Fünf Strategien gegen Wechselwirkungen

Bei der Einnahme mehrerer Medikamente gleichzeitig können unerwünschte Effekte auftreten. Wie Sie solche Wechselwirkungen vermeiden
von Daniela Pichleritsch, 28.08.2017

Tabletten zum Frühstück: Vorsicht vor Wechselwirkungen

W&B/S. Mader & U. Schmid

Der Blutzucker spielt verrückt, und Sie wissen nicht, warum? Vielleicht steckt ein Medikament dahinter. So können Kortisontabletten dazu führen, dass die Dosis der Diabetesmedikamente erhöht werden muss.

Wechselwirkungen: So nennen es Experten, wenn sich verschiedene Präparate in ihrer Wirkung beeinflussen. Völlig klar: Je mehr Pillen Sie einnehmen, umso größer das Risiko für unerwünschte Effekte. Ältere Menschen sind besonders gefährdet, weil bei ihnen manche Medikamente etwa länger und stärker wirken als bei jungen Menschen. Zudem kann ein ungünstiger Pillenmix Beschwerden wie Gedächtnisprobleme, Müdigkeit oder Schwindel verstärken.

"Oft kommt es zu Wechselwirkungen, weil die Betroffenen bei mehreren Ärzten in Behandlung sind und mehrere Apotheken nutzen. Keiner überblickt mehr alle Präparate", erklärt Professor Dr. Daniel Grandt, Leiter der Arbeitsgruppe Arzneimitteltherapie-Management und -Sicherheit der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin. Vor unerwünschten Wechselwirkungen kön­nen Sie sich schützen. Am besten sprechen Sie mit Ihrem Arzt oder Ihrem Apotheker, welche der folgenden Strategien Ihnen am meisten nützen.

Strategie 1: Für Überblick sorgen

Wenn der Arzt Ihnen dauerhaft drei oder mehr Medikamente verschreibt, steht Ihnen ein Medikationsplan zu. Bei Diabetikern sind Hausärzte oder Diabetologen Ansprechpartner. In den Plan trägt der Arzt Ihre Medikamente ein. Er notiert darin, wann, warum und in welcher Dosis Sie diese anwenden. "Nehmen Sie den Plan zu allen Arzt- und Apothekenbesuchen mit, und lassen Sie neue Medikamente ergänzen – egal ob verordnet oder selbst gekauft. Auch Nahrungsergänzungsmittel, etwa Mineralstoffe, gehören auf den Plan", sagt Apotheker Manfred Krüger aus Krefeld. Momentan gibt es den Medikationsplan nur auf Papier. "Spätestens ab 2019 soll er auf der elektronischen Gesundheitskarte gespeichert werden", sagt Krüger.

Strategie 2: Einen Lotsen suchen

Für Menschen mit chronischen Erkrankungen bieten die Krankenkassen Chronikerprogramme an (Disease-Management-Programme, kurz: DMP). Wenn Sie dauerhaft fünf oder mehr Medikamente brauchen und in ein DMP eingeschrieben sind, erfasst der Arzt mindestens jährlich Ihre Medikamente, auch selbst gekaufte. Falls nötig, bespricht er sich mit anderen Ärzten, klärt etwa mit dem Orthopäden, ob ein Schmerzmittel durch ein anderes ersetzt werden kann, weil es die Wirkung Ihres Blutdrucksenkers abschwächt. Typ-2-Diabetiker schreiben sich meist beim Hausarzt in ein DMP ein, Typ-1-Diabetiker beim Diabetologen.

Drei Tipps für Diabetiker

  • Fragen Sie bei unerklärlichen Zuckerentgleisungen den Arzt, ob es an einem Medikament liegen könnte
  • Setzen Sie Medikamente nie auf eigene Faust ab! Informieren Sie bei Beschwerden den Arzt oder Apotheker
  • Nehmen Sie Ihre Tabletten exakt so ein wie empfohlen, z.  B. vor dem Essen

Strategie 3: Zuerst zum Hausarzt

Manche Hausärzte bieten die sogenannte Hausarztzentrierte Versorgung (HzV) an. Dabei verpflichten Sie sich, bei Beschwerden immer erst zum Hausarzt zu gehen. Er koordiniert die weitere Behandlung, überweist etwa zum Diabetologen. Alle Befunde laufen beim Hausarzt zusammen. So behält er auch den Überblick über Ihre Medikamente. Welche Ärzte und Krankenkassen das Programm anbieten, erfahren Sie unter www.hausarzt-suche.de.

Strategie 4: Stammapotheke

Immer in dieselbe Apotheke gehen: Das hat durchaus Vorteile. Sie können Ihre Medikamente in der Kundendatei speichern lassen. So kann der Apotheker bei neuen Präparaten sofort prüfen, wie gut sich diese mit Ihren anderen Mitteln vertragen. Er gibt Ihnen auch Tipps, wie Sie Wechselwirkungen verhindern können.

Strategie 5: "Tüten"-Analyse

Einige Apotheken bieten eine Medikationsanalyse an, die etwa 60 bis 70 Euro kostet. Kunden bringen dazu ihre Präparate einfach in einer Tüte zu ihrem Apotheker. "Er bespricht mit Ihnen, wie gut Sie diese vertragen und wieso Sie sie einnehmen", erklärt Apothekerin Margit Schlenk aus Neumarkt, Medikationsmanagerin der Bayerischen Akademie für Klinische Pharmazie. Dann prüft er Ihre Medikamente auf Wechsel- und Nebenwirkungen. Das Ergebnis bespricht er mit Ihnen bei einem zweiten Termin. "Falls nötig, wendet er sich mit den Ergebnissen an den Arzt und macht Vorschläge, welche Medikamente sich besser vertragen", sagt Margit Schlenk. Wenn Sie sich dafür interessieren: einfach in Ihrer Apotheke nachfragen.

Der Apotheker als Diabetes-Helfer

In Bayern untersucht die Studie GLICEMIA 2.0 derzeit, ob eine Betreuung durch Apotheker sich günstig auf die Zuckerwerte bei Typ-2-Diabetikern auswirkt. Es werden noch Teilnehmer gesucht. Infos unter www.wipig.de


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