Versicherung: Das ist bei Diabetes wichtig

Menschen mit Diabetes sind keine attraktiven Kunden für Versicherungen. Wie Sie Ihre Chancen erhöhen, dennoch an die gewünschten Policen zu kommen

von Sabine Lotz, aktualisiert am 25.02.2016

Beratungsgespräch: Klauseln in Verträgen am besten zu Hause prüfen

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Ob gegen Invalidität, Unfälle oder Krankheit: Wer mit Diabetes eine Risikoversicherung abschließen will, muss oft einige Hürden überwinden. Und häufig auch mehr bezahlen – in Form von Risikozuschlägen, die bis zu 100 Prozent der normalen Versicherungsprämie betragen können. Doch nicht nur deshalb unbedingt das Kleingedruckte sorgfältig durchlesen: Sieht der Versicherungsvertrag beispielsweise eine Zahlung nur dann vor, wenn kein Zusammenhang zwischen Schadensfall und chronischer Krankheit besteht, bringt so eine Police dem Versicherten eher wenig.

Laut dem Stuttgarter Rechtsanwalt Oliver Ebert, Experte für Fragen rund um Diabetes und Recht, ist außerdem wichtig: Potenzielle Versicherungskunden sollten vor dem Unterschreiben eine Datenauskunft bei der Krankenkasse einholen. Dann prüfen, ob Sie die dort abgerechneten gesundheitlichen Probleme tatsächlich hatten und gegebenenfalls ändern lassen. Dahinter steckt Folgendes: Hat irgendein Arzt eine falsche Maßnahme abgerechnet oder fälschlich eine Krankheit angeführt, an welcher der Patient nicht wirklich litt, steht dies ohne Korrektur in den Daten wie ein Fakt aus der medizinischen Vorgeschichte. Das kann dazu führen, dass Sie im Schadensfalls leer ausgehen, weil die Versicherung sich darauf beruft, Sie hätten ein gesundheitliches Problem – das im Datensatz ja hinterlegt ist – beim Vertragsabschluss quasi verschwiegen. Der Betroffene fällt aus allen Wolken, die Versicherung spart Kosten.


Welche Versicherungen wichtig sind

Auch wenn Sie Versicherungen eher reserviert gegenüberstehen – mit Diabetes sollten Sie außer Kranken- und privater Haftpflichtversicherung am besten zusätzlich folgende Policen im Portfolio haben:

  • Rechtsschutz inklusive Verkehrs- und Arbeitsrechtsschutz: Mit ihnen können Sie Anwaltskosten beziehungsweise Gerichtskosten bei Streitigkeiten mit Unfallgegnern oder Arbeitgebern finanzieren. Ebenso in Widerspruchsverfahren gegen Ablehnungsbescheide etwa der Krankenkasse.
  • Berufsunfähigkeitsversicherung: Eine staatliche Rente gibt es nur noch für Berufsunfähige, die vor dem 2.1.1961 geboren sind. Die statt dessen mögliche Erwerbsminderungsrente ist finanziell keine echte Alternative. Sie mündet für Betroffene nicht selten in Hartz IV.

Berufsunfähigkeit: Mehrere Angebote einholen

Private Invaliditätsvorsorge ist also ein Muss. Erst recht für Menschen mit chronischer Krankheit. Doch ausgerechnet bei denen stellen sich die Versicherungsunternehmen gern quer. Tricksen ist aber keine Lösung: Wer seinen Diabetes beim Versicherungsabschluss verschweigt, riskiert, im Schadensfall auf den Kosten sitzen zu bleiben.

Am besten holen Verbraucher von mehreren Versicherungsunternehmen Angebote ein. Doch Vorsicht: Die Unternehmen tauschen sich untereinander aus! Durch einen abgelehnten Antrag wird man für andere Versicherer uninteressant, nach dem Motto: "Die werden schon gewusst haben, warum".

Jurist Ebert empfiehlt, bei mehreren Versicherungsunternehmen probeweise anonym eine Berufsunfähigkeitsversicherung zu beantragen: "Bei solchen anonymen Probeanträgen gibt man zwar wahrheitsgemäß vorhandene Risiken wie Diabetes an, lässt dafür aber die Felder für persönliche Daten leer. So können die Versicherer nichts speichern, was sie an andere Unternehmen weiterleiten könnten." Einen offiziellen Antrag – mit dem man dann auch in der Kartei des Versicherers landet – stellt man erst nach Prüfung der Rückläufe und dann gleichzeitig bei mehreren Versicherern.

Versicherungsberater oder -makler?

Alternativ können Sie einen unabhängigen Berater mit der Suche nach einer adäquaten Berufsunfähigkeitsversicherung beauftragen. Im Gegensatz zu Versicherungsmaklern bekommen Versicherungsberater keine Provision von Versicherungsunternehmen, sondern stellen ihre Leistung den Kunden in Rechnung. Die Honorarhöhe berechnet sich meist nach Stunden und kann individuell stark schwanken.

Einen solchen unabhängigen Versicherungsberater finden Sie zum Beispiel über den Bundesverband der Versicherungsberater e. V. (www.bvvb.de), mit Hilfe der Verbraucherzentralen oder über das Telefonbuch beziehungsweise Internet. Nützliche Adressen gibt es auch beim Bund der Versicherten (www.bundderversicherten.de).



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