Diabetes und Sex

Diabetes führt oft zu sexuellen Störungen und Problemen, die eine Partnerschaft belasten können. Verschiedene Therapien verhelfen wieder zu einem erfüllten Sexualleben

von Stephan Soutschek, aktualisiert am 22.03.2016

Paare sollten Sex-Probleme nicht zum Tabu machen, sondern offen über sie reden

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Eine erfüllte Sexualität hat viele Facetten. Die Partnerschaft muss stimmen, auch die Psyche spielt eine wesentliche Rolle. Darüber hinaus sind schlicht funktionstüchtige Geschlechtsorgane wichtig.

Männer und Frauen betroffen

Alle diese Faktoren können bei Diabetes beeinträchtigt sein. Sexualstörungen sind deshalb eine häufige Folge der Zuckerkrankheit. Betroffen sind sowohl Männer als auch Frauen.


Bei Männern sind Potenzprobleme häufig. Ärzte reden hier von einer "erektilen Dysfunktion". Frauen mit Diabetes klagen dagegen oft über Scheidentrockenheit und Orgasmusstörungen. Außerdem treten Infektionen im Genital- und Harnwegsbereich bei Diabetes häufiger auf.

Der Arzt weiß bei Sex-Problemen Rat

Wer ein entsprechendes Problem hat, sollte nicht zögern, seinen Arzt darauf anzusprechen. Zum einen gibt es in vielen Fällen gute Behandlungsmöglichkeiten, die Betroffenen wieder zu einem erfüllenden Sexualleben verhelfen.

Zum anderen können Sexualstörungen eine enorme psychische Belastung bedeuten. Diese erschwert den Alltag mit der chronischen Krankheit Diabetes zusätzlich. Vernachlässigen Betroffene darüber ihre Therapie, können die Zuckerwerte sich weiter verschlechtern und damit wiederum die Sex-Probleme – ein Teufelskreis.

Zu guter Letzt können zum Beispiel Erektionsprobleme ein Hinweis auf Gefäßschäden sein. Diese lassen sich bei Untersuchung der Sexualstörung quasi nebenbei entdecken. Wer seinen Problemen beim Sex nachgeht, kann damit unter Umständen noch schlimmeren Krankheiten wie einem Herzinfarkt rechtzeitig vorbeugen.


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nach oben1. Wie Diabetes die Lust trübt

Dauerhaft erhöhte Blutzuckerwerte bei einem Diabetes können Gefäße und Nerven schädigen. Das kann bei Männern wie bei Frauen zu sexuellen Störungen führen.

Ein nicht zu vernachlässigender Faktor bei beiden Geschlechtern ist die Psyche. Potenzstörung haben mitunter auch seelische Ursachen. Der Alltag mit Diabetes bedeutet für Betroffene oft eine beträchtliche psychische Belastung. So sind Menschen mit der Zuckerkrankheit überdurchschnittlich häufig von Depressionen betroffen, die wiederum die Lust an der Liebe rauben können.

Männer:

Damit ein Mann eine Erektion haben kann, ist ein Zusammenspiel von Nerven und Blutgefäßen notwendig: Die Arterien, die den Penis versorgen, weiten sich und leiten Blut in den Schwellkörper. Gleichzeitig wird der Blutabfluss gebremst – das Glied schwillt an und versteift. Verschiedene Teile des Nervensystems steuern diese Vorgänge.

Diabetes kann Ablagerungen in den Gefäßen begünstigen und damit die Durchblutung stören. Ein diabetischer Nervenschaden kann zudem die Empfindlichkeit des Penis beeinträchtigen. Bluthochdruck und erhöhte Blutfettwerte, die häufige Begleiter eines Diabetes sind, schädigen ebenfalls die Blutgefäße.

Daneben kann ein veränderter Hormonhaushalt – Männer mit Diabetes haben oft niedrigere Testosteronwerte – sich auf das sexuelle Empfinden auswirken. Zudem beeinträchtigen manche Medikamente die Erektionsfähigkeit. Dazu zählen bestimmte Blutdrucksenker. Wichtig: Diese Medikamente nicht einfach absetzen, sondern immer den Arzt darauf ansprechen und gemeinsam nach geeigneten Alternativen suchen.

Frauen:

Sexuelle Probleme, die sich infolge eines Diabetes bei Frauen entwickeln, sind sehr komplex. Sie entstehen eher schleichend. Hohe Zuckerspiegel und die dadurch bedingten Durchblutungsstörungen und Nervenschäden haben zur Folge, dass die Schleimhäute nicht mehr ausreichend anschwellen und feucht werden.

