Niemand hat ihn je gesehen – und doch kennt ihn jeder: Den Schweinehund, den inneren, der zuverlässig immer dann Laut gibt, wenn Bewegung droht: "Zu kalt", grunzt er dann mürrisch. "Zu glatt", kläfft er erst leise. "Schon wieder, waren doch erst vor zwei Wochen draußen", bellt er schließlich beschwörend, wenn der Blick zu den Sportschuhen wandert. Viele lassen sich von ihrem Schweinehund verführen, anstatt ihn zu schlagen.
Nicht so ich. Denn bislang hatte ich den Plagegeist immer wunderbar im Griff, im hintersten Winkel meiner Motivationsschatztruhe fristete er ein kärgliches Dasein. Nur, als auf dem Weg den Rhein entlang zur bitteren Kälte auch noch der eisige Nordostwind blies, winselte der Schweinehund erstmals wieder vernehmbar – und ich hörte auf ihn: Statt mit dem Rad die zehn Kilometer ins Studio zu fahren, um mich auf die Übungen vorzubereiten, nahm ich die Straßenbahn – und plötzlich war ich überaus dankbar, dass es Laufbänder, Fahrräder und Crosstrainer im schön beheizten Studio gibt, wo ich mein Aufwärmtraining vor dem Krafttraining absolvieren kann.
Aufwärmen, trainieren, entspannen
Wichtig ist dieses Aufwärmen, das gerne runde 20 Minuten dauern sollte, um den Kreislauf für die Übungen auf Touren zu bringen. Laufband & Co. eignen sich aber auch, um nach den Übungen wieder von der Anspannung herunterzukommen.
Gewichtige Vorteile bieten die Geräte in den Studios: Es lassen sich verschiedene Schwierigkeitsgrade einstellen und man kann genau messen, wie viele Kalorien verbraucht worden sind – wobei ich nicht wirklich weiß, ob mich diese Information weiterbringt. Darf ich jetzt das Runtergelaufene gleich wieder reinfuttern? Muss ich es, damit mich nicht der Heißhunger überkommt?
Bremse für angegriffene Herzen
Ein angezeigter Wert ist auf jeden Fall von unschätzbarer Bedeutung: Nämlich die Herzfrequenz. Damit ist es möglich, die Belastung so zu dosieren, dass keine Überanstrengung droht. Gerade für Diabetiker mit ihren oft angegriffenen Herzen eine segensreiche Sache. Als erfahrener Läufer und Radfahrer habe ich das für mich außerhalb des Studios immer so gehandhabt: Ich bin "Sprechtempo" gelaufen, also genau so schnell, dass ich mich hätte unterhalten können, ohne außer Atem zu kommen. Wobei ich natürlich höchstens ein Selbstgespräch geführt habe, um zu kontrollieren, ob ich noch im grünen Bereich bin.
Auffällig ist eines: Die meisten trainieren auf diesen Geräten mit dem "Knopf im Ohr", hören also wohl Musik. Oder sie schauen auf den Monitoren fern. Haben die Angst davor, einmal auf sich selbst, auf ihren Körper, ihre innere Stimme zu hören?
Deshalb: Wenn es wieder wärmer wird, nicht gerade in Strömen schüttet, dann werde ich ihn wieder hervorholen, den Drahtesel. Denn er bietet, was kein Studio der Welt leisten kann: Frische Luft und die Chance, ungestört von anderen zu sich selbst zu finden.
Hans Lauber / www.diabetes-ratgeber.net;
10.02.2012, aktualisiert am 17.02.2012
Bildnachweis: Hans Lauber
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