Neues Lebensgefühl mit Insulinpumpe

Insulinpumpen können beispielsweise Diabetikern helfen, die ihre Blutzuckerwerte mit intensivierter konventioneller Insulintherapie nicht in den Griff bekommen
aktualisiert am 04.04.2016

Moderne Insulinpumpen können ähnlich wie Handys am Gürtel getragen werden

W&B/Bert Bostelmann

Insulinpumpen sind kleine Geräte, die Menschen mit Diabetes mit Insulin versorgen. Ihre Verwendung kann hilfreich sein vor allem bei Patienten mit Typ-1-Diabetes, bei denen die Blutzuckerwerte mit der intensivierten konventionellen Insulintherapie nicht in den Griff zu kriegen sind, die häufige und schwere Unterzuckerungen erleiden sowie bei einer Schwangerschaft. Außerdem bei Kleinkindern mit Typ-1-Diabetes sowie bei Kindern und Jugendlichen mit einem ausgeprägtem Blutzuckeranstieg in den frühen Morgenstunden (Dawn-Phänomen).

Auch Typ-2-Diabetiker können eine Insulinpumpe erhalten, wenn andere Therapieversuche bei ihnen nicht greifen. Sie sollten sich aber auf jeden Fall vorab erkundigen, ob und unter welchen Bedingungen ihre Krankenkasse sich an den Kosten beteiligt.

Wie funktioniert die Insulinpumpe?

Die Pumpe gibt wie die Bauchspeicheldrüse rund um die Uhr kleine Mengen Insulin ab, um den Grundbedarf des Körpers zu decken – den sogenannten Basalbedarf. Das zu den Mahlzeiten zusätzlich benötigte Insulin, den Bolus, ruft der Pumpenträger per Knopfdruck ab. Über einen dünnen Schlauch und eine Stahl- oder Teflonkanüle, die im Unterhautfettgewebe – meist am Bauch – liegt, gelangt es in den Körper.

Eine Insulinpumpe kann zu mehr Lebensqualität und Freiheit im Alltag beitragen. Das Insulinspritzen mit dem Pen entfällt, stattdessen geben Patienten den Insulinbedarf zu den Mahlzeiten per Knopfdruck ab. Auch spontan Sport zu treiben oder Mahlzeiten einzunehmen ist möglich. Bei der Pumpe lässt sich die Insulinmenge ziemlich genau dosieren, so dass die Werte in der Regel weniger stark schwanken.

Moderne Insulinpumpen sind unauffällig

Heute sind Insulinpumpen nicht größer als ein Handy und wiegen nicht mehr als eine Tafel Schokolade. Sie können in der Hosentasche verborgen, am Gürtel befestigt oder an einer Kordel um den Hals getragen werden und nachts frei im Bett liegen. Insulinpumpen sind robust und stoßfest, manche sogar wasserdicht. Sie können bei Bedarf mit einem einfachen Handgriff vorübergehend abgelegt werden, beispielsweise beim Duschen.

Den Katheter muss der Pumpenträger regelmäßig wechseln. Das benötigte Insulin gibt es in vorgefüllten Patronen, oder es wird aus einer normalen Insulinampulle in eine spezielle Pumpenampulle aufgezogen.

Vorteile und Nachteile der Insulinpumpentherapie

Die Vorteile

  • Die Insulinpumpe kann die Lebensqualität von Menschen mit Diabetes erhöhen und eine stabilere Einstellung des Blutzuckers mit besseren HbA1c-Werten und weniger Unterzuckerungen ermöglichen.
  • Das bei der Intensivierten Insulintherapie (ICT) notwendige dauernde Spritzen entfällt. Die Pumpe kann unauffällig unter der Kleidung oder per Fernbedienung bedient werden.
  • Die Pumpe verhilft Diabetikern, ihren Alltag freier zu gestalten: Sie können essen, was, wann und häufig auch wie viel sie möchten, morgens ausschlafen und spontan Sport treiben.

Die Nachteile

  • Die Pumpe muss kontinuierlich am Körper getragen werden. Sie kann nur kurzzeitig abgekoppelt werden, wenn sie bei bestimmten Aktivitäten stört, wie zum Beispiel beim Baden.
  • Die Pumpentherapie ist relativ teuer. Patienten, die bei ihrer Kasse einen entsprechenden Antrag stellen, müssen sich unter Umständen auf ein langes und aufwändiges Verfahren einstellen.
  • Bei mangelnder Hygiene oder zu langer Tragedauer des Katheters kann sich die Einstichstelle entzünden.
  • Wenn der Pumpenträger über längere Zeit kein Insulin mehr erhält, zum Beispiel weil die Pumpe nicht richtig funktioniert, die Kanüle herausgerutscht oder verstopft ist, kann es zu einer Übersäuerung des Blutes (Ketoazidose) kommen.
  • Nur wer lernt, richtig mit dem Gerät umzugehen, profitiert davon. Am Anfang steht eine intensive ambulante oder stationäre Schulung. Auch die Therapie selbst erfordert viel Disziplin und Motivation. Dazu gehören auch die regelmäßige Kontrolle und Dokumentation der Blutzuckerwerte.

Die Bestandteile der Insulinpumpe im Überblick:

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W&B/Martina Ibelherr

1. Der Motor drückt über die Gewindestange den Stopfen der Insulinampulle nach vorne, so dass Insulin abgegeben wird
2. Das Display zeigt die Uhrzeit und die stündliche Insulinabgabe an
3. Die Ampulle enthält den Insulinvorrat
4. Die Batterie versorgt die Pumpe mit Energie
5. Der Adapter verbindet die Insulinampulle mit dem Katheter
6. An der Katheterkupplung kann die Pumpe vorübergehend abgekoppelt werden
7. Der Katheter besteht aus einem dünnen Schlauch und einer unter der Haut liegenden Kanüle, über die das Insulin in den Körper gelangt
8. Über die Bedienungstasten wird die Pumpe programmiert und das zu den Mahlzeiten benötigte Insulin abgerufen



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