben Sie ihm gesüßte Getränke in kleinen Schlucken. So beugen Sie einer Unterzuckerung vor.

Wenn das Kind nichts essen oder trinken möchte, bieten Sie ihm geduldig immer wieder ein Löffelchen an. Bei Magen-Darm-Infekten mit Erbrechen kann ein brechreizhemmendes Zäpfchen helfen, etwa mit dem Wirkstoff Dimenhydrinat. Das gibt es rezeptfrei in der Apotheke, sprechen Sie aber zuvor mit dem Kinderarzt, ob es in Ihrem Fall geeignet erscheint. Unmittelbar nach dem Erbrechen ist der Brechreiz am geringsten. Nutzen Sie das aus, um Ihrem Kind genau dann etwas anzubieten.

Urintest zeigt Übersäuerung an

Erbrechen und Bauchschmerzen können auch die Folge einer Übersäuerung des Körpers sein, einer Ketoazidose. Um diese rechtzeitig zu erkennen, sollten Sie bei Ihrem Kind einen Test auf Azeton im Urin machen, in einer solchen Situation am besten bei jedem Wasserlassen.

Ein zweifach (++) oder dreifach (+++) positives Ergebnis bedeutet, dass eine gefährliche Übersäuerung droht. Korrigieren Sie erhöhte Zuckerwerte nach den Regeln, die Ihnen der Arzt für den Fall einer Ketoazidose gegeben hat.


W&B/Cira Moro

nach obenBeratender Experte

Professor Dr. Andreas Neu leitet die Diabetes-Ambulanz an der Kinderklinik der Universität Tübingen.




Bildnachweis: Fotolia/Natasnow, Thinkstock/Hemera, W&B/Cira Moro, iStock / Fertnig, Thinkstock/iStockphoto, ItStockFree/RYF

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