2016: Mehr Geld für die Pflege daheim

Pflegebedürftige bekommen seit Januar mehr Geld aus der Pflegekasse. Welche Leistungen gibt es?

von Daniela Pichleritsch, aktualisiert am 11.01.2016

Wer Angehörige zu Hause betreut oder betreuen lässt, erhält Unterstützung vom Staat

iStock/denm1974

Hierzulande werden über 1,25 Millionen Menschen von Angehörigen zu Hause gepflegt. Was nicht nur psychisch, sondern auch finanziell oft eine große Belastung ist – etwa wenn eine Tochter ihren Job kündigt, um die pflegebedürftige Mutter rund um die Uhr versorgen zu können.

Um diese Situation zu verbessern, wurden die Leistungen der Pflegekassen Anfang des Jahres etwas aufgestockt. Neu ist zum Beispiel, dass für die vorübergehende Betreuung in einer Tagespflegeeinrichtung gezahlt wird, ohne dass sich das Pflegegeld verringert. So können pflegende Angehörige sich leichter einmal eine "Auszeit" nehmen. Hier finden Sie eine Übersicht darüber, welche finanzielle Unterstützung es für die Pflege daheim sonst noch gibt.

Fachliche Beratung: Catharina Hansen, Verbraucherzentrale NRW

Pflegegeld & Pflegesachleistungen 2016

Was ist das? Pflegegeld gibt es, wenn Angehörige oder Bekannte die Pflege übernehmen, Sachleistungen, wenn man von einem Pflegedienst betreut wird.

Wie viel Geld gibt es? Pflegebedürftigen steht entweder ein monatliches Pflegegeld zwischen 123 Euro bei Pflegestufe 0 und 728 Euro bei Pflegestufe  3 zu. Alternativ Sachleis­tungen zwischen 231 Euro bei Pflegestufe 0 und 1612 Euro bei Pflegestufe 3, in Härtefällen: 1995 Euro. Pflegegeld und Sachleistung sind kombinierbar.

Beispiel: Bei Pflegestufe 1 gibt es 468 Euro Sachleistung oder 244 Euro Pflegegeld. Verbraucht man von der Sachleistung nur die Hälfte, gibt es noch 122 Euro Pflegegeld.


Tages- und Nachtpflege

Was ist das? Der Pflegebedürftige verbringt den Tag oder die Nacht in einer Pflegeeinrichtung. So können sich Angehörige einen oder mehrere Tage pro Woche "freinehmen".

Wie viel Geld gibt es? Je nach Pflegestufe 231 bis 1612 Euro monatlich zusätzlich zu Pflegegeld oder Sachleistung.

Verhinderungs-/Ersatzpflege

Was ist das? Die Pflegekasse zahlt vorübergehend eine Aushilfe, wenn Angehörige oder ehrenamtliche Helfer Urlaub machen oder krank werden. Voraussetzung: Diese haben den Pflegebedürftigen mindestens sechs Monate zu Hause betreut. Der Ersatz kann eine Pflegekraft sein, aber auch ein Nachbar. Die entstandenen Kosten sind gegenüber der Kasse nachzuweisen.

Wie viel Geld gibt es? Unabhängig von der Pflegestufe 1612 Euro für bis zu sechs Wochen pro Kalenderjahr. Dazu kommen bis zu 806 Euro, falls man bei der Kurzzeitpflege höchstens den halben Betrag beansprucht. Übernimmt ein naher Angehöriger, etwa Tochter oder Schwager, die Ersatzpflege, gibt es den 1,5-fachen Betrag des Pflegegeldes.

Kurzzeitpflege

Was ist das? Unter Kurzzeitpflege versteht man die vorübergehende Betreuung in einem Heim, etwa wenn die Wohnung pflegegerecht umgebaut wird, sich der Gesundheitszustand plötzlich verschlechtert hat oder wenn der Pflegedienst überraschend ausfällt.

Wie viel Geld gibt es? Unabhängig von der Pflegestufe 1612 Euro für bis zu vier Wochen pro Kalenderjahr. Der nicht verbrauchte Betrag für Verhinderungspflege (links) lässt sich für Leistungen der Kurzzeitpflege verwenden. Dadurch gibt es maximal 3224 Euro für bis zu acht  Wochen.

Pflegehilfsmittel

Was ist das? Zum Verbrauch bestimmte Pflegehilfsmittel sind zum Beispiel Einmal-Betteinlagen, Einmal-Handschuhe oder Desinfektionsmittel. Zu den technischen Hilfsmitteln zählen zum Beispiel Pflegebett, Bade­wannenlifter, Pflegerollstuhl oder Lagerungskissen.

