Diabetes: Was ist im Flugzeug zu beachten?

Ändert sich der Insulinbedarf im Flieger? Welche Rolle spielt die Zeitverschiebung? Und das Unterzuckerrisiko? Wir klären die wichtigsten Fragen
von Stephan Soutschek, aktualisiert am 12.05.2017

Langstreckenflug: Diabetiker müssen unter Umständen den Insulinbedarf anpassen

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Thailand, USA, Seychellen: Wer zu einer Reise aufbricht, steuert gerne auch weit entfernte Ziele an. Ein mehrstündiger Flug bedeutet für Menschen mit Diabetes, dass sie sich auch während dieser Zeit um ihre Therapie kümmern müssen. Gerade bei Fernreisen mit Zeitverschiebung kann der Stoffwechsel aus der Bahn geraten.

Vor dem ersten längeren Flug deshalb auf jeden Fall den Arzt aufsuchen. Dieser kann Tipps geben, wie der Patient seinen Blutzucker am besten einstellt sowie die Menge an Insulin oder Tabletten anpasst. Wer Pen, Messgerät oder Teststreifen im Handgepäck mitnimmt, muss ohnehin vorab zum Arzt und sich ein ärztliches Attest ausstellen lassen, das er bei der Sicherheitskontrolle am Flughafen vorweisen kann. Nur mit diesem Schriftstück erhält er die Erlaubnis, die Utensilien mit in den Flieger zu nehmen. Eine Vorlage zum Ausdrucken finden Sie hier. Erkundigen Sie sich generell bei der Fluggesellschaft immer nach den aktuell gültigen Sicherheitsbestimmungen.

Insulin auf längeren Flügen kühl lagern

Für die Reise sollten Sie mindestens die eineinhalbfache, besser doppelte Menge Ihrer für die Diabetes-Behandlung benötigten Ausrüstung mitnehmen. "Am besten eine Hälfte ins Handgepäck, die andere in den Koffer", rät Dr. Andreas Grasteit, Facharzt für Allgemein- und Tropenmedizin in Lübeck. So verlieren Sie im Zweifelsfall nur einen Teil.

Temperaturen über 30 Grad schaden Insulin. Deshalb sollte es im Handgepäck auf längeren Flügen gekühlt werden. Ideal ist eine handliche Kühltasche. Unter Umständen besteht die Möglichkeit, es im Kühlschrank der Bordküche zu lagern – erkundigen Sie sich bei der Fluggesellschaft. Als weitere Möglichkeit nennt Grasteit folgenden Tipp: Eine Thermosflasche vor der Reise mehrere Stunden offen in den Kühlschrank legen. Anschließend die Insulinpatronen in sie hineingeben. So bleiben sie ausreichend gekühlt, solange die Flasche nicht wiederholt geöffnet wird.

Zeitverschiebung: Insulinbedarf gegebenenfalls anpassen

Kurzflüge sind normalerweise unproblematisch. Auf längeren Strecken zwischen verschiedenen Zeitzonen kann sich aber der Insulinbedarf ändern: Wer Richtung Osten fliegt, für den wird der Tag kürzer. Er kann deshalb noch einen Überschuss vom lang wirkenden Insulin besitzen. Daher muss er möglicherweise eine geringere Menge kurz wirkendes Insulin spritzen, um seinen akuten Bedarf abzudecken. Wer nach Westen fliegt, benötigt dagegen tendenziell mehr Insulin.

Eine Faustregel: "Pro zwei Stunden Zeitverschiebung ändert sich der Insulinbedarf um etwa zehn Prozent", sagt Grasteit. Das heißt, für einen Flug nach New York mit sechs Stunden Zeitverschiebung zur mitteleuropäischen Zeit muss ein Diabetiker rund 30 Prozent mehr Insulin einplanen. Es handelt sich dabei nur um eine grobe Schätzung. Den Bedarf deshalb immer mit dem Arzt besprechen und mithilfe von Blutzuckermessungen überprüfen. Auf Reisen alle zwei bis drei Stunden die Werte bestimmen, um vor Überraschungen gefeit zu sein.

Risiko von Unterzuckerungen beachten

Es kann sinnvoll sein, während der Reise leicht erhöhte Blutzuckerwerte zu tolerieren, um Unterzuckerungen zu vermeiden. Am besten Traubenzucker als Plättchen oder in Gelform aus der Apotheke im Handgepäck für Notfälle bereit halten.

Das größte Risiko für Stoffwechselentgleisungen besteht auf Fernreisen aber nicht während des Flugs. "Sondern ein bis zwei Tage nach der Ankunft, vor allem nachts", weiß Grasteit. In dieser Zeit stellt sich nämlich, unter anderem durch den veränderten Schlafrhythmus, der Stoffwechsel um.

Allgemeinmediziner Grasteit empfiehlt, sich bei der Therapie am Urlaubsort nach den gewohnten Zeiten zu richten. Wer sein Basalinsulin also zu Hause immer um sieben Uhr morgens spritzt, sollte es im Urlaub ebenfalls um sieben Uhr Ortszeit anwenden. Die Werte dann gegebenenfalls mit kurz wirkendem Insulin korrigieren. Auch hier das Vorgehen im Voraus mit dem behandelnden Arzt besprechen.

Im Urlaub kann sich, bedingt durch veränderte Ess- und Trinkgewohnheiten sowie durch unbemerkten Flüssigkeitsverlust beim Schwitzen, der Insulinbedarf ändern. Lieber einmal zu oft als einmal zu wenig messen, um einer Stoffwechselentgleisung vorzubeugen.


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