Der Schweiß tropft – nicht ungewöhnlich, wenn man sich beim Sport verausgabt. Doch Schweiß, Herzklopfen und Schwächegefühl können auch Symptome einer Unterzuckerung sein
Schwitzen, Herzklopfen, weiche Knie: nicht ungewöhnlich, wenn man sich beim Sport verausgabt hat. Solche Symptome können aber auch auf eine Unterzuckerung hinweisen: Weil die Muskeln viel Zucker verbraucht haben und sich den Nachschub aus dem Blut holen, rauschen die Werte in den Keller.
Unterzuckergefährdet sind Diabetiker, die Insulin spritzen oder Tabletten nehmen, welche die Insulinausschüttung anregen (v.a. Sulfonylharnstoffe oder Glinide). "Wer mit Metformin oder einem Inkretin behandelt wird oder den Zucker mit Bewegung und Diät im Griff hat, muss keine Unterzuckerungen fürchten", sagt Dr. Bernhard Gehr von der Arbeitsgemeinschaft Diabetes und Sport der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG).
Faustregeln für Einsteiger
Am besten finden Sie selbst heraus, wie Ihr Blutzucker auf Anstrengung reagiert und wie Sie einer Unterzuckerung vorbeugen. Besprechen Sie mit Ihrem Arzt oder Ihrer Diabetesberaterin, ob und wie Sie Ihre Therapie anpassen. Hier ein paar Faustregeln:
● Nicht mit niedrigem Wert starten
Liegt der Blutzuckerwert unter 100 mg/dl (5,6 mmol/l), nehmen Sie erst einige Kohlenhydrate zu sich.
Wer eine intensivierte Insulintherapie macht (also die Dosis des Mahlzeiteninsulins selbst berechnet), sollte die Dosis rechtzeitig anpassen. Dabei kommt es darauf an, was man vorhat. Für eine kurze Sporteinheit (bis ca. 60 Minuten) reicht es, 30 bis 45 Minuten vorher zusätzliche Kohlenhydrate zu sich zu nehmen. Wer mehr plant, etwa ein Fußballspiel oder ein paar Stunden Gartenarbeit, sollte die Dosis des schnell wirkenden Mahlzeiten-Insulins vor, während und eventuell auch nach dem Sport reduzieren – zum Beispiel um 30 bis 50 Prozent (Arzt fragen!). Bei längerer Belastung, etwa einer Tageswanderung oder Radtour, sollte auch die Dosis des Basalinsulins verringert werden.
Wer Typ-2-Diabetes hat und Tabletten einnimmt, die das Unterzuckerrisiko erhöhen, sollte die Dosis in Absprache mit dem Arzt je nach Art, Dauer und Intensität der Aktivität senken oder die Tabletten weglassen. Das ist besser, als ein Absinken des Blutzuckers mit zusätzlichen Kohlenhydraten aufzufangen. Viele treiben ja Sport, um leichter abzunehmen.
● Blutzucker häufiger messen
Am besten vor, während und nach der Belastung. Das bringt Erfahrungswerte. Ein Blutzucker-Tagebuch hilft, den Überblick zu behalten.
● Im Fall des Falles sofort reagieren
Bei Zeichen einer Unterzuckerung nehmen Sie sofort ein bis zwei BE/KE schnell wirkende Kohlenhydrate, zum Beispiel zwei bis vier Plättchen Traubenzucker. Damit der Zucker beim Sport nicht erneut sinkt, zusätzlich ein bis zwei BE/KE langsam ins Blut gehende Kohlenhydrate, zum Beispiel ein bis zwei Scheiben Brot – und Pause machen, bis der Wert auf rund 120 mg/dl (6,6 mmol/l) gestiegen ist.
● Werte auch nach dem Sport im Auge behalten
Auch nach dem Sport kann es zu einer Unterzuckerung kommen. Vor allem wenn man sich stark belastet hat, holen sich Muskeln und Leber Zucker aus dem Blut, um ihre Speicher aufzufüllen. Auch die Insulinwirkung ist gesteigert. Noch etliche Stunden später können die Werte sinken. Zur Vorbeugung kann man die Insulin- oder Tablettendosis verringern und darauf achten, dass der Blutzucker vor dem Schlafengehen etwas höher liegt.
● Anzeichen von Übersäuerung erkennen
Ein zu hoher Zuckerwert (ab 250 mg/dl bzw. 13,9 mmol/l) deutet bei insulinbehandelten Diabetikern auf einen Insulinmangel hin. Ohne Insulingabe drohen ein weiterer Zuckeranstieg und eine gefährliche Übersäuerung (weil die Zellen in Ermangelung von Zucker, den sie ohne Insulin nicht verwerten können, auf Fettsäuren zurückgreifen). Deshalb sollte man zuerst einen Ketontest machen. Fällt er positiv aus, darf man keinen Sport treiben, sondern muss seinen Zucker zunächst mit Insulin korrigieren.
Übrigens sollten sich auch Sport-"Profis" nicht in falscher Sicherheit wiegen. "Wer regelmäßig Sport treibt, hat zwar seltener Unterzuckerungen als ein Anfänger", sagt Experte Dr. Bernhard Gehr. "Wenn man aber die Sportart wechselt und ganz andere Muskelgruppen beansprucht, kann das schnell zu Überraschungen führen. Auch dann gilt: den Blutzucker häufiger kontrollieren!"
www.diabetes-ratgeber.net / Diabetes Ratgeber / Fachliche Beratung: Dr. Sascha Härtel, Institut für Sport und Sportwissenschaft am Karlsruher Institut für Technologie (KIT);
26.08.2009, aktualisiert am 15.07.2011
Bildnachweis: W&B/Bert Bostelmann, Thinkstock/Stockbyte
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