Neuropathie: Mythen & was wirklich stimmt

Stimmt es, dass Nervenschäden harmlos sind, wenn man nichts davon merkt? Welche Rolle spielt Alkohol? Und was hilft gegen die Schmerzen?

von Daniela Pichleritsch, aktualisiert am 18.02.2016

Wer an Diabetes erkrankt ist, sollte gegen Nervenschäden gerade am Fuß vorbeugen

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"Ich habe keine Schmerzen, also ist alles in Ordnung"

Leider falsch. Einerseits führt ein Nervenschaden oft zu Missempfindungen wie Kribbeln oder Schmerzen, die meist an den Füßen beginnen. Andererseits spürt man bei einem Nervenschaden Schmerzen, etwa durch eine Verletzung am Fuß, nicht mehr. So können aus kleinen Wunden unbemerkt tiefe Geschwüre werden.

"Bei guten Zuckerwerten erholen sich die Nerven"

Stimmt bedingt. "Manchmal erholen sich die Nerven etwas, wenn die Blutzuckerwerte verbessert werden", weiß Diabetologe Dr. Ludger Rose aus Münster. "Heilen" kann man den Nervenschaden damit leider nicht. Gute Zuckerwerte verhindern aber, dass die Schäden an den Nerven fortschreiten.


"Schmerzmittel helfen immer und sind harmlos"

Falsch. Schmerzmittel wie Acetylsalicylsäure (ASS), Ibuprofen und Diclofenac helfen bei Nervenschmerzen meist nicht. "Zudem kann die regelmäßige Einnahme für Herz, Nieren und Magen riskant sein", warnt Diabetologe ­Rose. Bei leichten Nervenschmerzen kann manchmal kurzzeitig der Wirkstoff Paracetamol helfen. In jedem Fall solle man die Einnahme wegen möglicher Nebenwirkungen mit dem Arzt absprechen.

"Medikamente gegen Nervenschmerzen sollte man nicht kombinieren"

Falsch. Je höher die Dosis, umso höher ist das Risiko für unerwünschte Wirkungen. Deshalb sollte man sich zum einen langsam an die wirksame Dosis herantasten. "Zum anderen kann es sinnvoll sein, Medikamente zu kombinieren, um die Dosis der einzelnen Wirkstoffe und damit die Nebenwirkungen gering zu halten", so Rose.

"Mittel gegen Depressionen können Schmerzen lindern"

Richtig. Zur Schmerzlinderung verschreibt der Arzt häufig Substanzen, die eigentlich für andere Krankheiten entwickelt wurden, etwa zur Behandlung von Depressionen oder epileptischen Anfällen. Bei Schmerzen, die sich nicht anders lindern lassen, kann der Arzt Opiate verordnen.

"Schmerzmittel wirken sehr schnell"

Falsch. Medikamente, die sich bei Nervenschmerzen bewährt haben (z. B. Antiepileptika, Antidepressiva), wirken oft frühestens nach zwei Wochen. Zudem verschwindet der Schmerz meist nicht ganz. Wichtig: das Präparat bei Nebenwirkungen wie Müdigkeit oder Schwindel nicht sofort absetzen. Solche Symptome treten häufig zu Beginn auf und klingen dann ab. Bessern sich die Beschwerden nicht, sollte man sich an einen Schmerz-Experten wenden.

"Vitamin B kann geschädigte Nerven reparieren"

Vielleicht. Möglicherweise können Präparate mit Benfotiamin, einer fettlöslichen Form des Vitamins B1, den Stoffwechsel der Nerven günstig beeinflussen und so die Symp­tome eines Nervenschadens lindern. Das gilt auch für Präparate mit Alpha-Liponsäure. Eindeutig belegt ist die Wirkung beider Medikamente jedoch nicht. Wer die Präparate ausprobieren möchte, bekommt sie rezeptfrei in der Apotheke. Die Kassen zahlen nicht.

"Fußgymnastik hilft"

Richtig. Um zum Beispiel Symptome wie Kribbeln in den Füßen zu lindern, können Fußgymnastik-Übungen durchaus hilfreich sein, so die Erfahrung von Diabetologe Ludger Rose. Etwa Ferse und Vorfuß abwechselnd anzuheben und wieder aufzusetzen oder die Zehen wiederholt zu spreizen, so weit es geht.

"Die Untersuchung dauert lange und ist unangenehm"

Falsch. "Ein Nervenschaden lässt sich in ein paar Minuten feststellen", sagt Experte Rose. ­Dazu testet der Arzt zum Beispiel das Vibrations-, Temperatur- und ­Berührungsempfinden an den Füßen. Das ist weder schmerzhaft noch unangenehm.

"Elektrotherapie kann helfen"

Richtig. Transkutane elektrische Nerven­stimulation (TENS) und Hochton­­therapie können die Symptome lindern. Vermutlich beeinflussen diese Elektrotherapie-Verfahren die Wahrnehmung von Schmerzimpulsen. Die Krankenkassen zahlen bislang nur eine verordnete TENS-Behandlung. Die Hochtontherapie bieten einige Ärzte als IGe-Leistung an. Man kann auch ein Gerät für zu Hause erwerben – was sinnvoll ist, wenn man bei regelmäßiger Anwendung in der Praxis gute Erfahrungen damit gemacht hat.

"Alkohol beruhigt die Nerven"

Falsch. Ein Glas Wein oder Bier mag vielleicht vorübergehend von den Schmerzen ablenken. Auf Dauer überwiegen aber die Nachteile. Denn Alkohol schädigt die Nerven – weswegen auch viele Alkoholiker an einer Neuropathie leiden. Ähnlich schädlich ist Rauchen. Es beeinträchtigt die Durchblutung der Nerven, sodass diese schlechter mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt werden.

"Die Nerven sollten alle paar Jahre untersucht werden"

Falsch. Bei Diabetes sollte man mindes­tens jährlich zum Nervencheck. Nervenschäden können dazu führen, dass Verletzungen am Fuß unbemerkt bleiben. Dann können sich schlecht heilende Wunden entwickeln, vor allem bei gestörter Durchblutung. Schlimmstenfalls droht eine Amputation.


Folgeerkrankung:

Nervenzellen

Diabetische Neuropathie »

Nervenschäden sind häufige Folgen eines Diabetes. Die Therapie zielt darauf ab, ein Fortschreiten zu vermeiden und Schmerzen zu lindern »


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