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Was bei Tinnitus hilft

Im Ohr pfeift und rauscht es – scheinbar ohne äußere Ursache. Wie Tinnitus entsteht und welche Hilfen es gibt


Tinnitus: Die nervenden Geräusche im Ohr sind eine große Belastung

Früher hatte Tinnitus wenigstens auch etwas Gutes: Den alten Griechen etwa galten die Klänge im Ohr als „Götterstimmen“. Und die verhalfen den unfreiwillig Auserkorenen zu hohem Ansehen. Heute freut sich freilich niemand mehr, wenn es in seinem Ohr zischt, pfeift, rauscht, klingelt oder hämmert. Zwar verschwinden die Geräusche meist rasch von selbst wieder, sie können sich aber auch zum hartnäckigen Störenfried entwickeln.

Rasch zum Arzt bei Tinnitus

„Dauern Ohrgeräusche länger als einen Tag, sollte man sich an einen HNO-Arzt wenden“, rät Professor Wolfgang Delb, Leiter einer Tinnitus-Forschergruppe an der Medizinischen Fakultät Mannheim der Universität Heidelberg. Der Spezialist prüft zunächst, ob eine akute Erkrankung, etwa eine Entzündung, die Ursache ist – und ob auch das Gehör in Mitleidenschaft gezogen ist. Denn häufig tritt Tinnitus zusammen mit einer plötzlichen Hörminderung auf, einem Hörsturz. Als gemeinsame Ursache vermuten Experten eine Schädigung der Sinneszellen im Innenohr. Dadurch hört man bestimmte Töne schlechter und nimmt umgekehrt Töne wahr, die eigentlich gar nicht exis­tieren. Eine Behandlung mit Blutverdünnern und Kortison, das abschwellend und entzündungshemmend wirkt, soll helfen, die angegriffenen Sinneszellen zu regenerieren. Weil die Wirkung dieser Therapien nicht bewiesen ist, müssen Patienten in der Regel selbst dafür bezahlen.


Erhöhtes Risiko durch Diabetes?

Ob Diabetes das Risiko für Tinnitus erhöht, ist unklar. Zwar wird die Stoffwechselkrankheit immer wieder als mögliche Ursache angeführt, so wie viele andere Krankheiten auch, doch beweisende Studien gibt es nicht. „Vorstellbar wäre, dass dauerhaft erhöhte Zuckerwerte die empfindlichen Sinneszellen im Ohr in Mitleidenschaft ziehen und so die Neigung erhöhen, etwa bei Stress oder weiteren Gesundheitsproblemen Tinnitus zu entwickeln“, sagt Experte Delb. In einer Befragung der Deutschen Tinnitus-Liga hatten knapp sechs Prozent der Betroffenen Diabetes, was nicht dafür spricht, dass Ohrgeräusche ein spezielles Diabetiker-Problem sind.

Ablenken und Stress vermeiden

Bei jedem zweiten Betroffenen klingt der Tinnitus nach einiger Zeit auch ohne Therapie wieder ab. Die Chancen stehen erfahrungsgemäß umso ­­besser, je weniger Aufmerksamkeit man ­seinem Tinnitus gönnt. Statt daheim zu sitzen und in sich hineinzuhorchen, sollte man also besser für Ablenkung sorgen.

Manchen hilft es auch, Musik zu hören oder vor dem Einschlafen einem Hörbuch zu lauschen und die Ohrgeräusche so zu übertönen. Daneben ist alles sinnvoll, was den allgemeinen Stresspegel senkt: zum Beispiel Sport oder Entspannungsverfahren wie autogenes Training und progressive Muskelrelaxation (­Kurse etwa an Volkshochschulen oder über Krankenkassen).

Weghören lernen

Dauert Tinnitus länger als sechs Monate, gilt er als chronisch. „Medikamente, wie sie beim akuten Tinnitus oder Hörsturz eingesetzt werden können, helfen dann nicht mehr“, sagt Professor Delb. Zum Glück gewöhnen sich die meis­ten Menschen mit der Zeit an den Dauerton im Ohr. Wenn nicht, kann eine auf den Tinnitus zugeschnittene kognitive Verhaltenstherapie helfen, mit dem Ohrgeräusch besser zurechtzukommen. Ergänzend erhält der Patient dazu häufig für eine bestimmte Zeit ein Rauschgerät („Noiser“), das am Ohr getragen wird und mit einem leisen Geräusch vom Tinnitus ablenkt. Außerdem gehören zu dieser „Tinnitus-Retraining-Therapie“, deren Kosten die Betroffenen allerdings oft selbst tragen müssen, regelmäßige Termine beim Hals-Nasen-Ohren-Arzt, der den Patienten berät und den Erfolg der Therapie überprüft.

So entsteht Tinnitus:


Der Schall gelangt über Gehörgang und Trommelfell zum Innenohr. Dort sitzen in der Hörschnecke spezielle Sinneszellen, die Haarzellen. Der Schall bringt die Härchen auf den Zellen zum Schwingen. Dadurch entstehen elektrische Signale, die der Hörnerv ins Gehirn leitet. Bei einem akuten Tinnitus sind oft die Haarzellen beschädigt. Im Gehirn kommen falsche Signale an, die das Hörzentrum als Geräusch interpretiert.




Bildnachweis: Jupiter Images GmbH/AbleStock, W&B/Dr. Ulrike Möhle

Daniela Pichleritsch / Diabetes Ratgeber; 03.05.2012
Bildnachweis: Jupiter Images GmbH/AbleStock, W&B/Dr. Ulrike Möhle

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