Die acht nervigsten Diabetes-Sprüche

Manche Bemerkungen seiner Mitmenschen kann man einfach nicht mehr hören, wenn man Diabetes hat. Die Hitparade der acht schrecklichsten Sprüche – und wie Sie jeweils schlagfertig antworten
von Tina Haase, aktualisiert am 22.12.2016

"Wie, du darfst das?" Ja, auch bei Diabetes darf man Schokolade essen

Fotolia/Knut Wiarda

1. "Wieso spritzen? Meine Oma nimmt Tabletten"

Bei diesem Spruch platzt so manchem Typ-1-Diabetiker der Kragen. Hier bleibt nichts übrig, als geduldig zu erklären, dass die Oma wohl Typ-2-Diabetes hat, bei dem Tabletten ausreichen können. Typ 1 dagegen muss man lebenslang mit Insulin behandeln.

2. "Diabetes ist doch ansteckend"

Klar, Diabetes verbreitet sich rasch. Da könnte man schon auf die Idee kommen, dass er ansteckend ist wie ein Schnupfen. Ist er aber nicht. Sowohl Typ-1- als auch Typ-2-Diabetes sind nicht infektiös, also nicht übertragbar.

Diabetes ist eine Stoffwechselkrankheit. Bei Typ-1-Diabetes zerstört das Immunsystem die insulinproduzierenden Zellen in der Bauchspeicheldrüse. Am Typ 2, der viel häufiger ist, sind unter anderem die Gene schuld – Übergewicht und Bewegungsmangel spielen aber als Auslöser eine wichtige Rolle.


3. "Ist das ein GPS?"

Wer eine Insulinpumpe trägt, gerät fast automatisch in seltsame Situationen. "Muss denn das Kind schon ein Handy haben?", bekommen Eltern zu hören. Oder: "Kommt da Musik raus?" Auch ein Klassiker: "Ist das ein GPS?" Gemeint ist ein globales Positionsbestimmungssystem. Wie soll man da reagieren? Natürlich erklären, dass es sich um eine Insulinpumpe handelt. So mancher Typ-1-Diabetiker kann die Sprüche aber nicht mehr hören und antwortet einfach: "Das ist für meinen Bewährungshelfer. Der weiß dann immer, wo ich bin."

4. "Iiiiih ... ich kann kein Blut sehen!"

Ziemlich unsensibel. Schließlich macht es niemandem Spaß, sich zum Messen ständig in die Finger zu piksen. Deshalb kann man cool antworten: "Schau doch einfach weg!" Diabetiker brauchen sich nicht zu verstecken. "Sie sollten selbstbewusst mit ihrer Therapie umgehen, die ja lebensnotwendig ist", rät Psychodiabetologe Béla Bartus von der Filderklinik bei Stuttgart. Dass man bei Tisch beim Messen und Spritzen Zurückhaltung übt, versteht sich von selbst. "Das kann problemlos unterhalb der Tischkante stattfinden", sagt Bartus.

5. "Du kannst echt froh sein, dass du nur Diabetes hast"

Auf diesen Satz antwortet man am besten: "Und du kannst echt froh sein, dass du keinen Diabetes hast!" Der Spruch beruhe ganz klar auf einem Mangel an Informationen, so Diplompsychologe Béla Bartus. Er sagt: "Diabetes ist keine ,Nur-Krankheit’, sondern erfordert ständige Aufmerksamkeit." Diabetes erscheint für viele Nicht-Betroffene weniger dramatisch als andere Krankheiten, weil Betroffene vieles selbst machen, etwa Blutzucker messen und Insulin spritzen. Und dabei oft ziemlich souverän wirken. Dennoch erfordert eine gute Blutzuckereinstellung, die ja lebensnotwendig ist, viel Disziplin und Wissen. Das kann man seiner Umwelt ruhig mal erklären.

6. "Der kleine Junge bitte zur Sprengstoffkontrolle"

Kein Grund zur Sorge, wenn man diese Aussage am Flughafen hört. "Die Sicherheitsleute kontrollieren Handgepäck und Personen stichprobenartig auf Sprengstoffspuren", erklärt Frank Borchert, Sprecher des Bundespolizeipräsidiums in Potsdam. Manchmal prüfen sie eben auch Insulinpumpen, die am Körper getragen werden. Die Pumpe wird abgewischt und die so entnommene Probe in einem speziellen Apparat analysiert.

7. "Was, du darfst alles essen?"

Die Zeiten, in denen Typ-1-Diabetiker sich streng an einen Diätplan halten mussten, sind zum Glück vorbei. Sie können alles essen. Ja, auch Zucker! "Ab und zu ein Stückchen Schokolade oder Kuchen ist völlig okay", sagt Ernährungsberaterin Anika Bokelmann vom Diabeteszentrum am Kinderkrankenhaus auf der Bult in Hannover. Die Expertin empfiehlt eine ausgewogene Ernährung. Nur zuckerhaltige Getränke sind ungeeignet (Ausnahme: Unterzuckerung), weil sie den Blutzucker schnell in die Höhe treiben.

8. "Das liegt in der Familie, oder?"

Bei Typ-1-Diabetes spielen nicht nur die Gene, sondern vermutlich viele andere Faktoren eine Rolle. "Hat ein Elternteil Diabetes, liegt das Erkrankungsrisiko für das Kind bei etwa fünf Prozent", erklärt Diabetologe Professor Dr. Thomas Danne vom Kinderkrankenhaus auf der Bult in Hannover. "Sind Vater und Mutter erkrankt, steigt es auf mehr als 20 Prozent."



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