Einfache Maßnahmen bei vergrößerter Prostata

Männer mit vergrößerter Vorsteherdrüse haben oft Probleme beim Wasserlassen. Was sie selbst tun können und wie der Arzt hilft

von Birgit Ruf, aktualisiert am 07.01.2016

Mit dem Alter bekommen viele Männer Probleme mit der Prostata

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"Da kannst du schütteln, kannst du klopfen, in die Hose geht der letzte Tropfen!" Der alte Klospruch beschreibt unverblümt, was Männer erwartet, wenn sie in die Jahre kommen. Denn etwa ab dem Alter von 40 vergrößert sich bei vielen die Prostata.

Weil die kleine Drüse direkt unter der Blase sitzt und die Harnröhre umschließt, sind Probleme programmiert. Vor allem Schwierigkeiten beim Wasserlassen sind typisch: Der Harnstrahl startet verzögert, wird schwächer. Oft dauert es länger, bis die Blase sich entleert hat, Harn tropft nach. Besonders lästig ist für viele Betroffene der nächtliche Harndrang, der Schlafstörungen, Müdigkeit und Abgeschlagenheit zur Folge hat.


Vergrößerte Prostata meist harmlos

"Viele Männer fühlen sich dann regelrecht als Sklaven ihrer Prostata", sagt der Urologe Professor Dr. Rolf Muschter, Chefarzt im Agaplesion Diakonieklinikum Rotenburg. Vor allem, wenn die vergrößerte Drüse gegen die Blase drückt und ständig Harndrang auslöst, obwohl die Blase kaum oder gar nicht gefüllt ist.

"So lästig diese Beschwerden auch sein können: Gefährlich ist eine Prostatavergrößerung in der Regel nicht", sagt Experte Muschter. Dennoch sollten betroffene Männer den Arztbesuch nicht auf die lange Bank schieben.

Einfache Maßnahmen können bei Prostataproblemen helfen

Wenn das Abtasten der Prostata, eine Ultra­schalluntersuchung sowie die Blut- und Urinprobe keine Hinweise auf Komplikationen ergeben und die Symptome nur mild sind, kann oft ohne weitere Therapiemaßnahmen abgewartet werden.

Sind die Beschwerden nicht zu stark, können mitunter schon ein paar einfache Maßnahmen helfen. Lästiger Harndrang lässt sich zum Beispiel lindern, indem man vor dem Schlafengehen oder vor dem Verlassen des Hauses nicht zu viel trinkt. Kaffee und Alkohol wirken harntreibend und reizen die Schleimhaut. Auch hier kann es sich günstig auswirken, den Konsum einzuschränken.

Viele Männer setzen bei Prostata­beschwerden auf eine Selbstbehandlung mit pflanzlichen Mitteln. Besonders beliebt: Wirkstoffe aus der Sägepalme, dem Arzneikürbis oder der Brennnessel. Wenngleich nicht alle Studien einen eindeutigen Nutzen dieser Präparate nachweisen konnten, können sie im Einzelfall durchaus Linderung verschaffen.

Wann zum Spezialisten?

Wichtig: Bei ausgeprägten Beschwerden oder wenn weitere Symptome vorliegen, etwa Blut im Urin, Fieber und Schmerzen, bei einem plötzlichen Harnverhalt oder wiederholt auftretenden Harnwegsentzündungen, ist in jedem Fall eine rasche Untersuchung beim Urologen angesagt. Dieser kann mögliche Komplikationen rechtzeitig erkennen und gezielt behandeln.

Um die Symptome einer Prostatavergrößerung zu lindern, stehen dem Arzt verschiedene rezeptpflichtige Medikamente zur Verfügung. Zum Beispiel sogenannte Alphablocker, die die Muskeln in Prostata, Blase und Harnröhre entspannen und so den Harndrang mildern. Oder 5-Alpha-Reduktase-hemmer, die die Bildung bestimmter Hormone blockieren, die für das Prostatawachstum mitverantwortlich sind. 5-Alpha-Reduktasehemmer entfalten ihre Wirkung allerdings nicht sofort, sondern erst nach mehrmonatiger Einnahme. Welches Präparat der Arzt letztlich verschreibt, hängt weniger von der Größe der Prostata ab als davon, welche Beschwerden im Vordergrund stehen. Auch eine Kombination verschiedener Wirkstoffe kann sinnvoll sein.

Alternativen zu Tabletten   

Lassen sich die Beschwerden durch Medikamente nicht bessern, kann ein chirurgischer Eingriff helfen. Als Standard gilt die transurethrale Resektion der Prostata: die Entfernung (Resektion) von Prostatagewebe durch die Harnröhre (Urethra). Der Eingriff erfolgt in Vollnarkose oder Rückenmarks-Anästhesie. Der Arzt schiebt ein dünnes Rohr durch die Harnröhre und trägt das Prostatagewebe mittels einer Schlinge oder mit Laserlicht ab. Eine Operation ist zur Behandlung einer vergrößerten Prostata heute nur noch selten nötig.

Neue Verfahren in Erprobung   

Seit einiger Zeit werden auch sogenannte "Prostata-Implantate" erprobt. Dabei wird das Prostatagewebe, ebenfalls durch die Harnröhre, mit Fäden gerafft und so der Druck auf die Harnröhre verringert. Wie lange die Wirkung anhält, ist bislang unklar. Krankenkassen bezahlen den Eingriff noch nicht.

Urologe Rolf Muschter rät in jedem Fall dazu, einen notwendigen Eingriff nicht auf die lange Bank zu schieben: schon allein deshalb, weil das Komplikationsrisiko umso geringer sei, je früher der Eingriff erfolgt.



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