Manche neu diagnostizierten Diabetiker krempeln scheinbar mühelos ihren Lebensstil um, werden aktiv und ernähren sich vernünftig
Ein sicherer Weg zum Misserfolg sind beste Vorsätze. Je dringlicher und höher das Ziel, desto größer der Frust, wenn der Veränderungs-Elan verfliegt und wir es uns in unseren Gewohnheiten gemütlich machen wie auf Omas Couch. Zur Chipstüte greifen, die Füße hochlegen und das Blutzuckermessen ein bisschen lässiger angehen. Warum passiert uns das immer wieder? Wir sind doch hoch motiviert, den Lebensstil zu ändern, um gesund alt zu werden. Denn wir wissen, was wir tun müssten, um gesünder zu leben.
Leider tun wir nur selten, was wir wissen. Bei manchen aber klappt es mit der Lebensstiländerung scheinbar mühelos. Kaum deutet der Arzt an, dass der Typ-2-Diabetes mit ein paar Kilo weniger sich deutlich bessern würde, schon krempeln sie ihr Leben um. Melden sich im Fitness-Studio an, machen um Schokolade einen Bogen. Und schreiben vielleicht sogar ein Buch über ihre Metamorphose zum Vorzeige-Diabetiker. Was ist das Geheimnis der Erfolgreichen? Liegt es in den Genen, ob einer aus eigener Kraft sein Leben ändern kann? "Die Weichen werden früh gestellt", sagt Motivations-Forscher Professor Hans Markowitsch von der Universität Bielefeld.
Die Kindheit prägt für das spätere Leben
"Wir lernen in der Kindheit, wie wir uns später in schwierigen Situationen verhalten. Wenn es etwa darum geht, schädliche Gewohnheiten aufgeben zu müssen." Im Idealfall erlebt ein Kind, dass es immer attraktive Alternativen gibt: Fällt ein geplanter Ausflug ins Wasser, spiele ich eben mit den Nachbarkindern Fußball, das macht genauso viel Spaß. Solche erlebten Handlungsspielräume prägen: Als Erwachsener lässt man sich dann leichter auf Veränderungen ein, etwa mit dem Rad statt dem Auto zur Arbeit zu fahren, Mittelmeerküche auszuprobieren, obwohl zu Hause deftig gekocht wurde. Mit Neugier Neues auszuprobieren ist das Erbe einer gelungenen Kindheit.
Wer als Kind keine attraktiven Handlungsalternativen kennengelernt hat, für jeden kleinen Fehler streng zurechtgewiesen wurde, tut sich später schwer, in einer Krise aktiv zu handeln und ein Ziel langfristig zu verfolgen. Psychologen nennen das "erlernte Hilflosigkeit". Sie führt dazu, dass man neue Aufgaben nicht als Herausforderung, sondern als Bedrohung empfindet und schnell aufgibt, nach dem Motto: "Das schaffe ich sowieso nicht, also kann ich es auch gleich bleiben lassen."
Birgit Ruf / Diabetes Ratgeber;
13.05.2009, aktualisiert am 04.11.2010
Bildnachweis: iStock/dra/schwarz
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