Hilfe, wenn der Schädel brummt: Welche Hausmittel wirken, warum man mit Schmerzmitteln vorsichtig umgehen sollte und wann ein Besuch beim Arzt angesagt ist
Wenn ihn ein Kunde wegen Kopfweh um Hilfe bat, servierte der amerikanische Apotheker John Pemberton ihm ein Sodagetränk mit Extrakten von Cocablättern und Kolanüssen, das er 1886 selbst entwickelt hatte. Sehr erfolgreich war seine Arznei, die er Coca-Cola nannte, wohl nicht; überliefert ist, dass Penderton täglich nur neun Gläser davon verkaufte. Schließlich trat er die Rezeptur an einen Händler ab. Der machte aus dem wohlschmeckenden Kopfschmerz- ein Erfrischungsgetränk. Der Rest ist Geschichte.
Heute können Apotheker ihren Kopfweh-geplagten Patienten ein ganzes Sortiment wirksamer Medikamente anbieten. Zum Glück, denn allein in Deutschland leiden Millionen Menschen gelegentlich, viele sogar regelmäßig unter Kopfschmerzen. Wer nur ab und zu Tabletten gegen den Brummschädel schluckt, kann das auch ruhig tun. „Kritisch wird es allerdings, wenn man mehr als drei Tage in Folge oder öfter als zehnmal im Monat Schmerzmittel braucht. Dann sollte man unbedingt zum Arzt gehen“, rät Professor Christian Maihöfner, Neurologe und Leiter der Kopfschmerzambulanz an der Universität Erlangen-Nürnberg.
Denn zum einen können Schmerzmittel, wenn man sie häufig einnimmt, mit der Zeit selbst Kopfschmerzen auslösen. Zum anderen ist es wichtig, die Ursache der Beschwerden zu klären. Nur so lassen sie sich gezielt und optimal behandeln. In sechs bis sieben von zehn Fällen dreht es sich um Spannungskopfschmerzen – so genannt, weil Muskelverspannungen im Nacken- oder Kieferbereich an der Entstehung beteiligt sind – oder um Migräne.
Anhand der typischen Beschwerden kann der Arzt die zwei häufigsten Kopfschmerzarten meist gut unterscheiden. Spannungskopfschmerz ist in der Regel beidseitig, dumpf-drückend und fühlt sich an, als würden Schädel und Nacken in einen Schraubstock gezwängt. Migräne dagegen äußert sich durch einseitige pulsierende Schmerzattacken im Bereich der linken oder rechten Schläfe, kann aber ebenfalls Nackenschmerzen hervorrufen. Oft gehören Begleiterscheinungen wie Übelkeit und Erbrechen, Licht- und Lärmempfindlichkeit dazu. Bei etwa jedem zehnten Migränepatienten kündigt sich der Anfall mit einer „Aura“ (lateinisch: „Schein“) an. Das können zum Beispiel bestimmte Seh- oder Sprachstörungen, aber auch Missempfindungen verschiedenster Art sein.
Um der Schmerzen möglichst rasch Herr zu werden, helfen Medikamente mit Wirkstoffen wie Acetylsalicylsäure (ASS), Paracetamol, Ibuprofen oder Diclofenac sowie Kombinationspräparate, die zusätzlich Koffein enthalten. Welches Arzneimittel sich am besten eignet, sollte man mit dem Arzt besprechen.
Wichtig ist, dass man es sofort einnimmt, wenn der Schmerz beginnt, und nicht abwartet, bis er nahezu unerträglich ist. Zur Behandlung von Migräne-Anfällen gibt es außerdem Wirkstoffe aus der Gruppe der Triptane, von denen Mini-Packungen für den Akutbedarf rezeptfrei erhältlich sind. Dennoch sollte man den Arzt fragen, bevor man auf eigene Faust zu einem Triptan greift. Das ist gerade für Menschen mit Diabetes und Bluthochdruck wichtig, weil Triptane das bei ihnen ohnehin erhöhte Risiko für Herzprobleme oder einen Schlaganfall weiter steigern können.
Diabetes und Kopfweh
Auch Unterzuckerungen und hohe Zuckerspiegel können Kopfschmerzen auslösen. Kontrollieren Sie bei Kopfweh Ihren Blutzucker.
Schmerzmittel mit Acetylsalicylsäure (ASS) verstärken die Wirkung von Diabetes-Tabletten, die Sulfonylharnstoffe enthalten, und erhöhen das Unterzucker-Risiko.
Bei Migränepatienten kann Heißhunger, eigentlich ein typisches Anzeichen von Unterzucker, auf eine bevorstehende Attacke hinweisen.
Bei anderen rezeptfreien Schmerzmitteln ist jedoch genauso Vorsicht geboten: So kann zum Beispiel der Wirkstoff Paracetamol die Leber schädigen, wenn man zu hohe Dosen einnimmt – wobei zu beachten ist, dass auch viele Kombinationspräparate Paracetamol enthalten. ASS, Ibuprofen oder Diclofenac wiederum können die Magenschleimhaut reizen und sogar Geschwüre verursachen. Deshalb gilt: Vor der Selbstbehandlung mit Schmerzmitteln immer vom Arzt oder Apotheker beraten lassen. Sofort zum Arzt sollte man, wenn die Kopfschmerzen ungewöhnlich stark sind, erstmals auftreten oder von zusätzlichen Beschwerden wie Fieber oder Nackensteife begleitet sind.
Minzöl statt Tabletten
Manchmal genügen auch schon ein Spaziergang an der frischen Luft oder eine Schläfenmassage mit verdünntem Minzöl, um zumindest leichtere Beschwerden zu lindern. Eine der Hauptursachen sowohl für Spannungskopfschmerz als auch Migräne ist Stress. Deshalb spielt das Stressmanagement beim Vorbeugen von Kopfschmerzen eine besonders große Rolle, so Maihöfner. Regelmäßige Bewegung – wie etwa dreimal in der Woche Walken, Radfahren oder Schwimmen – und Entspannungsverfahren wie die progressive Muskelentspannung helfen, Stress abzubauen. Dass Sport oder Entspannungstechniken Migräneanfällen ebenso effektiv vorbeugen wie ein verschreibungspflichtiger Wirkstoff, konnten schwedische Forscher übrigens erst kürzlich in einer Studie mit 91 Patientinnen nachweisen.
Patienten mit Migräne empfiehlt Neurologe Maihöfner darüber hinaus, typische Auslöser zu meiden. Dazu gehört es beispielsweise, auf einen stabilen Schlafrhythmus zu achten – sowohl Schlafmangel als auch langes Ausschlafen am Wochenende sind ungünstig –, ausreichend zu trinken und etwa auf Rotwein oder manche Käsesorten zu verzichten, wenn man empfindlich darauf reagiert.
Wer an mehr als 15 Tagen im Monat unter Kopfweh leidet, sollte sich an einen Neurologen überweisen lassen. In diesen Fällen kann eine mehrmonatige Therapie mit Medikamenten sinnvoll sein, die sonst zur Behandlung anderer Krankheiten verwendet werden.
Dr. Sabine Haaß / Diabetes Ratgeber / Diabetes Ratgeber, 17.04.2013