Mit Hilfe einer Insulintherapie lassen sich die Blutzuckerwerte bei Hunden und Katzen mit Diabetes normalerweise gut einstellen. Katzen profitieren zusätzlich von einer eiweißreichen und kohlenhydratarmen Diät. Durch die Behandlung mit Insulin sollten Symptome wie verstärkter Durst, Heißhunger und vermehrter Harnabsatz, die auf zu hohe Blutzuckerwerte hindeuten, verschwinden. Bleiben sie bestehen, ist es schwierig herauszufinden, welche Ursache hinter der schlechten Einstellung steckt.
Am besten lässt sich anhand eines Blutzucker-Tagesprofils überprüfen, wie gut der Diabetes eingestellt ist. Dazu wird über einen Zeitraum von mindestens zwölf Stunden alle zwei Stunden der Blutzucker bestimmt. Um die Stressbelastung für Ihr Tier gering zu halten und möglichst aussagekräftige Blutzuckerwerte zu bekommen, sollten Sie ein solches Profil zu Hause erstellen. Steht Ihr Tier während der Erstellung zu sehr unter Stress, sind die Messergebnisse unbrauchbar.

Die Wirkungsdauer des Insulins beträgt zwölf Stunden. In diesem Zeitraum befinden sich die Blutzuckerwerte unter 250 mg/dl. Der niedrigste Blutzuckerwert (Nadir) wurde sechs Stunden nach der Insulininjektion gemessen.
Für die Auswertung eines Blutzucker-Tagesprofils spielen folgende Faktoren eine Rolle:
Die Ursachen eines schlecht eingestellten Diabetes sind vielfältig. Meist lassen sie sich nur durch ein oder mehrere Blutzucker-Tagesprofile erkennen. Zu den wichtigsten Ursachen gehören:
Fehler beim Aufziehen des Insulins können zu Unter- oder Überdosierungen führen. Zum Aufziehen und Spritzen sollten Haustierbesitzer im Handel erhältliche Insulinspritzen verwenden. Wichtig ist, dass die Dosierungsskala auf der Spritze zum Insulin passt. In Deutschland gibt es Insulin in zwei verschiedenen Konzentrationen: U-40-Insulin enthält 40 I.E. (internationale Einheiten) Insulin, U-100-Insulin 100 I.E. auf einen Milliliter Flüssigkeit.
Weil Katzen geringe Insulinmengen benötigen, ist es nicht einfach, das Insulin richtig zu dosieren. Es besteht die Gefahr, dass die Tiere entweder zu viel oder zu wenig Insulin bekommen. Anstelle der Insulinspritze können Sie hier eine automatisierte Stechvorrichtung, einen sogenannten Insulinpen, verwenden.
Das Insulin müssen Sie dem Tier unter die Haut spritzen. Wird das Insulin falsch verabreicht, führt das meist zu Unterdosierungen.
Insulin kann seine Wirkung verlieren, wenn das vom Hersteller genannte Haltbarkeitsdatum abgelaufen ist oder wenn es starker Hitze ausgesetzt wurde. Lagern Sie Insulin am besten im Kühlschrank. Klares Insulin können Sie sofort aufziehen und spritzen. Trübes Insulin sollten Sie vorsichtig rollen, damit sich die darin befindlichen Kristalle lösen. Eine Ausnahme ist das speziell bei Hunden und Katzen eingesetzte Verzögerungsinsulin vom Schwein. Dieses Insulin darf nach Angaben des Herstellers auch geschüttelt werden, ohne dass es seine Wirkung verliert.
Bei den meisten Tieren lässt sich der Blutzucker mit zweimal täglichen Insulinmengen von 0,25 bis 0,5 I.E. pro Kilogramm Körpergewicht gut kontrollieren. Dennoch benötigt jedes Tier eine individuelle Dosis an Insulin. Deshalb kann es sein, dass ein Tier trotz Behandlung weiterhin Symptome von erhöhtem Blutzucker zeigt. In diesen Fällen muss der Halter die Insulinmenge – nach Absprache mit dem Tierarzt – entsprechend anpassen.
Zu viel Insulin macht sich durch eine Unterzuckerung bemerkbar: Ab einem Blutzuckerwert unter 50 mg/dl (2,8 mmol/l) können Teilnahmslosigkeit, Zittern oder Krämpfe auftreten. Auch bei starker körperlicher Belastung oder wenn Ihr Tier sich weigert zu fressen, kann es zu Unterzuckerungen kommen, falls Sie weiterhin die gewohnte Insulinmenge spritzen. Verringern Sie die Dosis in diesem Fall um die Hälfte. Falls das Tier unter einer Begleiterkrankung leidet (siehe unten: „Insulinresistenz“) und diese behandelt wird, kann die gewohnte Insulinmenge ebenfalls zu Unterzucker führen. Auch hier müssen Sie die Insulinmenge in der Regel reduzieren.
Bei Katzen, die in Remission gehen – also immer weniger oder gar kein Insulin mehr benötigen –, kann ebenfalls Unterzucker auftreten, wenn Sie die Insulindosis nicht rechtzeitig anpassen.
Nach einer Unterzuckerung kann der sogenannte „Somogyi-Effekt“ auftreten: Der Körper schüttet dabei Stresshormone aus, die den Blutzucker erhöhen. Es folgt eine Phase von hohen Blutzuckerwerten (meist über 300 mg/dl bzw. 16,7 mmol/l), die 24 bis 72 Stunden andauert (siehe Abbildung unten). Zur Diagnose sollten Sie mehrere Blutzucker-Tagesprofile erstellen, um die Unterzuckerungen festzuhalten.

