Künstliche Hüft- oder Kniegelenke sind kein Grund, auf Sport zu verzichten. Für das künstliche Gelenk ist Bewegung sogar wichtig
Schwimmen eignet sich gut, um auch mit künstlicher Hüfte in Bewegung zu bleiben
Rund 270.000 künstliche Gelenke werden in Deutschland jedes Jahr eingebaut. Den Löwenanteil machen die künstlichen Hüften und Knie (180.000 beziehungsweise 80.000 Eingriffe) aus – der Rest entfällt vor allem auf Schulter- und Sprunggelenke. Meistens ist eine Arthrose der Grund, warum ein Gelenk durch eine Prothese ersetzt wird. Der schmerzhafte Gelenkverschleiß trifft vor allem ältere Menschen, kann aber auch eine Folge von starkem Übergewicht oder Verletzungen sein.
Bewegung ist ein Muss für gesunde Gelenke – auch für künstliche
Eine der ersten Fragen, die sich viele Betroffene stellen: Schadet es dem Kunstgelenk, wenn ich sportlich aktiv bin? Könnte es sich lockern – oder gar kaputtgehen? Gibt es vielleicht Sportarten, die für Endoprothesenträger völlig tabu sind? Für Dr. Ulrich Hinkelmann, Chefarzt der orthopädischen Abteilung an der Rehaklinik Damp an der Ostsee, steht fest: Auch Menschen mit künstlichem Gelenk dürfen – und sollen sogar – regelmäßig körperlich aktiv sein. Und zwar aus vielen guten Gründen.
Wenn ein Gelenk wegen starker Arthrose schmerzt und unbeweglich wird, ersetzen Ärzte es durch ein Kunstgelenk
Bewegung sorgt beispielsweise dafür, dass sich ein kräftiges knöchernes Lager bildet, in dem das Kunstgelenk stabil verankert wird. Außerdem kräftigt sie die Muskulatur um das Gelenk und beugt auf Dauer der Entwicklung einer Osteoporose (Knochenschwund) vor.
Nicht zuletzt sind Menschen, die regelmäßig aktiv sind, sicherer auf den Beinen und haben ein geringeres Risiko, zu stürzen und sich dabei zu verletzen. Entsprechend bestätigen übrigens auch verschiedene wissenschaftliche Untersuchungen, dass sich künstliche Gelenke bei Sportlern seltener lockern als bei Nichtsportlern.
Hans-Robert Lauer (72): Trotz seines künstlichen Hüftgelenks ist der Diabetiker regelmäßig aktiv
Mit pauschalen Empfehlungen zu einzelnen Sportarten hält sich Orthopäde Hinkelmann allerdings eher zurück. Zwar gibt es Sportarten, die Endoprothesenträgern mehr empfohlen werden, und andere, von denen eher abgeraten wird (siehe pdf-Dokument). Zu den besonders geeigneten zählen beispielsweise Schwimmen, Nordic Walking oder Radfahren, bei denen die Gelenke trainiert, aber nur wenig belastet werden.
Keine pauschalen Verbote
Ungeeignet sind dagegen in der Regel Ballspiele wie Fußball oder Volleyball, bei denen man das Gelenk im Eifer des Gefechts schnell überstrapaziert. Denn das Kunstgelenk ist weniger elastisch als menschlicher Knochen. Durch die häufigen und plötzlichen Belastungs- und Richtungswechsel wird es schnell überlastet. Ähnliches gilt auch für Sportarten wie Tennis, Squash oder Skiabfahrtslauf.
Ob, und in welchem Umfang sich ein bestimmter Sport eignet oder nicht, sollte man im Einzelfall immer mit seinem Arzt besprechen“, rät Hinkelmann. Denn neben der Art des Kunstgelenks spielt auch die Erfahrung des Patienten mit einer bestimmten Sportart eine große Rolle. Ein Beispiel dafür ist der 72-jährige Typ-2-Diabetiker Hans-Robert Lauer aus Düsseldorf. Früher war er begeisterter Fußballer, Leichtathlet, Tennisspieler- und -trainer. „Nicht auszuschließen, dass das exzessive Tennisspiel mit schuld war am Verschleiß meiner Hüftköpfe“, sagt er. „Aber heute wäre ich ohne meinen Sport nachweislich schlechter dran.“
Lauer spielt mit künstlicher Hüfte Tennis, geht ins Fitnesscenter und zum Kegeln. Acht Jahre ist die Operation jetzt her. „Ursprünglich sollte die andere Seite auch operiert werden“, sagt Lauer. „Davon ist heute keine Rede mehr. Die Prothese links sitzt, die Arthrose in der rechten Hüfte hat sich nicht verschlechtert.“ Aber auch der sportliche Robert Lauer lässt es heute etwas langsamer angehen. Sprintet beim Tennis nicht mehr jedem Ball hinterher. Dem Fußballspiel hat er sogar komplett entsagt. Sinnvolle Kompromisse, mit denen er gut leben kann.
Auf Warnsignale achten
„Natürlich ist es auch sehr wichtig, dass man auf die Signale seines Körpers hört“, sagt Experte Hinkelmann. Vor allem wenn das operierte Gelenk beim Sport durch Schmerzen oder andere Missempfindungen auf sich aufmerksam macht, sollten die Alarmglocken schrillen.
Ein generelles Sportverbot gibt es nur in seltenen Fällen. Grundsätzlich gilt, dass die Operation mindestens sechs Monate zurückliegen sollte, bevor jemand sportliche Aktivitäten aufnimmt. Grünes Licht braucht es auch vom Arzt: Die Nachuntersuchungen müssen gezeigt haben, dass das Gelenk stabil verankert ist, keine Schmerzen verursacht, gut beweglich ist und keine Zeichen einer Infektion oder Lockerung der Endoprothese bestehen.
Weil massives Übergewicht auch das Kunstgelenk belastet, sollten vor regelmäßiger sportlicher Aktivität zunächst überschüssige Pfunde abgebaut werden. Die Deutsche Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention rät, dass der Body Mass Index (BMI) nicht über 29,5 liegen sollte. Und dass der Diabetes davon profitiert, ist ohnehin klar.
Sport mit Kunstgelenk: was erlaubt ist und was nicht finden Sie in diesem pdf zum Runterladen. Einfach anklicken.
Dr. Christina Corente, Diabetiker Ratgeber / GesundheitPro;
13.04.2009, aktualisiert am 26.06.2010
W&B/Jörg Neisel, W&B/Aleksander Perkovic, W&B, Corbis GmbH/ Fabio Cardoso
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