Schlaganfall verhindern

Bei Diabetes ist das Risiko für einen Schlaganfall besonders hoch. Woran das liegt und welche Warnzeichen Sie erkennen sollten

Ein Patient mit Verdacht auf Schlaganfall bei der Untersuchung im Computertomografen

Bis heute erinnert sich Jochen E. an das erschrockene Gesicht seiner Frau. Dabei hatte er sich nur über den blöden Hemdknopf beschwert, der sich partout nicht schließen lassen wollte. Doch was über seine Lippen kam, war nur ein unverständliches Lallen. „Zufällig hat im gleichen Moment meine Schwägerin angerufen“, sagt der 72-jährige Typ-2-Diabetiker. Als meine Frau ihr erzählte, dass ich wie ein Betrunkener rede, hat sie sofort gesagt, das könne ein Schlaganfall sein und wir sollen den Notarzt rufen.“

 

Schon eine halbe Stunde später, da lag Jochen E. bereits in einem Krankenwagen, ging es ihm besser. Seine Aussprache war wieder deutlich, die Kraft in seinen Fingern, die eben noch an einem simplen Hemdknopf gescheitert waren, kehrte zurück. Trotzdem legten die Ärzte ihn auf die Intensivstation. Eine Ultraschalluntersuchung ergab, dass seine linke Halsschlagader von Kalkablagerungen fast verschlossen war. „Das bedeutete, dass es nur eine Frage der Zeit war, bis ich einen schweren Schlaganfall bekomme“, sagt der ehemalige Vertriebsleiter. Deshalb stimmte er auch sofort zu, als ihm die Ärzte zu einer Operation rieten.

Klassische Risikofaktoren: Diabetes, Bluthochdruck, Rauchen, Übergewicht

 

Vier Jahre ist das jetzt her. Seit dem Eingriff, bei dem seine Halsschlagader „ausgeputzt“ wurde, wie Jochen E. erzählt, geht es ihm gut. Dafür, dass es so bleibt, tut er einiges: „Ich habe aufgehört zu rauchen, fast elf Kilo abgenommen, und meine Blutdrucktabletten, die nehme ich jetzt auch regelmäßig!“

 

Für Professor Diethelm Tschöpe, Internist und Direktor des Herz- und Diabeteszentrums NRW in Bad Oeynhausen, ist E. ein „typischer Fall“. Einerseits. Denn der Mann hat Diabetes, Bluthochdruck, war starker Raucher und übergewichtig. „Das sind die klassischen Risikofaktoren für einen Schlaganfall oder Herzinfarkt“, so Tschöpe. Schon Diabetes alleine kann die Wahrscheinlichkeit für einen Schlaganfall vervierfachen. Kommt ein ausgeprägter Bluthochdruck dazu, verzehnfacht sich das Risiko sogar. Denn hoher Blutzucker, hoher Blutdruck, Nikotin – all das greift die Gefäße an, fördert Kalkablagerungen und Durchblutungsstörungen.

 

Ein „untypischer“ Fall ist der Senior für den Arzt jedoch auch – aus anderem Grund: „Nur die wenigsten Betroffenen holen so schnell Hilfe, wenn sich ein Schlaganfall ankündigt“, sagt Tschöpe. „Und das hat oft fatale Folgen.“