Nephropathie: Nierenschaden bei Diabetes

Die Nieren gehören zu den Organen, die infolge erhöhter Blutzuckerwerte bei Diabetes Schaden nehmen können. Hier lesen Sie alles, was Patienten wissen müssen

aktualisiert am 26.09.2016

Die Nieren erinnern äußerlich an Bohnen – und reinigen das Blut von Giftstoffen

Fotolia/crishnacreations/2010

Die Nieren übernehmen in unserem Körper lebenswichtige Funktionen. Eine Hauptaufgabe ist zum einen die Bildung von Urin (Harn). Außerdem filtern sie das Blut von Giftstoffen sowie Abfallprodukten des Stoffwechsels oder von Medikamenten, damit der Organismus diese Stoffe über den Harn ausscheiden kann.

Daneben sind die Nieren an der Regulierung des Salz- und Wasserhaushalts beteiligt, beeinflussen den Blutdruck und stellen Hormone her, die unter anderem für die Blutbildung wichtig sind.


Für die Filtervorgänge in den Nieren sind unzählige kleine Knäuel aus Blutgefäßen zuständig, die Nierenkörperchen. Dauerhaft erhöhter Blutzucker bei Diabetes beschädigt die Innenwände der Blutgefäße in den Nierenkörperchen. Auf Dauer lässt die Filterfunktion der Nieren nach, es entsteht eine diabetische Nephropathie.

Dieser Nierenschaden wird von weiteren typischen Begleiterscheinungen eines Diabetes begünstigt. Zu diesen zählen Bluthochdruck und Fettstoffwechselstörungen. Sie fördern nicht nur die Entstehung einer Nephropathie, sondern beschleunigen zudem ihr Fortschreiten. Auch Rauchen schadet den Nieren.

Krankheit trifft Typ-1-Diabetiker und Typ-2-Diabetiker

Nierenschäden gelten als eine der häufigsten Folgeerkrankungen des Diabetes. Sie betreffen Typ-1- ebenso wie Typ-2-Diabetiker. Einer Studie aus dem Jahr 2014 zufolge haben 10 Prozent der Typ-2-Diabetiker in Deutschland eine Nephropathie, unter den Typ-1-Diabetikern sind es 15 Prozent.

Wird die Nephropathie zu spät oder nicht behandelt, versagen im schlimmsten Fall irgendwann die Nieren ihren Dienst. Ärzte sprechen hier von einer Niereninsuffizienz. Im fortgeschrittenen Stadium hilft nur noch eine lebenslange regelmäßige Blutwäsche (Dialyse) oder die Transplantation einer Spenderniere.

Dass diabetesbedingte Nierenschäden so häufig sind, liegt unter anderem daran, dass sie bereits in einem frühen Stadium des Diabetes auftreten und lange keine Beschwerden machen. Symptome wie Wassereinlagerungen in den Beinen oder nachlassende Leistungsfähigkeit zeigen sich in der Regel erst, wenn die Nieren schon stark geschädigt sind.

Diagnose eines diabetischen Nierenschadens

Erhöhte Albuminwerte im Urin können auf einen diabetischen Nierenschaden hinweisen. Ein Arzt kann das Eiweiß im Labor anhand einer Morgenurinprobe nachweisen. Liegt der dabei bestimmte Albumin-Kreatinin-Quotient bei Frauen über 30 mg Albumin/g Kreatinin, bei Männern über 20 mg Albumin/g Kreatinin, besteht der Verdacht auf eine Albuminurie und damit auf einen Nierenschaden. Da die Albuminwerte natürlichen Schwankungen unterliegen können, muss ein zweiter Test das Ergebnis bestätigen. Findet sich bei diesem keine erhöhte Konzentration, ist ein dritter Test notwendig.

Bestätigen zwei Tests den Verdacht auf einen Nierenschaden, kann der Arzt weitere Untersuchungen einleiten, um eine genauere Diagnose stellen zu können. Je eher eine diabetische Nephropathie erkannt wird, desto besser sind in der Regel die Behandlungschancen. Diabetiker sollten deshalb einmal jährlich ihre Albuminwerte prüfen lassen, bei Typ-1-Diabetes ab dem fünften Erkrankungsjahr.

Auch andere Organe gefährdet

Wenn Hinweise auf eine Nierenschädigung vorliegen, sollten Betroffene sich gründlich untersuchen lassen: Zum einen können sich ganz verschiedene Ursachen dahinter verbergen. Zum anderen sind bei diabetischer Nephropathie sehr häufig auch Gefäße in anderen Bereichen des Körpers geschädigt, so dass weitere Folgeerkrankungen vorliegen. Vor allem die Augen sind häufig mit betroffen. Aber auch Herz, Gefäße oder Beine können betroffen sein und sollten überprüft werden.

Besonders wichtig ist die rechtzeitige Behandlung mit einem ACE-Hemmer oder AT1-Blocker (siehe das Kapitel "Therapie"). Welches Medikament der Arzt wählt, hängt von individuellen Faktoren beim Patienten ab. Um weitere Schäden an den Gefäßen zu verhindern, ist es grundsätzlich sehr wichtig, Blutzucker, Blutdruck und Blutfettwerte optimal einzustellen.

Wichtig: Bei vorhandenem Nierenschaden können Kontrastmittel, wie sie etwa in der Röntgendiagnostik zum Einsatz kommen, ein akutes Nierenversagen auslösen. Patienten sollten deshalb im Vorfeld eines solchen Termins unbedingt den zuständigen Arzt auf ihre Nierenerkrankung hinweisen.



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