Wenn von Gesundheitsproblemen im Zusammenhang mit Diabetes die Rede ist, denkt fast jeder sofort an Herzinfarkt, Augenerkrankungen oder Nierenschäden. Und bestimmt nicht an eine schmerzende Schulter, nächtliche Atemstillstände oder Knoten in der Brust. Dabei sind diese und zahlreiche weitere Begleiterkrankungen des Diabetes sogar recht häufig. Allerdings werden sie oft erst spät erkannt und behandelt, da der Zusammenhang mit der Zuckerkrankheit nicht auf der Hand liegt.
Der Diabetes und seine Begleiterkrankungen können auf unterschiedliche Weise in Verbindung stehen. Typische “Bindeglieder“ zwischen der Zuckerkrankheit und anderen Leiden sind hohe Blutzuckerwerte, Übergewicht und andere Ausprägungen des Metabolischen Syndroms, Schäden an den Nerven sowie Fehlsteuerungen des Immunsystems.
Gefäßschäden durch hohen Zucker
Ohne Insulin – oder wenn das Insulin, wie bei Typ-2-Diabetes häufig, wegen einer Unempfindlichkeit der Zellen nicht richtig wirken kann – gelangt der mit der Nahrung aufgenommene Zucker nicht in die Körperzellen. Stattdessen kreist er als gelöster Zucker im Blut durch Adern und Gewebe. Ein phasenweise oder dauerhaft erhöhter Zuckerspiegel kann vielfältige negative Auswirkungen haben.
So glauben Experten beispielsweise, dass die Schultersteife („Frozen Shoulder“) – ein Gelenkleiden, das bei Diabetikern gehäuft auftritt – durch Zuckermoleküle verursacht wird, die sich an Bindegewebsfasern haften. Eine Verzuckerung des Bindegewebes wird auch als Ursache der Cheiropathie (diabetesbedingte Fingersteife) vermutet: Die elastischen Fasern in den Gelenkkapseln verdicken sich allmählich, erstarren und schränken die Fingergelenke mehr und mehr ein.
Leben Diabetiker über viele Jahre mit schlecht eingestellten Blutzuckerwerten, steigt ihr Risiko für manche Erkrankungen zusätzlich: Erhöhte Zuckerspiegel bieten zum Beispiel Pilzen einen optimalen Nährboden. Das ist einer der Gründe, warum sich Frauen mit Diabetes häufiger mit Scheidenpilzen infizieren. Auch Gerinnsel bilden sich vermehrt in „verzuckerten“ Gefäßen. Sie können die Blutbahnen verstopfen und Thrombosen, aber auch Gefäßkomplikationen wie einen Herzinfarkt, Schlaganfall oder eine Lungenembolie auslösen.
Übergewicht
Als metabolisches Syndrom bezeichnen Mediziner ein Zusammentreffen mehrerer Symptome, die häufig gemeinsam auftreten und ein erhöhtes Gesundheitsrisiko bergen: dazu zählen bauchbetontes Übergewicht, Diabetes mellitus oder dessen Vorstadien, Bluthochdruck sowie Fettstoffwechselstörungen.
Dass Typ-2-Diabetes und Übergewicht oft Hand in Hand gehen, ist allseits bekannt. Doch auch in Gallensteinen oder einer Fettleber kann das Metabolische Syndrom seine vielfältigen Facetten zeigen. Atemstillstände während der Nachtruhe, auch als Schlafapnoe bezeichnet, haben mit dem Typ-2-Diabetes im Übergewicht den entscheidenden Risikofaktor gemeinsam.
Nervenschäden
Schädigungen der Nerven zählen zu den typischen Spätfolgen eines erhöhten Blutzuckerspiegels bei Diabetes. Eine der möglichen Ursachen: Durch Anlagerung von Zucker werden die feinen Blutgefäße, die die Nerven versorgen, in ihrer Funktion beeinträchtigt oder sogar zerstört. Die unterversorgten Nervenzellen erleiden Schaden. Da Nerven den gesamten Körper durchziehen, kann sich ihre Erkrankung (Neuropathie) an ganz unterschiedlichen Stellen und auch auf innere Organe auswirken.
So ist zum Beispiel bei der diabetischen Magenlähmung (Gastroparese) die Steuerung der Muskelkontraktionen des Magens beeinträchtigt, wodurch dieser sich nicht mehr richtig entleeren kann. Auch die typischen Beschwerden einer Blasenschwäche können im Rahmen eines Diabetes entstehen, wenn Nerven, die die Blasenentleerung steuern, beeinträchtigt sind. Ärzte sprechen dann von einer diabetischen Zystopathie.
Gestörtes Immunsystem
Patienten mit Typ-1-Diabetes können kein Insulin produzieren, da ihr Immunsytem irrtümlicherweise körpereigenes Gewebe – nämlich Zellen der Bauchspeicheldrüse - angreift und als Fremdkörper bekämpft. Eine solche Fehlsteuerung des Immunsystems (Autoimmunerkrankung) ist oft die gemeinsame Ursache für mehrere Leiden.
Dazu können bei Typ-1-Diabetikerinnen gutartige Gewebeveränderungen der Brust (diabetische Mastopathie) zählen. Auch die Schilddrüse kann ein Opfer der eigenen Immunabwehr werden. Typ-1-Diabetiker erkranken häufiger als andere Menschen an der so genannten Hashimoto-Thyreoditis, einer autoimmun verursachten Schilddrüsenunterfunktion.
Unklare Zusammenhänge
Für manche Erkrankungen ist zwar eine Verbindung mit Diabetes nachgewiesen, aber die Gründe dafür liegen noch im Dunklen. So ist etwa der Zusammenhang zwischen Diabetes und Osteoporose schon lange bekannt. Wissenschaftler haben nachgewiesen, dass Typ-1-Diabetiker – Frauen und Männer – ein höheres Risiko für Knochenbrüche haben als Gesunde, und zwar aufgrund einer erniedrigten Knochendichte. Wie der Diabetes die Knochendichte beeinflusst, ist aber nach wie vor nicht geklärt.
www.diabetes-ratgeber.net;
24.02.2010, aktualisiert am 09.02.2012
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