Metformin verändert die Darmflora

Laut einer Studie beeinflusst das Diabetes-Medikament die Zusammensetzung der Darmbakterien – zum Vorteil und zum Nachteil

von Stephan Soutschek, aktualisiert am 10.12.2015

Unruhe im Bauch: Metformin fördert die Verbreitung bestimmter Darmbakterien

Fotolia/Photophonie

Das Medikament Metformin zählt zu den zuverlässigsten Blutzuckersenkern bei Typ-2-Diabetes. Seine Wirkweise ist eigentlich kein Geheimnis: Metformin bewirkt, dass mehr Zuckermoleküle in die Zellen gelangen und gleichzeitig weniger aus Leber und Darm ins Blut übergehen. Möglicherweise greift es aber auch über die Darmbakterien in den Zuckerstoffwechsel ein. Das lässt die Studie eines Teams aus europäischen und chinesischen Forschern vermuten, die im Fachjournal Nature erschien.

Kurzkettige Fettsäuren von Bakterien

Die Wissenschaftler um Professor Oluf Borbye Pedersen von der Universität Kopenhagen nahmen die Darmbewohner von 784 Menschen mit und ohne Typ-2-Diabetes unter die Lupe. Im Verdauungstrakt der Teilnehmer, die ihre Zuckerwerte mit Metformin behandelten, fanden sie verstärkt Bakterien, die bestimmte kurzkettige Fettsäuren bilden. Diese wiederum sollen laut den Forschern günstig auf die Blutzuckerwerte wirken.


"Bei den Diabetespatienten, die nicht mit Metformin behandelt wurden, fanden wir weniger Bakterien, die die gesundheitsfördernden kurzkettigen Fettsäuren produzieren", sagt Pedersen. "Derzeit wird untersucht, ob der Mangel an bestimmten Kombinationen von fettsäureproduzierenden Bakterien ein Faktor für die Entstehung von Typ-2-Diabetes ist."

Nebenwirkung Verdauungsbeschwerden

Auch manche unerwünschten Folgen von Metformin lassen sich möglicherweise mit dem Einfluss auf die Darmflora erklären. Bei dem Mittel können als Nebenwirkung Blähungen, Durchfall und andere Magen-Darm-Probleme auftreten. Patienten, die Metformin einnahmen, hatten in der Analyse einen erhöhten Anteil von Keimen, die zu solchen Beschwerden führen können.

Der menschliche Darm gehört derzeit zu den interessantesten Forschungsgebieten in der Medizin. Bei Krankheiten wie Fettleibigkeit oder Typ-2-Diabetes ist oft die Zusammensetzung der Darmbakterien verändert. Forscher hoffen, hier einen Ansatzpunkt zur Behandlung dieser Leiden zu finden.

Quellen: Nature, Universität Kopenhagen



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