8 mal Wissenswertes zu Thermalbädern

Das Planschen im warmen Wasser ist Balsam für Körper und Psyche. Aber wie gesund ist der Besuch in der Therme wirklich? Wir klären auf

von Birgit Ruf, aktualisiert am 07.03.2016

Das Bad im Warmen ist Wellness für Körper und Psyche

dpa Picture-Alliance GmbH/Patrick Pleul

1. Was heißt überhaupt "Thermalbad"?

"Hahn aufdrehen, warmes Wasser in die Badewanne laufen ­lassen, fertig ist das kleine, private Thermalbad", sagt Professor Dr. Dr. Jürgen Kleinschmidt, der in Bad Wörishofen die Anwendung von Thermal- und Heilwässern erforscht. Denn "Thermalbad" heißt ganz einfach: ein mit warmem Wasser gefülltes Becken. Der Vorteil öffentlicher Thermalbäder: Im Gegensatz zur heimischen Wanne kann man sich in Thermen ausgiebig bewegen, kann gegen Strömungen laufen, schwimmen, planschen – quasi Training, Erholung und Spaß in einem.

2. Warum ist Baden im warmen Wasser gesund?

Wer sich im Wasser bewegt, trainiert Muskeln und Kreislauf, ohne die Gelenke zu belasten: ein Vorteil bei Übergewicht oder Osteoporose. Und natürlich wirkt das Bad im warmen Wasser auch entspannend auf die Psyche. Thermalbäder mit eigenen Quellen, die Schwefel, Kohlensäure oder besonders viele Mineralstoffe enthalten, werben mit weiteren Gesundheitseffekten. "So steigert Kohlensäure die Durchblutung, Schwefelbäder lindern Hautprobleme oder Rheuma", sagt Dr. Johannes Naumann, Leiter des interdisziplinären Behandlungs- und Forschungszentrums Balneologie der Universitätsklinik Freiburg.


3. Darf ich mit Diabetes in die Therme?

"Natürlich", sagt Experte Naumann. "Bewegung in warmem Wasser kann sich auch positiv auf den Blutzucker auswirken." Thermalwasser-Neulinge sollten anfangs nur ein paar Minuten im Wasser bleiben und vor und nach dem Bad den Zucker messen. So bekommen sie ein Gefühl dafür, wie er reagiert. Für den Fall einer Unterzuckerung: Traubenzucker am Beckenrand deponieren. Wer Insulin spritzt oder Diabetestabletten (v. a. Sulfonylharnstoffe) einnimmt, bespricht vorher mit dem Arzt, ob die Dosis verringert werden sollte.

4. Was haben Thermen heute noch mit einer Kur zu tun?

Früher ging man in Orten wie Bad Füssing oder Bad Steben zur Badekur. Solche Kuren sind auch heute noch möglich. Zum Teil beinhalten sie auch ärztlich verordnete Wannenbäder, etwa mit Wasser, das schwach radioaktives Radongas, Schwefel oder Kohlensäure enthält. Diese Substanzen findet man auch im Wasser mancher öffentlicher Thermen, dort aber in geringeren Mengen. Heute sind Thermalbäder eher "Wasser-Landschaften" oder "Erlebnisbäder", in denen der Spaß im Vordergrund steht. 

5. Woher kommt das Wasser?

Thermalbäder gewinnen das Wasser in der Regel aus natürlichen Quellen in Tiefen von mehr als 1000 Metern. Ein Thermalbad, dessen Quellwasser mit mindestens 20 Grad aus der Erde sprudelt, darf mit dem Siegel "staatlich anerkanntes Thermalbad" werben, auch wenn das Wasser künstlich auf  Wohlfühltemperatur erwärmt wird. Die 54 Grad heiße Quelle in Bad Füssing wird dagegen auf 34 bis 36 Grad abgekühlt.

6. Welche Temperatur ist ideal?

Je aktiver man sich im Wasser bewegt, desto kühler soll das Wasser im Becken sein. Sportliche Schwimmer fühlen sich meist in kühlerem Wasser von etwa 24 Grad wohl und empfinden höhere Temperaturen eher als anstrengend. 34 bis 36 Grad warmes Wasser gilt als "thermoneutral", will heißen: Der Körper muss die Temperatur nicht ausgleichen. In solchem Wasser kann man längere Zeit gemütlich herumschwimmen, ohne zu frieren oder zu schwitzen.

7. Was steckt im Thermalwasser?

Quellwasser aus tiefen Bohrungen enthält meist viele Mineralstoffe wie Magnesium, Kalzium, Sulfate, Selen oder Jod, Kohlendioxid oder den nach faulen Eiern riechenden Schwefelwasserstoff. Sie sind bei genügend hohen Konzentrationen gesundheitsfördernd und helfen bei diversen Leiden.

Bei hohem Salzgehalt spricht man von Sole. Ist der Salzgehalt sehr hoch, kann man sich ins Wasser legen ohne unterzugehen oder zum Beispiel im Wasser schwebend die Zeitung lesen. Sole in hoher Konzentration hilft bei Hautproblemen, etwa Neurodermitis.

8. Wer sollte nicht im Thermalbad schwimmen?

Mit einer offenen Wunde sind öffentliche Wasserbecken tabu, auch wenn diese mit Chlor oder Ozon desinfiziert werden. Patienten mit Herz-Kreislauf-Problemen fragen sicherheitshalber vor einem Thermenbesuch den Arzt. Bei einer leichten Herzschwäche spricht in der Regel nichts gegen das Thermalbaden, sagt Internist Johannes Naumann.



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