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Glück auf Rezept:
Wenn die Sonne durchbricht

"Ich war richtig glücklich, als nach einem nicht enden wollenden Regen die Sonne durchkam und ich in meinem Garten auf der Hollywoodschaukel saß"

Dr. Eckart von Hirschhausen, Arzt und Kabarettist

Dr. med. Eckart von Hirschhausen

Rosemarie Ü., (Leipzig): Ich war richtig glücklich, als ...

... nach einem nicht enden wollenden Regen die Sonne durchkam und ich in meinem Garten auf der Hollywoodschaukel saß

 

Liebe Rosemarie,


alle reden über das Wetter – ich jetzt auch. Warum fragen wir ständig danach, wie das Wetter wird? Weil wir wissen wollen, was aus uns wird, wie wir drauf sein werden. Denn an einer erschreckend banalen Tatsache kommen wir nicht vorbei: Unsere Stimmung hängt vom Wetter ab.

 

Trübe Gedanken und Wetterlagen gehören zusammen wie Hochdruckgebiet und Hochgefühl. Es ist eine kleine Beleidigung unseres Verstandes, dass die erhellendsten Einsichten uns nicht so beglücken können wie ein Sonnenstrahl. Nicht umsonst sagte Diogenes zum mächtigen Alexander, der den Philosophen in der Tonne nach einem Wunsch fragte: „Geh mir aus der Sonne!“


Depressive muss man immer daran erinnern, nicht aus dem Moment heraus zu verallgemeinern. Ihre momentane Gefühlslage ist eben eine Schieflage und kein Dauerzustand. Dass Glück vorbeigeht, ist sehr viel leichter zu akzeptieren, als dass Unglück vorbeigeht. Sind wir richtig im Tal der Tränen drin, wollen wir nicht wahrhaben, dass hinter den düsteren Wolken eine Sonne existiert, lieber ertrinken wir.


Ich werde nie vergessen, wie ich das erste Mal geflogen bin. Die Maschine startete im zugezogenen Berlin. Es wackelte in den Wolken, ich hatte mit dem Leben schon abgeschlossen, da brach über den Wolken plötzlich die Sonne hervor, strahlte mich an und brachte meine Angst zum Schmelzen.


Nicht jeder Mensch hat die Gabe, sich an einem Sonnenstrahl in der Hollywoodschaukel so zu erfreuen wie unsere heutige Lebenskünstlerin. Ich war einmal im Süddeutschen an einem strahlenden Frühlingstag im Wald spazieren. Es gab an diesem Moment wirklich so gar nichts zu meckern. Sehr vergnügt wandelte ich so vor mich hin, als mir eine Schwäbin entgegenkam. Ohne unnötig Worte zu machen sagte sie nur, mit Blick zum Himmel: „Fascht zu warm!"



Dr. Eckart von Hirschhausen / Diabetiker Ratgeber / GesundheitPro; 15.06.2009, aktualisiert am 26.06.2010
W&B/Bert Bostelmann

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