Der Blutzucker fällt zu schnell ab, was nach sechs Stunden zu einer Unterzuckerung (42 mg/dl) führt. Daraufhin steigt der Zucker durch Ausschüttung von Stresshormonen stark an. In diesem Fall sollte die Insulindosis verringert werden.
Wirkt das morgens gespritzte Insulin weniger als zehn Stunden, können sich die Symptome am Nachmittag und Abend wieder verschlechtern (siehe die folgende Abbildung). Dieses Problem betrifft vor allem Katzen, die das ursprünglich für Hunde entwickelte Verzögerungsinsulin vom Schwein erhalten. Hier hilft die Umstellung auf ein lang wirksames Humaninsulin.

Die Blutzuckerwerte bleiben nur acht Stunden lang im Zielbereich (unter 250 mg/dl). Der niedrigste Wert (Nadir) tritt bereits vier Stunden nach der Insulininjektion und damit zu früh auf. Dieses Tier sollte auf ein lang wirksames Humaninsulin umgestellt werden.
In seltenen Fällen wirkt Insulin länger als zwölf Stunden im Körper. Der niedrigste Blutzuckerwert tritt dann kurz vor der nächsten Insulininjektion auf. Dadurch kommt es nachts möglicherweise zu Unterzucker und anschließend zu hohen Blutzuckerwerten. Der morgendliche Blutzuckerwert liegt dann meist über 300 mg/dl (16,7 mmol/l). Verringern Sie in diesem Fall die abendliche Insulindosis oder lassen Sie sie ganz weg.
Bei Hunden und Katzen kann der Körper aufgrund von Erkrankungen bestimmte Hormone bilden, die die Wirkung des Insulins abschwächen. Es entsteht eine Insulinresistenz. Zu diesen Krankheiten zählen beispielsweise Harnwegsinfekte, Funktionsstörungen der Schilddrüse, Tumorerkrankungen wie Morbus Cushing oder Akromegalie, Bauchspeichelentzündungen sowie Nieren- oder Herzschwäche. Zum Teil entstehen solche Erkrankungen einfach altersbedingt (Tumorerkrankungen), zum Teil löst sie der Diabetes aus oder fördert sie (Harnwegsinfekte, Bauchspeicheldrüsenentzündungen).
Allein von der Insulinmenge, die ein Tier benötigt, kann man nicht auf eine Insulinresistenz schließen. Die meisten diabetischen Tiere lassen sich jedoch mit Insulindosen unter 1,5 I.E. pro Kilogramm Körpergewicht gut einstellen. Tiere, die mehr Insulin benötigen, ständig zu hohe Blutzuckerwerte haben oder deren Insulinbedarf stark schwankt und sich mit der Zeit erhöht, sollte der Tierarzt auf eine Insulinresistenz hin untersuchen. Das ist nicht nur deshalb wichtig, weil die Tiere weiter unter den typischen Diabetes-Symptomen leiden. Bei Insulinresistenz steigt auch das Risiko für Folgeschäden an Nerven und Augen oder eine lebensgefährliche Stoffwechselentgleisung. Außerdem können zusätzlich Symptome der Begleiterkrankung auftreten – zum Beispiel ein schnorchelndes Atemgeräusch bei Akromegalie oder Haarausfall bei Morbus Cushing. Bevor der Tierarzt eine Insulinresistenz sicher feststellen kann, muss er andere mögliche Gründe für die schlechte Blutzuckereinstellung ausschließen: zum Beispiel Fehler bei der Insulininjektion, unwirksames Insulin, zu niedrige Insulindosis oder Somogyi-Effekt.

Dieses Tagesprofil wäre unabhängig von der gespritzten Insulindosis bei fehlerhafter Injektion, unwirksamem Insulin oder bei starkem Stress zu beobachten. Es könnte auch durch eine zu geringe Insulinmenge (unter 0,5 I.E. pro Kilogramm Körpergewicht) verursacht sein. Bei hohen Insulindosen (über 1,5 I.E. pro Kilogramm Körpergewicht) lässt dieses Tagesprofil auf eine zugrunde liegende Insulinresistenz schließen.
Wenn eine Behandlung der Krankheit möglich ist, bessert sich die Blutzuckereinstellung der betroffenen Tiere. Meist verringert sich der Insulinbedarf. Bei Hunden führt die erfolgreiche Therapie einer Begleiterkrankung in der Regel nicht dazu, dass der Diabetes nachlässt, da es sich um einen Typ-1-Diabetes handelt. Bei Katzen, die überwiegend von Typ-2-Diabetes betroffen sind, kann die Behandlung dagegen durchaus dazu führen.
Dr. med. vet. Astrid Wehner ist Spezialistin für Innere Medizin der Kleintiere und Oberärztin an der Medizinischen Kleintierklinik der Universität München
Dr. med. vet. Astrid Wehner / www.diabetes-ratgeber.net;
23.10.2012, aktualisiert am 25.10.2012
Bildnachweis: Panthermedia/Nailia Schwarz, W&B/Bernhard Huber, Dr. med vet. Astrid Wehner
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