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Tischmanieren-Knigge

Es gibt keine zweite Chance für den ersten Eindruck. Gerade mit Tischmanieren kann man punkten. Hier unser Wegweiser für den guten Ton bei Tisch


Gute Manieren erleichtern das Zusammenleben

Darf man den Suppenteller kippen? Welches Besteck gehört zu welchem Gang? Wer sich in puncto Tischmanieren unsicher ist, für den kann eine Essenseinladung schnell zum Hürdenlauf werden. Diabetiker müssen sich noch dazu der Frage stellen, ob Blutzuckermessen oder Insulinspritzen bei Tisch angebracht sind. Benimm-Expertin Sabina Blecken rät zu Diskretion und empfiehlt, dafür die Toilette aufzusuchen. Ebenso zum Nachschminken oder zur Benutzung eines Zahnstochers – die vorgehaltene Hand genüge nicht, so die Hotelfachfrau und Betriebswirtin.

Besonders häufig beobachtet Sabina Blecken Fehler beim Umgang mit der Serviette: Beim Essen gehört sie einmal gefaltet auf den Schoß, sodass Mundabdrücke dezent in der Innenseite verschwinden. Steht man auf, bleibt sie locker zusammengelegt links neben dem Gedeck auf dem Tisch – und keinesfalls auf dem Stuhl.


Welches Besteck zu welchem Gang?

Besteck wird von außen nach innen eingedeckt, rechts die ­Messer, links die Gabeln. Das ­außen liegende Paar ist für die Vorspeise gedacht, mit jedem Gang arbeitet man sich weiter nach innen. „Auf dem Tisch liegt Besteck für maximal vier Gänge. Werden mehr Speisen serviert, decken die Kellner nach“, erklärt Blecken. Das Dessert­besteck liegt über dem Teller. Gläser stehen rechts oberhalb der Messer. Auch hier arbeitet man sich von außen nach innen vor. Rechts steht das Wasserglas, es folgen ein Glas für Weißwein und ein bauchigeres Glas für Rotwein. Stielgläser, meist für Wein und Sekt, sollten am Stiel angefasst werden.

Oft kommt auch Unsicherheit auf, wenn Brot und Butter gereicht werden. Hierfür stehen meist ein Extratellerchen und ein kleines Buttermesser bereit. „Man sollte sich das Brot nicht wie eine Stulle bestreichen“, empfiehlt Expertin Blecken. Das sogenannte Couvert-Brot wird in mundgerechte Happen gebrochen, Stück für Stück bestrichen und mit der linken Hand gegessen. Noch vor der Vorspeise wird oft ein „Amuse-Gueule“ serviert. Dieser kostenlose „Gruß aus der Küche“ wird nicht extra bestellt.

Suppe nicht schlürfen und Spaghetti richtig essen

„Echte Manieren-Minen sind Suppen“, warnt Blecken. Die Grundregeln: nicht pusten, nicht schlürfen, kein Brot eintunken und keinesfalls aus der Suppentasse trinken, selbst wenn sie Henkel hat! Den Teller beim Auslöffeln zu kippen zählt ebenfalls nicht zum guten Ton.

Auch der Zwischengang, häufig ein Pasta-Gericht, wartet mit Herausforderungen auf. „Spaghetti sollten mit der Gabel am Tellerrand gedreht und dann zum Mund geführt werden“, empfiehlt Sabina Blecken. Bevor die Hälfte auf dem Schoß landet, dürfen Sie aber einen Löffel zu Hilfe nehmen. Soßenreste mit einem Stück Brot aufzutunken ist beim „Italiener um die Ecke“ erlaubt, im Nobelrestaurant fehl am Platz. Apropos Missgeschicke: Gläser umstoßen, Kleckern, Verschlucken – fast jeder hat Angst vor peinlichen Patzern. „Keine Panik, so etwas kann jedem passieren“, beruhigt die Expertin und rät, sich zu entschuldigen, aber kein großes Aufheben um das Malheur zu machen.

