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Biofeedback - Training gegen Kopfschmerz

Chronische Kopfschmerzen können höllisch sein. Eine Biofeedback-Behandlung ergänzt durch Elemente aus Verhaltens-, Bewegungs-, Kunst- oder Gestaltungtherapie soll Linderung bringen


Die Patientin lernt, das Bild auf dem Bildschirm und damit den Dehnungs- zustand der Schläfenarterie zu beeinflussen

Konzentriert blickt Angelika T. auf den Bildschirm, mit dem sie über ein Kabel an der Stirn verbunden ist.  Zwei grüne Balken rücken näher und weichen wieder auseinander.Die 56-Jährige freut sich wie ein Kind über einen Tag ohne Migräne: "Meine dritte Biofeedbackstunde, es funktioniert!"

Seit Jahren leidet Frau T. an Migräne. An bis zu 15 Tagen im Monat wütet der Schmerz in ihrem Kopf. Medikamente wirken kaum noch. Vom Biofeedback-Training, das die Lehrerin im Rahmen einer stationären Behandlung in der medizinischpsychosomatischen Klinik Roseneck in Prien absolviert, erhofft sie sich dauerhafte Linderung ihrer Schmerzen.

Die Methode des Biofeedback (englisch, etwa: Rückmeldung biologischer Vorgänge) wird bei  unterschiedlichen Störungen wie Ängsten, Blasenschwäche oder bestimmten Formen von Bluthochdruck eingesetzt – und zunehmend bei Kopfschmerzen. Zwei Formen sind besonders häufig: Spannungskopfschmerz, bei dem oft verspannte Nacken-, Stirn- oder Kaumuskeln beteiligt sind, und Migräne.

Diese wird vermutlich durch eine fehlerhafte Regulation an den Blutgefäßen am Kopf und erhöhte Stressanfälligkeit verursacht. Dabei spielen unter anderem Entzündungsvorgänge eine Rolle, die eine Erweiterung der Blutgefäße zur Folge haben. Die Veränderungen an Muskeln und Gefäßen laufen normalerweise unbewusst ab. Man spürt das Ergebnis, den Schmerz, nicht aber die Vorgänge, die ihn verursachen. Durch Biofeedback sollen Patienten lernen, diese wahrzunehmen und zu beeinflussen.



Ihre Wut über den Kopfschmerz zu malen fällt manchen Patienten leichter, als sie in Worte zu fassen

Konzentration und Fantasie gefragt

Das Szenario der ersten Trainingseinheiten von Angelika T. wirkt nicht gerade wie eine erfolgversprechende Schmerztherapie. Was passiert dabei? Diplompsychologin Dr. Barbara Timmer befestigt an der Schläfe ihrer Patientin eine Elektrode. Diese registriert feine Veränderungen im Dehnungszustand der Schläfenarterie und übermittelt die Signale an den Biofeedback-Computer.

Der Monitor setzt sie in ein Bild um – in diesem Fall Balken mit großem oder kleinem Abstand zueinander.  "Frau T. 'sieht' auf dem Bildschirm, wie sie nur durch ihre Vorstellungen die Durchblutung der Gefäße verändern kann", sagt Dr. Timmer. Wenn sich ihre Patientin Kälte oder Enge vorstellt, zum Beispiel einen Tunnel, streben die Balken aufeinander zu. Das Bild des engen Tunnels steht für die Verengung der schmerzhaft erweiterten Gefäße.

Bei der Behandlung von Spannungskopfschmerzen werden die Biofeedback- Elektroden am Nacken festgeklebt. Während des Trainings entwickeln die Patienten ein Gespür für die Aktivität ihrer Nackenmuskeln. "Bewusst wahrnehmen und entspannen zu lernen ist der Schlüssel gegen diese Kopfschmerzen", erklärt Dr. Timmer.

Die Methode wirkt. Das zeigen wissenschaftliche Studien. So lassen bei regelmäßigem Training Häufigkeit, Dauer und Intensität von Migräneattacken nach. Was im Einzelnen an den Gefäßen passiert, ob und wie sich der Durchmesser der Gefäße bei Migräne senken lässt, wissen auch Experten nicht so genau. "Die Patienten erhalten das Gefühl, ihren Kopfschmerz besser kontrollieren zu können, und sie fühlen sich weniger ausgeliefert", erklärt Psychologin Timmer.

Auch Bewegung und Kunst gehören zur Therapie

Gemeinsam mit Angelika T. stellen Ärzte und Therapeuten den Stundenplan mit Verhaltens-, Bewegungs-, Kunst- oder Gestaltungstherapie zusammen, um den seit Jahren bestehenden Kreislauf aus Schmerz, Stress, Verspannung und Angst vor der nächsten Schmerzattacke zu durchbrechen. Eine völlige Heilung ist nicht zu erwarten. Angelika T. hat sich das Ziel gesetzt, dass die Migräneanfälle seltener werden und dass sie besser damit leben kann.

Außerdem will sie lernen, Anfällen vorzubeugen. Ein Kopfschmerztagebuch zu führen hilft ihr, Schmerzauslöser zu erkennen. Diese können individuell sehr unterschiedlich sein: Hektik, psychische Belastungen, bestimmte Nahrungsmittel oder einseitige Körperhaltungen wie bei langen Autofahrten.

Manchmal stecken hinter Kopfschmerzen Angst, Ohnmacht oder Wut. Über die meist unbewussten Gefühle können sich die Patienten in der Kunst- und Gestalttherapie klarer werden. Ihre Wut zu malen oder den Schmerz mit Knetmasse zu formen fällt manchen leichter, als ihn in Worte zu fassen.

Freundschaft mit dem Körper

Nicht zuletzt spielen Ausdauersport und jede Form von Bewegung bei der Behandlung chronischer Schmerzen eine große Rolle: "Bei Körperübungen in der Gruppe, Massagen mit dem Igelball oder in der Tanztherapie lernen Kopfschmerzpatienten, Freundschaft mit ihrem Körper zu schließen", erklärt Dr. Timmer. Achtsamkeit dem eigenen Körper gegenüber kann dazu beitragen, dass der Schmerz weniger häufig entsteht.

 

Mehr Informationen über Biofeedback:
Deutsche Gesellschaft für Biofeedback
www.dgbfb.de

(www.diabetes-ratgeber.net ist nicht verantwortlich und übernimmt keine Haftung für die Inhalte externer Internetseiten.)



Diabetes Ratgeber; 15.05.2007, aktualisiert am 26.10.2010
Bildnachweis: W&B/Maik Kern

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