Fitness-Studios sind doch eine völlig neue Welt – das merkt Hans Lauber, indem er sich langsam eingewöhnt. Woche drei seines Fitness-Experiments
Jetzt bin ich drin! Jetzt bin ich zum elften Mal hier. Jetzt wird mir die anfangs so fremde Studio-Welt langsam vertraut. Bisher war Bewegung für mich immer ganz einfach: Turnschuhe und Jogging-Klamotten an – und schon ging's los. Mit dieser lässigen Haltung ging ich auch ins Studio – und hatte prompt einmal das T-Shirt nicht dabei, einmal das Handtuch vergessen. Gut, jetzt weiß ich wenigstens, warum es Papier-HANDTÜCHER heißt. Aber noch besser ist: Eine klare Checkliste, was alles in den Rucksack gehört.
Langsam gewöhne ich mich auch an die Spinde für die Kleider, an die gemeinsame Dusche – ungewohnt für einen wie mich, der nie Sport im Verein getrieben hat und der einen Horror vor Massenlagern auf Hütten hat – wobei ich höre, dass Top-Manager inzwischen viel Geld für solch schlichte Gruppen-Aktivitäten ausgeben.
Die Geräte werden zu guten Bekannten
Mir nützt es jedenfalls, dass ich inzwischen eine ganz andere Gelassenheit im Umgang mit den Geräten habe, mich nicht mehr darüber ärgere, wenn die "Beinpresse", meine erste Übung, besetzt ist. Dann gehe ich halt einfach zum "Rückenzug", mische die Geräte nach Belieben – wobei ich beim nächsten Mal den Trainer fragen werde, ob das einfach so geht.
Mir macht es Spaß – und ich freue mich, dass nun auch die Einstellung der Geräte wie selbstverständlich klappt. "Sitzhöhe 4" bei der "Beinpresse" ist in Fleisch und Blut übergegangen. Und ein Unbehagen bei der Übung "Unterer Rücken" signalisiert, dass das Rückenpolster, das ich nach hinten drücke, zu tief eingestellt ist. In der Routine liegt offensichtlich die Kraft!
Mehr Gewicht? Nur kein Übermut!
Keck spiele ich jetzt sogar mal mit dem Gewicht – und lege bei meiner Lieblingsübung, der "Beinpresse", 60 statt 50 Kilo auf. Es flutscht! Enthusiastisch gehe ich weiter zu "Butterfly reverse", nehme statt den vom Trainer angegebenen 15 Kilo mal eben die 17,5 – und scheitere schon nach der siebten Wiederholung kläglich. Am Rücken fehlen offensichtlich noch ein paar Muskeln, die ich dringend für den aufrechten Gang brauche.
Die tiefste Zufriedenheit verschafft mir aber, dass der Rhythmus des Atmens plötzlich selbstverständlich geworden ist: Drei Mal atme ich tief ein, dann drücke ich mit einem deutlichen Ausatmen das Gewicht – und wiederhole diesen Vorgang automatisch 15 mal, ohne, dass ich mich darauf noch konzentrieren muss.
"Das bewusste Ausatmen lässt Ihre Kraft explodieren", erklärt mir Trainer Oliver Derigs den Mechanismus, als ich ihn frage, warum das so ist. An einem packenden Beispiel macht er mir die Sache klar: Ein Karatekämpfer, der mit einem ausatmenden Schrei das dickste Brett durchschlägt, wurde einmal angehalten, das Ganze einatmend zu zelebrieren. Auch das ging. Das Brett war durch. Die Hand auch. Sie war gebrochen.
Hans Lauber / www.diabetes-ratgeber.net / Diabetes Ratgeber, 17.02.2012