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Was Diabetes mit Kopfschmerzen zu tun hat

Kopfschmerzen können bei Menschen mit Diabetes auf eine Unterzuckerung hinweisen. Möglicherweise gibt es aber noch einen anderen Zusammenhang

Mann mit Kopfschmerzen

Schmerz, lass nach!

 

Eine Umfrage im Bundestag ergab: Elf Prozent der Abgeordneten haben regelmäßig Kopfschmerzen. Kein Wunder, könnte man glauben, bei so viel Verantwortung. Doch in Wirklichkeit zeigt diese Zahl nur, dass es unseren Volksvertretern nicht anders geht als denen, die sie gewählt haben. Denn von den 80 Millionen Menschen in Deutschland leidet jeder Zehnte unter Kopfschmerzen. Mal mehr, mal weniger, Männer wie Frauen, Alte wie Junge.

 

Besonders häufig scheint es jene zu treffen, die schon aus anderen Gründen geplagt sind: Menschen mit Diabetes. Dass Diabetes Kopfschmerzen machen kann, weiß fast jeder, der schon einmal eine Unterzuckerung erlebt hat. Denn Kopfschmerzen zählen, neben Symptomen wie Hunger, Zittern oder Schweißausbrüchen, zu den Warnzeichen einer Hypoglykämie.


Insulinresistenz schuld an Kopfschmerzattacken?

 

Doch vermutlich gibt es noch ein anderes Bindeglied zwischen Kopfschmerzen und Diabetes, zumindest Typ-2-Diabetes. Es heißt: Insulinresistenz. Bei Typ-2-Diabetes werden die Körperzellen unempfindlich gegen Insulin. Die Insulinresistenz lässt den Blutzucker steigen, fördert aber, so vermuten Experten, auch Kopfschmerzattacken.

 

Italienische Forscher erkannten vor wenigen Jahren: Migräne-Patienten haben oft eine deutliche Insulinresistenz und einen gestörten Zuckerstoffwechsel – selbst wenn sie keinen Diabetes haben. Das erklärt womöglich auch, warum regelmäßige Bewegung dabei hilft, Migräne-Attacken zu verhindern. Denn täglich eine halbe Stunde spazieren zu gehen kann die Insulinempfindlichkeit verbessern.

 

In leichten Fällen: Selbsthilfe

 

Mehr als 165 Kopfschmerz-Formen können Spezialisten heute unterscheiden. In neun von zehn Fällen handelt es sich um Migräne oder Spannungskopfschmerzen. Wer nur gelegentlich unter leichtem bis mäßigem Kopfschmerz leidet, kann sich selber helfen, indem er ein Kopfschmerzmittel aus der Apotheke einnimmt oder seine Schläfen mit Minzöl-Lösung einreibt.

 

Typ-2-Diabetiker, die mit Tabletten behandelt werden, sollten sich bei der Auswahl eines Schmerzmittels vom Apotheker beraten lassen, da einige Präparate, beispielsweise Acetylsalicylsäure (ASS), das Unterzuckerungsrisiko erhöhen können.

 

Dauerschmerz durch Schmerzmittel

 

Noch aus einem anderen Grund ist bei der Selbstbehandlung Vorsicht angesagt. Denn wer regelmäßig Schmerzmittel schluckt, läuft Gefahr, dass aus den anfallsweisen Schmerzen ein Dauerzustand wird. Eine Studie des Deutschen Kopfschmerzkonsortiums zeigte 2008, dass das Risiko für chronische Kopfschmerzen um das Achtfache steigt, wenn jemand an mindestens zehn Tagen im Monat ein Schmerzmittel einnimmt.

 

Professor Hans-Christoph Diener, Direktor der Universitätsklinik für Neurologie und des Westdeutschen Kopfschmerzzentrums Essen, fordert deshalb, den Arztbesuch nicht zu lange aufzuschieben, wenn jemand häufig unter Kopfschmerzen leidet. „Am besten“, so Diener, „wendet man sich an einen Neurologen, damit gezielt eine der speziellen Kopfschmerzform angepasste Therapie eingeleitet werden kann.“ Wobei Kopfschmerz-Spezialist Diener nicht nur auf Medikamente setzt.

 

"Lernen, auch mal Nein zu sagen"

 

Zwar gibt es wirksame Präparate, die Kopfschmerzen lindern und weiteren Attacken vorbeugen. Für mindestens ebenso wichtig hält Diener es jedoch, dass Kopfschmerz- Patienten selbst aktiv werden. Dazu gehört es, sich einen regelmäßigen Tagesablauf anzugewöhnen – beispielsweise immer zur gleichen Zeit aufzustehen, auch am Wochenende – und Stress, so gut es geht, zu vermeiden. „Man muss lernen, auch mal Nein zu sagen, auch wenn es schwerfällt“, rät Diener.

 

Regelmäßiger Ausdauersport wie Laufen oder Radfahren hilft ebenfalls, Kopfschmerzattacken zu verhindern oder abzuschwächen. Dasselbe gilt für Entspannungsverfahren wie die progressive Muskelrelaxation oder autogenes Training. Und wem das nicht Motivation genug ist: Auch Blutzucker und Blutdruck lassen sich so deutlich bessern.



Diabetes Ratgeber; 05.02.2010, aktualisiert am 25.06.2010
F1 online digitale Bildagentur GmbH/Cusp

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