Wie viel Geld gibt es? Unabhängig von der Pflegestufe gibt es für zum Verbrauch bestimmte Hilfsmittel pro Monat 40 Euro. Technische Hilfsmittel, etwa ein Pflegebett, werden meist von der Pflegekasse kostenlos verliehen. In Einzelfällen übernimmt die Kasse die Miete für ein Hausnotrufsystem.

Betreuungs- und Entlastungs­angebote

Was ist das? Zum Beispiel die Betreuung durch ehrenamtliche Helfer oder die Entlastung im Haushalt durch eine Reinigungskraft. Welche Angebote man nutzen kann, wissen Pflegekassen und -stützpunkte. Meistens tritt man in Vorkasse und reicht die Rechnung ein.

Wie viel Geld gibt es? Je nach Betreuungsbedarf 104 oder 208 Euro im Monat. Unverbrauchte Beträge lassen sich bis zum 30. Juni des Folgejahres ansparen. Wer den Anspruch auf Sachleis­tungen nicht ausschöpft, kann bis zu 40 Prozent für Betreuungs- und Entlas­tungsangebote verwenden.

Wohnumfeld-verbessernde Maßnahmen

Was ist das? Wohnumfeld-verbessernde Maßnahmen sind Veränderungen im häuslichen Umfeld, die nötig sind, um weiter daheim leben zu können, etwa ein Treppenlift.

Wie viel Geld gibt es? Unabhängig von der Pflegestufe bis zu 4000 Euro pro Maßnahme (bis zu 16. 000 Euro, wenn mehrere Pflegebedürftige zusammenwohnen). Die Pflegekasse muss die Umbauten zuvor genehmigen.

Behandlungspflege

Was ist das? Behandlungspflege ist die Hilfe bei der Behandlung einer Krankheit durch den Pflegedienst. Zum Beispiel: Insulin spritzen, Blutzucker messen, Verbände wechseln. Behandlungspflege wird vom Arzt verordnet und von der Krankenkasse bezahlt.

Wie viel Geld gibt es? Pro Verordnung muss man zehn Euro Zuzahlung leis­­ten und zehn Prozent der Kosten übernehmen – allerdings für höchs­tens vier Wochen im Jahr. Tipp: Bei Dauerverordnungen, etwa für Insulingaben, sollte der Arzt einen möglichst langen Zeitraum in die Verordnung eintragen, zum Beispiel gleich zwölf Monate.

Weitere Leistungen

Wohngruppen: Wer mit mindestens zwei weiteren Pflegebedürftigen in einer ambulant betreuten Wohngruppe lebt, bekommt 205 Euro monatlich als Extraleistung, etwa für eine Haus­halts­h­ilfe. Für die Gründung einer Pflege-WG gibt es bis 2500 Euro Zuschuss (maximal 10.000 Euro pro WG).

Aus- oder Teilzeit: Für Berufstätige, die einen Angehörigen pflegen, gibt es mehrere Entlastungsmöglichkeiten. So kann man etwa seine Arbeitszeit für bis zu 24 Monate auf bis zu 15 Stunden verringern oder sich bis zu sechs Monate freistellen lassen. In beiden Fällen erhält man ein zinsloses Darlehen.

Hilfe zur Pflege: Die Pflegekasse übernimmt nur einen Teil der Pflegekos­ten. Wer den Rest nicht aufbringen kann, dem hilft das Sozialamt.

Steuererleichterungen: Nicht erstattete Pflegekosten können eventuell
von der Steuer abgesetzt werden. Tipp: Steuerberater oder Lohnsteuerhilfeverein fragen.

Beratung: Pflegebedürftige haben Anspruch auf eine Beratung durch die Pflegekasse, auch daheim. Diese bietet auch kostenlose Pflegekurse für Angehörige.


Mehr Informationen

  • Bundesgesundheitsministerium
    Internet: www.bmg.bund.de
    Bürgertelefon: 030/340 60 66 02 (Mo bis Do 8 bis 18 Uhr, Fr 8 bis 12 Uhr)
  • Bundesfamilienministerium
    Internet: www.wege-zur-pflege.de
    Pflegetelefon:  030/201 791 31 (Mo bis Do 9 bis 18 Uhr)
  • Pflegedienstsuche und Planer zur Ermittlung von Pflegebedarf und Kosten
    Internet: www.weisse-liste.de
  • Adressen von Pflegestützpunkten
    Internet: www.bdb.zqp.de
  • Buchtipp: "Pflege zu Hause organisieren", Verbraucherzentrale NRW,
    9,90 Euro

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