Frauen mit Diabetes klagen häufig über Scheidentrockenheit, Schmerzen beim Geschlechtsverkehr, Orgasmusprobleme und ein vermindertes sexuelles Verlangen. Zudem begünstigen schlechte Blutzuckerwerte Infektionen mit Pilzen oder Bakterien. So kann es zu Scheidenentzündungen kommen.


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nach oben2. Diagnose: So untersucht der Arzt Sexualstörungen

Erster Ansprechpartner für Frauen wie für Männer ist der Hausarzt oder Diabetologe. In der Regel wird der Mediziner Fragen zur Entwicklung der Beschwerden stellen und sich danach erkundigen, ob weitere Risikofaktoren wie Rauchen vorhanden sind.

Zudem wird er untersuchen, ob körperliche Ursachen der Sexualstörung zugrunde liegen, zum Beispiel Gefäß- oder Nervenschäden. Zusätzlich können je nach Bedarf weitere Untersuchungen folgen, etwa ein Schwellkörpertest bei Männern.

Einen Selbsttest für Männer und für Frauen, bei dem Patienten Hinweisen auf eine mögliche Sexualstörung nachgehen können, können Sie auf der Seite des Informationszentrums für Sexualität und Gesundheit ausfüllen. Wichtig: Die Fragebögen ersetzen nicht eine professionelle Diagnosestellung durch den Arzt.


nach oben3. Behandlung: Was bei Sex-Problemen hilft

Bei sexuellen Störungen gibt es eine Vielzahl von Behandlungsmöglichkeiten für Männer und Frauen. Leidet jemand unter einem Diabetes, ist zunächst eine gute Blutzuckereinstellung wichtig, gegebenenfalls in Kombination mit Abnehmen, mehr Bewegung und einem Verzicht auf Zigaretten.

Außerdem sollte der behandelnde Arzt prüfen, ob möglicherweise ein Medikament die Probleme verursacht. Die Umstellung auf ein anderes Präparat kann dann schnell zum Erfolg führen. Patienten sollten ihre Arzneimitteleinstellung aber nie selbstständig ändern.

Die Therapien für Männer reichen von Tabletten bis hin zur Operation. PDE-5-Hemmer bewirken, dass bei sexueller Erregung mehr Blut in die Schwellkörper strömt. Sie bessern nur die Erektionsfähigkeit, steigern nicht die Lust. Wegen möglicher Gegenanzeigen, vor allem bei Herzleiden, sollten Männer sich vor der Einnahme der verschreibungspflichtigen Medikamente gut von einem Arzt beraten lassen.

Ein mechanisches Hilfsmittel ist die Vakuumpumpe. Bei ihr ziehen Patienten vor dem Geschlechtsakt einen Kunststoffzylinder über den Penis. Bei der Schwellkörper-Autoinjektionstechnik (SKAT) wird ein gefäßerweiterndes Mittel in den Penis gespritzt. Eine weitere Möglichkeit ist ein Verfahren, bei dem eine Tablette in die Harnröhre gegeben wird, die den Blutfluss steigert (MUSE). Zudem stehen eine Hormonbehandlung und verschiedene Operationen zur Auswahl – zum Beispiel eine Penisprothese.

Bei Frauen gibt es je nach Ursache verschiedene Mittel. Hormonaltige Salben oder Zäpfchen können Probleme wie Scheidentrockenheit oder Schmerzen beim Sex bessern. Gleitcremes helfen, die Scheide zu befeuchten. Ein Beckenbodentraining kann die Durchblutung im Vaginalbereich fördern, auch Vaginaltrainer, sogenannte Dilatatoren kommen in bestimmten Fällen zum Einsatz.

Eine funktionierende Beziehung, in der beiden Seiten offen miteinander umgehen können, ist bei Männern wie bei Frauen förderlich für den Behandlungserfolg bei Sex-Störungen. Welche Therapieform zum Einsatz kommt, hängt letztlich auch von der Akzeptanz des Partners ab. Beeinträchtigen Probleme in der Beziehung, mit der Krankheitsbewältigung oder andere seelische Faktoren das sexuelle Verlangen, kann eine Psycho- oder Paartherapie helfen.




Bildnachweis: W&B/Fotolia, Digital Vision/RYF, Jupiter Images GmbH/Creatas

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