Wenn Sie niesen müssen, wenden Sie sich ab und halten ein Taschentuch oder die linke Hand vor den Mund – denn mit der rechten schütteln Sie vielleicht noch jemandem die Hand.

Besteck: Bitte nicht den kleinen Finger abspreizen

Zeit für den Hauptgang nebst Salat: Ein guter Koch serviert die grünen Blätter in mundgerechten Stücken. Ist der Salat zu groß geschnitten, sollten Sie ihn mithilfe des Messers falten, aber nicht schneiden. Fisch, Fleisch und Beilagen nicht zerkleinern und mit der Gabel aufpicken. Jeder Bissen sollte extra geschnitten und auf die Gabel gehäuft werden. „Besteck sollte im unteren Drittel behutsam mit der ganzen Hand gegriffen werden, bitte keinen Finger abspreizen und auch nicht den Zeigefinger auf die Gabel legen“, sagt Blecken. Die „20-nach-4-Stellung“, also das Besteck schräg rechts auf den Teller gelegt, signalisiert dem Service-Personal, dass Sie fertig sind. Die „20-vor-4-Stellung“ ist das Zeichen, dass Sie nur eine Pause machen.


Radiobeitrag Tischmanieren



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Anstoßen nur mit Wein, Champagner oder Sekt

Übrigens: Die alte Regel, dass zu weißem Fleisch Weißwein und zu rotem Rotwein getrunken wird, ist überholt. Erlaubt ist, was schmeckt. „Zum ersten Schluck fordert jedoch allein der Gastgeber auf“, sagt die Expertin. Anstoßen sei nur mit Wein, Champagner oder Sekt angebracht, bei Volksfesten auch mit Bier. Wer keinen Alkohol will, darf übrigens, genau wie bei Speisen, ohne Angabe von Gründen höflich ablehnen. Gerade bei privaten Einladungen sollte man vorher ankündigen, wenn man bestimmte Gerichte nicht essen möchte. Das erleichtert dem Gastgeber die Speisenauswahl und trägt zu einem kulinarisch gelungenen Abend für alle Beteiligten bei.

„Bei einer privaten Essenseinladung gilt die Regel, dass sich die Gäste etwa eine halbe Stunde nach dem Essen bedanken und verabschieden“, so die Expertin. „Es sei denn, der Gastgeber lädt zu weiteren Getränken ein oder signalisiert, dass der Abend noch nicht zu Ende ist.“

Gute Manieren sind eine Frage der Höflichkeit

Weitere Fehltritte bei Tisch: auf dem Stuhl lümmeln, die Ellbogen auf dem Tisch abstützen oder den Mund zum Essen führen anstatt die Gabel zum Mund. Viele Menschen empfinden zudem Unpünktlichkeit und Drängeln am Buffet als unhöflich. Schmatzen oder mit vollem Mund sprechen ist sowieso tabu. Wer besonders umsichtig ist, stellt seinem Gegenüber darum keine Frage, wenn dieser gerade kaut.

Warum bedeuten Tischmanieren eigentlich so viel? „Selbst wenn Sie persönlich keinen großen Wert darauf legen, müssen Sie davon ausgehen, dass Manieren Ihren Tischnachbarn wichtig sind“, sagt Benimm-Trainerin Sabina Blecken. „Gute Umgangsformen erleichtern das Zusammenleben.“ Sich an die Etikette zu halten sei in vielen Situationen eine Frage der Höflichkeit und erzeuge Sympathie, ähnlich wie Toleranz, Taktgefühl und Rücksichtnahme. Der gute Ton bei Tisch: Er sollte nicht als das Festhalten an steifen Regeln begriffen werden. Sondern als die gemeinsame Basis für ein feines Essen und einen schönen Abend.




Bildnachweis: Digital Vision/RYF

Simone Herzner / Diabetes Ratgeber; 15.05.2012
Bildnachweis: Digital Vision/RYF

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