"Blutdruck senken" heißt das wichtigste Ziel der medikamentösen Therapie. Für Diabetiker sollte er maximal bei 130 zu 80 mmHg liegen
Aber auch, wenn es für eine Heilung schon zu spät ist, lässt sich durch eine konsequente Therapie das Fortschreiten der Erkrankung verlangsamen und das Risiko von Herz-Kreislauf-Komplikationen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall senken.
Für die Behandlung der diabetischen Nephropathie im Frühstadium gelten im wesentlichen die gleichen Regeln wie für die Vorbeugung von Nierenerkrankungen. Unerlässlich: Rauchen aufgeben, Cholesterinwerte normalisieren, Blutzucker- und Blutdruckwerte optimal einstellen. Letzteres gelingt vor allem mit Hilfe geeigneter Medikamente; der Patient kann aber auch durch sein eigenes Verhalten entscheidend zum Erfolg der Therapie beitragen.
Die medikamentöse Behandlung mit einem ACE-Hemmer oder AT1-Blocker senkt einerseits den Blutdruck, wirkt sich aber andererseits auch unabhängig von der Blutdrucksenkung günstig auf die Nephropathie aus. Daher sollte auch bei normalen Blutdruckwerten eine entsprechende Behandlung eingeleitet werden.
Blutdruck senken
Das ist der wichtigste Baustein der Therapie. Hoher Blutdruck setzt den Blutgefäßen und damit den Nieren nämlich mindestens genauso zu wie erhöhte Blutzuckerwerte. Für Diabetiker gilt es deshalb, den Blutdruck in einen Bereich um 130 zu 80 Millimeter Quecksilbersäule (mmHg) zu senken, bei einem fortgeschrittenen Nierenschaden sogar unter 125 zu 75 mmHg.
Am besten bewährt haben sich dazu Medikamente aus der Gruppe der ACE-Hemmer und AT1-Antagonisten. Die Nieren profitieren indirekt durch die Blutdrucksenkung und auch dadurch, dass die Mittel eine schützende Wirkung auf die Innenhaut der Gefäße haben. Reichen ACE-Hemmer und AT1-Antagonisten allein nicht aus, um erhöhte Blutdruckwerte zu normalisieren, hilft eine Kombination mit weiteren Wirkstoffen.
Normalerweise liegen die Blutdruckwerte nachts im Mittel zehn Prozent niedriger als tagsüber. Sinken sie in der Nacht nicht, was sich mit einer ambulanten 24-Stunden-Blutdruckmessung nachweisen lässt, ist das auch bei normalen Tageswerten ein Hinweis auf ein erhöhtes Risiko für Gefäßschäden. Dann kann die abendliche Einnahme eines Blutdrucksenkers sinnvoll sein.
Was kann ich selbst tun?
Blutdruck regelmäßig kontrollieren, Medikamente zuverlässig einnehmen. Regelmäßige Bewegung und Abbau von Übergewicht wirken sich günstig auf den Blutdruck aus.
Blutzucker optimal einstellen
Zwar hat eine gute Blutzuckereinstellung den größten Einfluss bei der Vorbeugung - wenn es also darum geht, die Entstehung eine Mikroalbuminurie zu verhindern. Doch auch bei einem bereits messbaren Nierenschaden trägt sie dazu bei, das Fortschreiten der Erkrankung zumindest zu verlangsamen. Eine optimale Einstellung des Blutzuckers ist also wichtig; um dieses Ziel zu erreichen, kann auch die Umstellung auf eine Insulintherapie bzw. die Intensivierung einer bestehenden Insulinbtherapie erforderlich sein. Zur Therapiekontrolle wird der Langzeit-Blutzuckerwert HbA1c bestimmt. Dieser sollte im Allgemeinen unter 6,5 Prozent liegen. Im Einzelfall, insbesondere bei älteren Menschen, können abweichende Blutzuckerziele vereinbart werden.
Was kann ich selbst tun?
Blutzucker regelmäßig selbst kontrollieren, eventuell in Absprache mit dem Arzt auf neues Therapieschema umstellen. Regelmäßige Bewegung und Abbau von Übergewicht senken den Blutzucker.
