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Gute Aussichten für Nierenkranke

Risikopatienten mit Nierenversagen haben in Deutschland offenbar bessere Überlebenschancen als in den USA


Nierentransplantation: Das transplantierte Organ wird an die Bauchgefäße angeschlossen. Der Harnleiter verbindet die neue Niere mit der Harnblase

Nierenversagen zählt zu den bedrohlichen Folgeerkrankungen eines langjährigen Diabetes. Die diabetische Nephropathie, eine Schädigung der Nieren durch dauerhaft erhöhte Blutzuckerwerte, ist eine der häufigsten Ursachen der Niereninsuffizienz.

Berliner Wissenschaftler haben jetzt gute Nachrichten für deutsche Nierenpatienten: Bei schweren Fällen von Nierenversagen funktioniert die medizinische Versorgung in Deutschland offenbar besser als in den USA. Patienten, die ein erhöhtes Risiko für Abstoßungsreaktionen aufweisen, haben hierzulande vor und nach Transplantation einer neuen Niere bessere Überlebenschancen.

Die Gründe hierfür sehen die Forscher nicht nur in der besseren Qualität der Dialyse in Deutschland, sondern vor allem in dem sehr gut funktionierenden europäischen Organvergabesystem, mit dessen Hilfe die Daten von Organspendern und Empfängern erfasst, analysiert und die Spenderorgane so optimal an die passenden Patienten zugeteilt werden. Wissenschaftler der Charité – Universitätsmedizin Berlin haben die Ergebnisse ihrer Studie im "New England Journal of Medicine" veröffentlicht.

Immunreaktion erhöht Abstoßungsrisiko

Einige Menschen auf der Warteliste für eine neue Niere leiden unter einer so genannten HLA-Sensibilisierung. Dies kann nach Schwangerschaften oder bei Empfängern von Blutspenden auftreten. Dabei werden im Blut Antikörper gegen Gewebemerkmale gebildet, die es dem Körper erschweren, Transplantate von bestimmten Spendern zu akzeptieren.

Eine HLA-Sensibilisierung vermindert die Chancen, für Patienten mit Niereninsuffizienz ein geeignetes Spenderorgan zu finden – die transplantierten Organe werden dann besonders häufig abgestoßen. Durch einen Austausch des Blutplasmas (Plasmapherese) können die Antikörper im Blut HLA- sensibilisierter Patienten zwar entfernt werden. Doch 20 Prozent der Patienten, die in US-Kliniken so behandelt wurden, starben innerhalb von fünf Jahren nach der Transplantation.

Aufwendige Suche nach dem besten Spenderorgan

Im Vergleich dazu zeigen die Daten an der Berliner Charité, dass auch ohne Plasmapherese nach fünf Jahren etwa 90 Prozent der Transplantatempfänger mit ähnlichen demografischen Daten überlebt haben. Verfahren wie das "acceptable mismatch program" in Europa, bei dem in einem aufwendigen Verfahren der jeweils beste Spender für die sensibilisierten Patienten auf der Warteliste gesucht wird, seien für Risikopatienten wesentlich besser geeignet als eine Plasmapherese, glaubt Prof. Klemens Budde, Oberarzt der Medizinischen Klinik am Campus Charité Mitte. Durch die bessere Gewebeübereinstimmung sei eine weniger starke Unterdrückung des Immunsystems ausreichend, woraus weniger Nebenwirkungen resultieren.

Auch ein Blick zu den Dialysepatienten auf der Warteliste zeigt eine bessere Versorgung in Deutschland. In dieser Gruppe verstarben 34 Prozent der US-Patienten innerhalb von fünf Jahren. Von den Dialyse-Patienten auf der Warteliste der Charité lebten nach fünf Jahren noch etwa 90 Prozent.



www.diabetes-ratgeber.net; 05.12.2011, aktualisiert am 06.12.2011
Bildnachweis: W&B/Ulrike Möhle

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