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Krankgeschrieben: Was darf ich?

Wer arbeitsunfähig ist, muss nicht unbedingt zu Hause bleiben. Aber was ist bei Krankschreibung rechtlich erlaubt und möglich – und was lässt man besser bleiben?


Eine Krankschreibung muss nicht zwangsläufig Stubenarrest bedeuten

Gefeiert – und gefeuert: An einem Badestrand in Australien packte Paul Marshallsea einen Zwei-Meter-Hai, der sich ins flache Wasser verirrt hatte, und schob ihn beherzt zurück ins Meer. Ein Video davon war kurz darauf im Internet zu sehen, Marshallsea wurde als Held gefeiert. Allerdings nicht von seinem Chef im fernen England. Der schickte ihm prompt die Kündigung. Begründung: Vertrauensbruch. Der 62-Jährige war nämlich krankgeschrieben.

Dumm gelaufen oder ungerecht? Hätte der Brite lieber daheimbleiben sollen? „Das ist Ermessenssache“, stellt der Jurist Michael Puchert von der DGB-Rechtsschutz-GmbH in Regensburg fest, „und hängt auch vom Grund der Krankschreibung ab.“ Denn eine Krankschreibung bedeute nicht zwangsläufig, dass man „Hausarrest“ habe. Man müsse sich nur stets so verhalten, dass die Genesung nicht verzögert wird.


Ist jemand etwa wegen Stress, Depressionen oder Burn-out arbeitsunfähig, darf er fast alles: spazieren gehen, Tennis spielen, Konzerte besuchen – und sogar verreisen, wenn der krankschreibende Arzt darin eine sinnvolle Erholungsmaßnahme sieht. Ob ein Langstreckenflug um die halbe Welt jedoch die Genesung eher hemmt oder fördert – darüber lässt sich im Einzelfall eben streiten.

Krankschreibung: Im Zweifel den Arzt fragen

Mit Husten, Schnupfen und Fieber bleibt man am besten zu Hause. Wer in diesem Zustand wandern geht oder Fußball spielt, riskiert, dass es ihm danach noch schlechter geht – und kann bei seinem Arbeitgeber kaum auf Verständnis hoffen. Zwar muss man den Grund für eine Krankschreibung nicht angeben. Der Arbeitgeber kann allerdings bei begründeten Zweifeln ein Gutachten des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen anfordern.

In jedem Fall ist es wichtig, Form und Frist der Krankmeldung einzuhalten, rät Puchert. Die Krankmeldung sollte nach Möglichkeit schon vor Arbeitsbeginn erfolgen, damit der Arbeit­geber Gelegenheit hat, eine Vertretung zu organisieren. Faustregel: Ab dem vierten Tag der Krankmeldung braucht man den „gelben Zettel“ vom Arzt. Allerdings kann der Arbeitgeber die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung („AU“) auch schon vom ersten Tag an verlangen. Im Zweifelsfall sollte man einen Blick in seinen Arbeitsvertrag werfen.

Nach einem Urteil des Bundesarbeitsgerichts aus dem Jahr 2012 gibt es übri­­gens kein Recht auf Gleichbehandlung: Der Arbeitgeber kann bei manchen Mitarbeitern früher auf einem Attest bestehen als bei anderen und muss dies im Einzelfall nicht begründen. Wer seine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung nicht fristgerecht schicken kann, weil er sich etwa wegen einer Durchfall­erkrankung den Weg zum Briefkasten nicht zutraut, sollte das dem Arbeitgeber mitteilen und das Attest nachreichen.

Korrekt krankgeschrieben: Es geht auch ums Geld

Außerdem wichtig: Dauert die Krankheit länger, muss man sich rechtzeitig um ein Folgeattest kümmern. „Lücken sollten nicht entstehen“, sagt Michael Puchert. Sonst könnten finanzielle Probleme die Folge sein. Ist jemand längere Zeit krankgeschrieben, muss ihm der Arbeitgeber den Lohn sechs Wochen weiterzahlen, aber nicht in jedem Fall. Wer innerhalb eines Jahres aus demselben Grund wieder krankgeschrieben wird, etwa wegen eines diabetesbedingten Fußproblems, hat keinen Anspruch mehr auf Lohnfortzahlung. Erfolgt die Krankschreibung aus einem anderen Grund, ­etwa nach einem Beinbruch beim Radfahren, stehen ihm die sechs Wochen Lohnfortzahlung erneut zu.

Nach diesen sechs Wochen können gesetzlich Krankenversicherte bei ihrer Kasse Krankengeld beantragen. Diese „Lohnersatzleistung“ beträgt rund 70 Prozent des monatlichen Bruttoeinkommens, höchstens aber 90 Prozent des Nettoeinkommens. Privat Krankenversicherte können bei Vertragsabschluss die Zahlung eines Krankentagegeldes vereinbaren. Beginn, Höhe und Dauer der Zahlung werden individuell festgelegt.
Wer im Urlaub krank wird, sollte sich vom Arzt die Arbeitsunfähigkeit für jeden Krankheitstag bescheinigen lassen und das Formular bei seiner Rückkehr dem Arbeitgeber vorlegen. Dann werden die Krankheitstage nicht auf den Urlaub angerechnet.

Trotz Krankheit ins Büro? Besser nicht!

Trotz Krankheit zur Arbeit gehen ist übrigens nicht ratsam. Nicht nur aus Rücksicht auf die Kollegen, die man anstecken könnte, sondern weil man verpflichtet ist, alles zu vermeiden, was der Genesung im Wege steht. Im Rahmen seiner Fürsorgepflicht darf der Arbeitgeber kranke Mitarbeiter sogar wieder nach Hause schicken.

Wer krankgeschrieben und sich nicht sicher ist, was er nun darf und was nicht, sollte ganz einfach den gesunden Menschenverstand walten lassen. Es muss ja nicht gleich ein Hai sein, der für unliebsame Überraschungen sorgt. Michael Puchert erinnert sich an den Fall eines Angestellten, der in seiner Freizeit mit einer Band auftrat, zum Beispiel bei privaten Festen. Das tat er, weil er sich fit genug fühlte, auch während einer Krankschreibung. Dumm nur, dass der Auftraggeber ausgerechnet sein Chef war.




Bildnachweis: F1Online/Westend61

Birgit Ruf / Diabetes Ratgeber; 24.09.2013
Bildnachweis: F1Online/Westend61

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