Erhöhte Blutfettwerte senken
Mit einer fortschreitenden Nierenfunktionsstörung geraten die Blutfettwerte zunehmend aus dem Gleichgewicht. Der Gesamtcholesterinspiegel nimmt zu, der Anteil des "bösen" (gefäßschädigenden) LDL-CHolesterins steigt und der des "guten" (gefäßschützenden) HDL-Cholesterins sinkt. Im Frühstadium einer diabetischen Nierenerkrankung sollte das LDL-Cholesterin auf Werte unter 100 mg/dl gesenkt werden.
Eine Senkung der Lipidwerte kann dazu beitragen, die nachlassende Nierenfunktion zu bremsen und das für Diabetiker damit verbundene Herzrisiko zu verringern. In der Regel wird ein Wirkstoff aus der Gruppe der Statine verordnet.
Was kann ich selbst tun?
Verordnete Medikamente zuverlässig einnehmen; fettarme Ernährung, regelmäßige Bewegung.
Mit dem Rauchen aufhören
Studien haben bewiesen: Ein diabetesbedingter Nierenschaden schreitet bei Rauchern schneller fort. Denn Nikotin ist nicht nur Gift für die Blutgefäße. Es erhöht auch den Druck in den Gefäßknäueln der Niere und schwächt deren Filterleistung.
Was kann ich selbst tun?
Weg mit den Zigaretten - für immer!
Ernährung anpassen
Eiweißreiche Ernährung kann das Fortschreiten einer Nierenschwäche fördern. Deswegen wird Patienten mit Nierenschaden oft empfohlen, mit Eiweiß zurückhaltend zu sein. Eindeutig bewiesen ist der Nutzen einer Eiweißeinschränkung – zumindest in frühen Stadien einer Nierenschwäche – nicht.
Was kann ich selbst tun?
0,8 bis 1 Gramm Eiweiß pro Kilogramm Körpergewicht und Tag – mehr sollte es mit Rücksicht auf die Nieren nicht sein. Eiweißhaltig sind beispielsweise Fleisch, Wurst, Fisch und Milchprodukte. Weil Kochsalz hohen Blutdruck begünstigt, der wiederum die Nieren angreift, sollten Diabetiker mit einer Nierenerkrankung außerdem sparsam mit Salz umgehen. Es gibt übrigens Hinweise darauf, dass der Blutdruck bei Menschen mit Diabetes empfindlicher auf Kochsalz reagiert.
Übergewicht abbauen
Überflüssiges Körperfett fördert Bluthochdruck und schlechte Blutzuckerwerte. Das hängt unter anderem damit zusammen, dass das Fettgewebe – und zwar insbesondere das Fett im Bauchbereich – verschiedene Hormone und Entzündungsstoffe produziert, die in den Stoffwechsel eingreifen. Wer durch Umstellung seiner Ernährung und regelmäßige körperliche Bewegung Übergewicht abbaut, verbessert allein schon damit – ganz ohne medikamentöse Therapie – seine Blutzucker- und Blutdruckwerte und unterstützt so seine Nieren. Starkes Übergewicht wirkt sich Studien zufolge auch direkt schädlich auf die Nieren aus.
Was kann ich selbst tun?
Abnehmen, um das Körpergewicht in einen Normalbereich zu bringen. Wünschenswert ist ein Body-Mass-Index unter 25.
Mit bestimmten Medikamenten vorsichtig sein
Viele Medikamente werden über die Nieren ausgeschieden. Arbeiten diese nur noch eingeschränkt, kann der Wirkstoffspiegel im Blut steigen. Bei einigen blutzuckersenkenden Medikamenten (insbesondere bei Sulfonylharnstoffen) und auch bei Insulin muss deshalb eventuell die Dosis verringert werden. Der Blutzuckersenker Metformin ist bei eingeschränkter Nierenfunktion abzusetzen, da das Risiko für eine gefährliche Übersäuerung des Blutes besteht.
Besondere Vorsicht ist bei jodhaltigen Kontrastmitteln geboten. Diese werden bei bestimmten Röntgenuntersuchungen in die Vene gespritzt und können die Nieren akut schädigen. Menschen mit Diabetes und bereits vorgeschädigter Niere sind stärker gefährdet als Gesunde.
Was kann ich selbst tun?
Mit dem Arzt besprechen, ob und für welche Medikamente eine Verringerung der Dosis notwendig ist. Vor einer Röntgenuntersuchung unbedingt den Arzt über den Nierenschaden informieren.
Andrea Grill / www.diabetes-ratgeber.net;
19.05.2008, aktualisiert am 16.01.2012
Bildnachweis: W&B/Simon Katzer
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