Angeblich war es ein chinesischer Mönch und Faustkämpfer, der, beeindruckt von der Geschicklichkeit einer Schlange, die sich gegen einen angreifenden Kranich wehrte, das "Tai Chi Chuan" erfand: eine Kampftechnik, die auf die Überlegenheit weicher, ruhiger und fließender Bewegungen setzte.
Was einst dazu gedacht war, kriegerische Fertigkeiten zu fördern, hat sich Jahrhunderte später zu einem Volkssport entwickelt, der auch in Deutschland immer mehr Anhänger findet. Vor allem ältere Menschen haben das TaiChi (sprich "Tai Tschi") als eine Form der Bewegung entdeckt, die, obwohl sie weder Ausdauertraining noch Kraftsport ist, in idealer Weise Gesundheit und Wohlbefinden fördert.
"Tai Chi ist vor allem als Ergänzung zu anderen Aktivitäten wie Walken oder Schwimmen sehr wertvoll", sagt Sportwissenschaftler Professor Alexander Woll von der Universität Konstanz. "Besonders ältere Menschen profitieren davon, weil Tai Chi Konzentration, Koordination und den Gleichgewichtssinn schult. Das senkt unter anderem das Risiko für Stürze – und zwar beim Sport genauso wie im Alltag."
Inzwischen haben sich auch zahlreiche wissenschaftliche Studien mit den Effekten von Tai Chi auf die Gesundheit beschäftigt. Zwar stehen eindeutige Beweise in den meisten Fällen noch aus, aber es gibt zumindest Hinweise darauf, dass Tai Chi unter anderem bei Kreislaufproblemen helfen kann, die Knochenfestigkeit verbessert und die Abwehrkräfte steigert. Auch Depressionen und Ängste können sich durch regelmäßige Tai-Chi-Übungen mildern lassen.
In einer Studie aus Peking besserten sich durch tägliche Tai-Chi-Übungen auch die Nüchtern- Blutzuckerwerte. Hierzulande lehren inzwischen rund zehntausend ausgebildete Tai-Chi-Trainer die Kunst der "sanften Fitness": in Volkshochschulen und privaten Einrichtungen genauso wie in Rehabilitationskliniken oder Fitness-Studios. Dazu gibt es eine schier unüberschaubare Zahl von Tai-Chi-Ratgebern in Buchform und auf DVD (mehr als 350 listet beispielsweise ein großer deutscher Internet-Versandhändler auf).
Nicht nur aus Büchern lernen
Sonja Blank vom Taijiquan und Qigong Netzwerk Deutschland rät allerdings davon ab, sich nur von Büchern oder Filmen anleiten zu lassen. "Wer Tai Chi lernen möchte, sollte in jedem Fall einen Kurs bei einem qualifizierten Lehrer besuchen", sagt sie. "Unter anderem, weil gerade Anfänger oft mit zu viel sportlichem Ehrgeiz an die Sache herangehen. Sie neigen dazu, ihren Körper zu verspannen, was bei Tai Chi eher hinderlich ist. Der Lehrer erkennt solche Fehlhaltungen und kann dabei helfen, sie zu korrigieren." Begleitend zu einem Kurs können Mitmach-Programme auf DVD allerdings durchaus sinnvoll sein.
Den gesundheitlichen Nutzen von Tai Chi haben inzwischen auch viele Krankenkassen erkannt. Wer einen entsprechenden Kurs machen möchte, sollte sich vorher bei seiner Kasse erkundigen, ob diese sich an den Kosten beteiligt. Voraussetzung ist meist, dass der Tai- Chi-Lehrer bestimmte Qualitätskriterien erfüllt. Ältere Menschen und Menschen mit Herz-Kreislauf-Problemen sprechen am besten mit ihrem Hausarzt, ob es Einwände gegen Tai-Chi-Übungen gibt.
Auch wer unter Bewegungseinschränkungen leidet, etwa infolge von Gelenkverschleiß oder Rheuma, oder gar im Rollstuhl sitzt, muss deswegen nicht unbedingt auf Tai Chi verzichten. In der Regel lassen sich die Übungen den individuellen Möglichkeiten so anpassen, dass auch chronisch Kranke davon profitieren – und nicht zuletzt dank der fernöstlichen Bewegungskunst zu einem gelasseneren Umgang mit ihrer Krankheit finden.
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Chinesisches Schattenboxen "Robust wie ein Holzfäller, gelassen wie ein Weiser, geschmeidig wie ein Kind": So beschreiben alte chinesische Schriften, was sich durch regelmäßiges Tai Chi erreichen lässt. Ursprünglich als Kampfkunst entwickelt, ist das Tai Chi Chuan (Taijiquan) heute eine Mischung aus Gesundheitsübrungen und Bewegungsmeditation. Beim Tai Chi Chuan bewegen sich die Übenden aus einer entspannten Körperhaltung heraus in langsamen, gleichmäßig fließenden Bewegungen. |
Dr. Christina Corente / Diabetes Ratgeber;
17.11.2009, aktualisiert am 05.12.2011
Bildnachweis: W&B/Ulrike Tölg, Corbis Images/ RYF
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