Insulinresistenz schuld an Kopfschmerzattacken?
Doch vermutlich gibt es noch ein anderes Bindeglied zwischen Kopfschmerzen und Diabetes, zumindest Typ-2-Diabetes. Es heißt: Insulinresistenz. Bei Typ-2-Diabetes werden die Körperzellen unempfindlich gegen Insulin. Die Insulinresistenz lässt den Blutzucker steigen, fördert aber, so vermuten Experten, auch Kopfschmerzattacken.
Italienische Forscher erkannten vor wenigen Jahren: Migräne-Patienten haben oft eine deutliche Insulinresistenz und einen gestörten Zuckerstoffwechsel – selbst wenn sie keinen Diabetes haben. Das erklärt womöglich auch, warum regelmäßige Bewegung dabei hilft, Migräne-Attacken zu verhindern. Denn täglich eine halbe Stunde spazieren zu gehen kann die Insulinempfindlichkeit verbessern.
In leichten Fällen: Selbsthilfe
Mehr als 165 Kopfschmerz-Formen können Spezialisten heute unterscheiden. In neun von zehn Fällen handelt es sich um Migräne oder Spannungskopfschmerzen. Wer nur gelegentlich unter leichtem bis mäßigem Kopfschmerz leidet, kann sich selber helfen, indem er ein Kopfschmerzmittel aus der Apotheke einnimmt oder seine Schläfen mit Minzöl-Lösung einreibt.
Typ-2-Diabetiker, die mit Tabletten behandelt werden, sollten sich bei der Auswahl eines Schmerzmittels vom Apotheker beraten lassen, da einige Präparate, beispielsweise Acetylsalicylsäure (ASS), das Unterzuckerungsrisiko erhöhen können.
Dauerschmerz durch Schmerzmittel
Noch aus einem anderen Grund ist bei der Selbstbehandlung Vorsicht angesagt. Denn wer regelmäßig Schmerzmittel schluckt, läuft Gefahr, dass aus den anfallsweisen Schmerzen ein Dauerzustand wird. Eine Studie des Deutschen Kopfschmerzkonsortiums zeigte 2008, dass das Risiko für chronische Kopfschmerzen um das Achtfache steigt, wenn jemand an mindestens zehn Tagen im Monat ein Schmerzmittel einnimmt.
Professor Hans-Christoph Diener, Direktor der Universitätsklinik für Neurologie und des Westdeutschen Kopfschmerzzentrums Essen, fordert deshalb, den Arztbesuch nicht zu lange aufzuschieben, wenn jemand häufig unter Kopfschmerzen leidet. „Am besten“, so Diener, „wendet man sich an einen Neurologen, damit gezielt eine der speziellen Kopfschmerzform angepasste Therapie eingeleitet werden kann.“ Wobei Kopfschmerz-Spezialist Diener nicht nur auf Medikamente setzt.
"Lernen, auch mal Nein zu sagen"
Zwar gibt es wirksame Präparate, die Kopfschmerzen lindern und weiteren Attacken vorbeugen. Für mindestens ebenso wichtig hält Diener es jedoch, dass Kopfschmerz- Patienten selbst aktiv werden. Dazu gehört es, sich einen regelmäßigen Tagesablauf anzugewöhnen – beispielsweise immer zur gleichen Zeit aufzustehen, auch am Wochenende – und Stress, so gut es geht, zu vermeiden. „Man muss lernen, auch mal Nein zu sagen, auch wenn es schwerfällt“, rät Diener.
Regelmäßiger Ausdauersport wie Laufen oder Radfahren hilft ebenfalls, Kopfschmerzattacken zu verhindern oder abzuschwächen. Dasselbe gilt für Entspannungsverfahren wie die progressive Muskelrelaxation oder autogenes Training. Und wem das nicht Motivation genug ist: Auch Blutzucker und Blutdruck lassen sich so deutlich bessern.