Anmelden | Registrieren
Drucken

Keine Lust auf gute Werte?

Warum es vielen Menschen schwerfällt, sich bei der Therapie an die Empfehlungen ihres Arztes zu halten

Nach der Sprechstunde wandert ein Geldschein über den Tisch. „Dafür, dass Sie sich an meine Empfehlungen gehalten haben!“, sagt der Arzt zu seinem Patienten. Ein Witz?

Tatsächlich gibt es Experten, die finanzielle Belohnungen für Patienten vorschlagen: wenn diese zum Beispiel ihre Tabletten regelmäßig einnehmen, Sport treiben, nicht rauchen. Dabei steht weniger die Sorge um das gesundheitliche Wohl im Mittelpunkt. Es sind eher ganz handfeste wirtschaftliche Erwägungen: Wer sich nicht an seine Therapie hält, verursacht Kosten.

Wenn ein Patient mit Diabetes schlechte Zuckerwerte hat, weil er seine Tabletten nicht nimmt, drohen teure Krankenhausaufenthalte. Zum Beispiel auf der Intensivstation, nach einem Herzinfarkt. Oder auf der Dialyseabteilung, wenn die Nieren versagen. Nicht zu sprechen von den Schäden, die der Gesamtwirtschaft entstehen, etwa durch krankheitsbedingte Produktionsausfälle.


Vor allem Diabetiker„schwächeln“

Ärzte sprechen von Störungen der „Compliance“, wenn sie darüber klagen, dass viele Patienten den Behandlungsempfehlungen nicht folgen: ihre Tabletten nicht zuverlässig schlucken, den Blutzucker nur unregelmäßig dokumentieren, beim Essen nicht genug auf Fett und Kalorien achten.

Besonders viele Compliance-Sünder gibt es unter den Diabetikern. Während sich 80 Prozent aller Asthma-Patienten an ihren Behandlungsplan halten, machen das nur 50 Prozent der Menschen mit Diabetes. Warum das so ist, darüber gibt es verschiedene Theorien. Sicher spielt es eine große Rolle, dass Diabetes oft kaum Beschwerden macht, solange er noch keine Folgekrankheiten verursacht hat. Wer einen Asthmaanfall hinter sich hat, weiß genau, warum es sich lohnt, das vorbeugende Spray zu inhalieren. Bei Diabetes ist der Leidensdruck dagegen oft gering, zumindest in den ersten Jahren. Außerdem ist das, was Ärzte von Diabetikern – speziell Typ-2-Diabetikern – verlangen, nicht gerade wenig: nämlich, ihren Lebensstil umzukrempeln.

Von Diabetikern wird viel verlangt



Wissen motiviert: Geschulte Diabetiker haben oft bessere Werte

Dr. Ralph Bierwirth, Leiter des ambulanten Diabeteszentrums am Elisabeth-Krankenhaus Essen, hat Verständnis dafür, dass viele Diabetiker sich schwertun, ihrem Arzt zu folgen. „Seinen Speiseplan umzustellen, konsequent auf Kalorien zu achten, sich regelmäßig zu bewegen und Übergewicht abzubauen – das ist eine große Herausforderung“, sagt der Diabetologe. Dabei ist ein gesunder Lebensstil die Basis jeder Diabetestherapie.

Doch auch Patienten, die ihren Diabetes schon viele Jahre haben, „schwächeln“ häufig, wenn es um die Therapie geht. Dabei spielen verschiedene Gründe eine Rolle. Ein gewisser Krankheitsüberdruss, manchmal auch Begleiterkrankungen wie eine Depression, die es schwer macht, sich aufzuraffen. Ein wichtiger Faktor, so Ralph Bierwirth, ist fehlendes Wissen: „Diabetiker, die an Schulungen teilgenommen haben, sind erfahrungsgemäß motivierter und haben bessere Zuckerwerte."

Hilfen aus der Apotheke

Oft steckt nur Vergesslichkeit dahinter, wenn ein Diabetiker seine Medikamente nicht regelmäßig einnimmt. In diesem Fall rät Apotheker Dr. Eric Martin aus Marktheidenfeld, die Tabletten-Einnahme mit Routinehandlungen zu verknüpfen, sich beispielsweise anzugewöhnen, beim Tischdecken die Tabletten neben den Teller zu legen.



Tablettenboxen helfen, wenn unterschiedliche Medikamente zu verschiedenen Tageszeiten einzunehmen sind

Tablettenboxen (Dispenser) helfen, die Einnahme nicht zu vergessen. Von Monats-Dispensern rät Apotheker Eric Martin ab, da viele Medikamente licht- oder feuchtigkeitsempfindlich sind und nicht so lange im Dispenser aufbewahrt werden sollten. Wer viele Medikamente nimmt, kann seinen Arzt auch nach Kombinations-Präparaten fragen. Denn was die Compliance angeht, ist weniger manchmal mehr.

Wem es nach der Lektüre des Beipackzettels seiner Arzneien mulmig wird, der sollte das Gespräch mit seinem Apotheker suchen. Dadurch lassen sich Bedenken häufig ausräumen. In der Apotheke hilft man auch bei Problemen mit der Handhabung von Pen oder Messgerät.



  1. 1
  2. 2

Dr. Christina Corente / Diabetes Ratgeber; 20.07.2010, aktualisiert am 14.11.2011
Bildnachweis: Getty Images/Photographer´s Choice, Mauritius Images/ Schultze + Schultze, F1 online digitale Bildagentur GmbH/Ojo Images

Mehr wissen, besser leben

Alles über Diabetes lernen

Eine Schulung vermittelt neu diagnostizierten Diabetikern das nötige Wissen »

Typ-2-Diabetes

Informationen über Früherkennung, Vorbeugung, Diagnose und Therapie »

Medikamente gegen Typ-2-Diabetes

Hier finden Sie die wichtigsten Wirkstoffe im Überblick »

Newsletter

Immer gut informiert mit dem kostenlosen Newsletter des Diabetes Ratgeber »

Sudoku

Die beliebte japanische Knobelei in unendlichen Variationen hier online spielen »

© Wort & Bild Verlag GmbH & Co KG

Weitere Online-Angebote des Wort & Bild Verlages

Apotheken Umschau mit den Themen Krankheiten von A-Z, Symptome, Medikamentencheck, Laborwerte, Heilpflanzen, Hausapotheke, Abnehmen, Gesundheitsvideos, Arzt- Apothekensuche, Gehirn-Jogging und Sport
Senioren Ratgeber mit Informationen rund um Krankheiten, Medikamente, gesund alt werden, altersgerechtes Wohnen, Pflege und Finanzen
Baby und Familie mit Themen rund um Schwangerschaft, Geburt, Vorsorge, Kinderkrankheiten, Homöopathie und Erziehung