Anmelden | Registrieren
Drucken

So hilft der Arzt bei Verdacht auf Schlaganfall

"Zeit ist Hirn", sagen Schlaganfall-Spezialisten. Denn je eher die Behandlung beginnt, desto besser sind die Chancen, den Schlaganfall abzuwenden


Die Computertomographie hilft zu klären, welche Ursache der Schlaganfall hat. Davon hängt die weitere Therapie ab

Je schneller die Behandlung des Schlaganfalls beginnt, desto besser sind die Chancen, bleibende Behinderungen zu verringern oder ganz zu verhindern.

Nach der Erstversorgung bringt der Notarzt den Patienten in eine für die Behandlung von Schlaganfall-Patienten geeignete Klinik. Im Idealfall verfügt diese über eine "Schlaganfall-Einheit" (englich: Stroke Unit). Dort wird zunächst eine Computertomographie (CT) des Gehirns gemacht. Die Untersuchung dauert etwa fünf Minuten und zeigt, ob eine Gehirnblutung die Ursache des Schlaganfalls ist. Dies ist entscheidend für die Wahl der Therapie: Ein Schlaganfall infolge einer Durchblutungsstörung muss völlig anders behandelt werden, als ein durch eine Gehirnblutung bedingter Schlaganfall.

Thrombolysebehandlung nur in den ersten Stunden möglich

Wenn der Schlaganfall durch ein Blutgerinnsel verursacht wurde, das ein Gefäß verstopft, kann der Arzt versuchen, dieses Gerinnsel gezielt aufzulösen. Voraussetzung für den Erfolg einer Thrombolyse-Therapie ist, dass sie innerhalb von drei Stunden nach Auftreten der ersten Symptome erfolgt (neuere Studien zeigen, dass auch eine gewisse Zeit danach noch Erfolge erzielbar sein können).

Für die Thrombolysebehandlung werden Medikamente verabreicht, die das Gerinnsel auflösen (zum Beispiel das Enzym Urokinase) sowie Medikamente, die körpereigende Gerinnsel-auflösendene Substanzen aktivieren (rtPA, Recombinant Tissue Plaminogen Activator).

Das Medikament wird normalerweise in eine Vene gespritzt oder, in Einzelfällen, mit einer Sonde durch das Blutgefäßsystem bis an die Stelle des Verschlusses geschoben und gezielt dorthin gespritzt.

Die Thrombolysetherapie hat den Nachteil, dass sie das Blutungsrisiko im gesamten Körper erhöht. Deshalb kann sie beispielsweise nicht eingesetzt werden, wenn ein Patient kurz vor dem Schlaganfall operiert wurde, ein blutendes Magengeschwür hat oder wenn der Schlaganfall sehr ausgedehnt ist – dann besteht die Gefahr, dass es zu Einblutungen in das geschädigte Gehirngewebe kommt.


Ist eine Thrombolysebehandlung nicht möglich – aber auch parallel zu einer Thrombolysebehandlung – werden weitere Therapien durchgeführt, die das Ziel haben, ein Fortschreiten des Schlaganfalls zu verhindern und die Gehirnschädigung so gering wie möglich zu halten.

Dazu zählen beispielsweise:

  • Gabe von Sauerstoff (über Nasensonde oder Atemmaske), um die Versorgung des Gehirns mit Sauerstoff zu optimieren
  • Überwachung des Blutdrucks und Anpassung der Blutdruckwerte an den Bedarf des Patienten (z.B. darf der Blutdruck bei Schlaganfall-Patienten mit bekanntem Bluthochdruck etwas höher sein, um das Gehirn ausreichend mit Blut zu versorgen, als bei Patienten ohne bekannten Bluthochdruck. Bei einer Thrombolysetherapie müsssen allzu hohe Werte vermieden werden, um die Blutungsgefahr zu verringern).
  • Überwachung und Behandlung des Blutzuckerspiegels. Sowohl Unterzuckerungen (Hypoglykämien) als auch Überzuckerungen (Hyperglykämien) können einen Schlaganfall ungünstig beeinflussen.
  • Überwachung der Körpertemperatur und gegebenenfalls Senkung erhöhter Temperatur, da erhöhte Temperatur sich möglicherweise ungünstig auf den Verlauf eines Schlaganfalls auswirkt.
  • Wenn keine Thrombolysetherapie erfolgt: Gabe von blutgerinnungshemmenden Medikamenten (v.a. ASS, Acetylsalicylsäure)

Nach einem Schlaganfall ist das Risiko erhöht, eine Beinvenenthrombose zu bekommen. Um das zu vermeiden, bekommen die Patienten ein Medikament, dass der Thrombosebildung entgegenwirkt. Außerdem ist es wichtig, den Schlaganfall-Patienten – wenn sein Zustand es erlaubt – möglichst früh zu mobilisieren.

Eine der häufigsten Komplikationen kurz nach einem Schlaganfall sind Lungenentzündungen. Dazu kommt es unter anderem, weil infolge von Schluckstörungen Nahrungsteile in die Atemwege gelangen. Verhindern lassen sich Lungenentzündungen zum Teil durch das vorübergehende Legen einer Magensonde, außerdem ist es wichtig, bei Zeichen einer Lungenentzündung frühzeitig Antibiotika zu verabreichen.




Bildnachweis: W&B/Bert Bostelmann
  1. 1
  2. 2
  3. 3
  4. 4
  5. 5
  6. 6
  7. 7

www.diabetes-ratgeber.net; 26.08.2009, aktualisiert am 22.11.2010
Bildnachweis: W&B/Bert Bostelmann

Arzt suchen und bewerten

Finden Sie den Arzt, der zu Ihnen passt! Bei der Weissen Liste können Sie Mediziner suchen und bewerten »

Bluthochdruck

Die schleichende Gefahr

Bis zu 80 Prozent der Diabetiker haben erhöhten Blutdruck, der das Schlaganfall-Risiko erhöht  »

Aktuelles

Schützen Tomaten vor Schlaganfällen?

Der Stoff Lycopin in Tomaten soll das Schlaganfallrisiko senken »

Weniger Diabetiker sterben an Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Diabetiker bekommen die gefährlichen Folgen der Krankheit besser in den Griff »

© Wort & Bild Verlag Konradshöhe GmbH & Co. KG

Weitere Online-Angebote des Wort & Bild Verlages

Senioren Ratgeber mit Informationen rund um Krankheiten, Medikamente, gesund alt werden, altersgerechtes Wohnen, Pflege und Finanzen
Diabetes Ratgeber mit den Schwerpunkten Diabetes Typ 1 und Diabetes Typ 2: Symptome, Behandlung und Ernährung bei Zuckerkrankheit
Baby und Familie mit Themen rund um Schwangerschaft, Geburt, Vorsorge, Kinderkrankheiten, Homöopathie und Erziehung