Ferienregionen stellen sich zunehmend auf das Winterwandern ein. Der sanfte Ausdauersport eignet sich auch für Diabetiker bestens
Manchmal könnte man vor dem Winter niederknien! Diese Ruhe! Und vor allem nicht Tausende Frischluftfanatiker, die sich alle gleichzeitig erholen wollen, wie im Sommer. Während der warmen Monate etwa gilt der Chiemseeuferweg als Dorado für Radler. Aneinandergedrängt strampeln sie den bezaubernden Weg um das bayerische Meer entlang, den Hinterreifen quasi am Vorderreifen des nächsten.
Kein Wunder, dass der etwa 80 Kilometer lange Weg so beliebt ist. Neben einem das blaue Wasser des Sees, um einen herum das herrliche Panorama der Chiemgauer Alpen. Im Winter gehört der See indes den Wanderern. Logisch, es ist kalt. Und ja, man muss sich warm anziehen. Dafür sind nur ein paar Einheimische unterwegs. Wir gehen die Etappe von Prien am Chiemsee nach Gstadt. Neben uns der stille See. Um uns herum die verschneiten Gipfel. Gut zehn Kilometer lang ist die Strecke.
Gut gerüstet durch die Kälte
Eine ganze Reihe von Ferienregionen sind inzwischen mit gut ausgebauten Wegen auf Winterwanderer eingestellt. Das Stapfen im Schnee gilt als sanfter Ausdauersport, den praktisch jeder ausüben kann – die richtige Ausrüstung vorausgesetzt. Dazu gehören feste Schuhe, ein paar Teleskopstecken sowie Proviant und heißer Tee. Für Wanderer mit Diabetes gilt: Bei längerem Ausdauersport sollten Diabetiker, die bestimmte Medikamente einnehmen, etwa Sulfonylharnstoffe, regelmäßig den Blutzucker kontrollieren.
"Am günstigsten ist es, mit Werten von 100 bis 140 mg/dl (5,6 bis 7,8 mmol/l) zu beginnen und nach 1,5 Stunden zu kontrollieren", rät Dr. med. Arthur Grünerbel, Internist und Sportmediziner aus München. Schnell wirkende Kohlenhydrate wie Traubenzucker oder Cola gehören mit in den Rucksack, um Zuckertiefs aufzufangen "Mit Basalinsulin behandelte Diabetiker sollten ebenfalls regelmäßig ihren Zucker kontrollieren", rät der Experte. Fettarme Energieriegel eignen sich bei niedrigen Temperaturen übrigens nicht. Sie können nämlich einfrieren.
Teleskopstöcke halten auch Arme in Bewegung
Wie hellgraue Fähnchen entweicht der Atem unserem Mund. Doch bald wird uns warm. Dafür sorgen nicht zuletzt die Teleskopstöcke. Die Bewegung der Arme regt die Durchblutung bis in die Fingerspitzen an. Spätestens nach Prien sind wir den Stöcken als Extrastützen ziemlich dankbar: Der Weg über ein Brücklein stellt sich als eisig heraus. Ein älterer Herr ist noch besser gerüstet als wir. Er holt aus seinem Rucksack Grödel, leichte Mini-Steigeisen, die sich problemlos unter Bergschuhe schnallen lassen. Eineinhalb Stunden später: Der erste Stopp. Zeit für einen Schluck warmen Tee.
Jetzt wäre auch der richtige Zeitpunkt für eine Blutzuckermessung. Während der Wanderung sollte das Messgerät nah am Körper getragen werden. Am besten überprüft man den Blutzucker in der halb geöffneten Jacke und lässt während der Auswertung das Gerät in der Jackentasche. Niedrige Temperaturen könnten die Ergebnisse nämlich verfälschen. "Manche Geräte eigenen sich aber auch für kalte Temperaturen. Dies lässt sich beim Hersteller erfragen", sagt Grünerbel. Auch das kälteempfindliche Insulin sollten Diabetiker nah am Körper tragen.
Nach knapp drei Stunden haben wir das Ziel erreicht: Gstadt, ein verschlafenes Hafenstädtchen, von dem der Dampfer nach Prien zurückfährt. Wir ziehen uns ins Innere der Irmingard zurück und lassen den Blick über den einsamen See gleiten. Kein Mensch weit und breit.
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Anne-Bärbel Köhle / Diabetes Ratgeber / Diabetes Ratgeber, 16.02.2012